Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Politik Die Bahn lenkt mit Rechentricks von ihrer Misere ab
Nachrichten Politik Die Bahn lenkt mit Rechentricks von ihrer Misere ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:27 11.03.2019
„Die Vergleichbarkeit bleibt auf der Strecke“: An der neuen Pünktlichkeitsstatistik der Bahn scheiden sich die Geister. Quelle: Axel Heimken/dpa
Berlin

Noch brütet die Bahn-Spitze über einem Zukunftskonzept für besseren Service, mehr Zuverlässigkeit und Mobilität auf der Schiene. Noch weiß niemand, wo die notwendigen Milliarden herkommen sollen. Die bei zahlreichen Bahngipfeln angekündigten Weichenstellungen lassen – genauso wie häufig die Züge – auf sich warten. Jetzt soll der März zu einem entscheidenden Monat werden, was das angeht.

Doch die Bahn macht den zweiten Schritt vor dem ersten, wenn sie nun eine Generalüberholung ihrer Pünktlichkeitsstatistik ankündigt. Zu Recht werden Vorwürfe des Schönrechnens und der Trickserei laut. Das Vorgehen der Bahn-Spitze wirkt wie ein Ablenkungsmanöver. Statt die Krise auf der Schiene kraftvoll zu bekämpfen, kümmert man sich lieber darum, ihre Dimension zu kaschieren.

Eine Statistikänderung führt zunächst unweigerlich zum Verlust von Vergleichbarkeit. Aus den nächsten Zahlen wird sich nicht ablesen lassen, ob die Bahn nun zugelegt oder sich weiter verschlechtert hat. Dabei hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer verlangt, im Laufe des ersten Halbjahres müssten spürbare Verbesserungen erkennbar sein. Im vergangenen Jahr war laut bisheriger Messmethode jeder vierte Fernzug unpünktlich, kam also mit mehr als sechs Minuten Verspätung an.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass unter den neuen Bedingungen weniger Zugverbindungen als unpünktlich ausgewiesen werden. Weil man nun von Verspätung erst sprechen will, wenn der Kunde seinen Zielbahnhof mehr als eine Viertelstunde nach fahrplangemäßer Ankunftszeit erreicht.

„Akzeptanz gewinnt man mit Erfolgen, die über jeden Zweifel erhaben sind“

Akzeptanz gewinnt man nicht mit vermeintlich besseren Werten auf dem Papier, sondern mit Erfolgen, die über jeden Zweifel erhaben sind. Es sind auch Versäumnisse der Politik, die Bahnchef Richard Lutz das Leben schwer machen. Der Konzern, erst mit viel Sparanstrengung auf Börsenbahn getrimmt und dann wieder sich selbst überlassen, kämpft heute mit hochkomplexen Problemen. Das Unternehmen ist ineffizient strukturiert. Spartendenken dominiert, dem Vorstand fehlt es an Durchgriffsmöglichkeiten.

In diesem Zustand wird die Bahn die Vorgaben des Koalitionsvertrags, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, kaum erfolgreich angehen können. Wenn sich nicht bald Fortschritte zeigen, werden die Forderungen nach einer Verkehrswende, die mehr Güter auf die Schiene verlagert und Inlandsflüge durch attraktive ICE-Verbindungen überflüssig macht, Wunschdenken bleiben. Die Bundesregierung tut gut daran, den Druck auf die Bahn aufrecht zu erhalten und Verbesserungen statt Schönrechnerei einzufordern. Sie muss allerdings auch die notwendigen Milliarden bereitstellen.

Lesen Sie auch: „Peinliche Trickserei“ - Empörung über neue Pünktlichkeitsmessung bei der Bahn

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zu feige, zu wenig konkret und an falscher Stelle provokant – die FDP lässt wenig Gutes an den Europa-Vorschlägen von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Über allem steht ein Vorwurf: Bundeskanzlerin Angela Merkel schweige weiter zu Europa.

11.03.2019

Bei „Anne Will“ wird über Europa diskutiert. Die AfD schwimmt bei ihrer Kritik am Europaparlament. EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber muss sich für Orban rechtfertigen. Und Christian Lindner vergisst seine Macron-Fan-Rolle.

11.03.2019

Der Ton in der Koalition wird rauer. Während ein konservativer Unions-Flügel Kanzlerin Angela Merkel zum Rückzug auffordert, schließen SPD-Politiker es aus, die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Kanzleramt zu wählen. Auch in der Europapolitik knirscht es.

11.03.2019