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Politik Liebe und Hiebe für Robert Habeck
Nachrichten Politik Liebe und Hiebe für Robert Habeck
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16:01 07.01.2019
Robert Habeck und seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock am Montag in Frankfurt (Oder). Quelle: Patrick Pleul/dpa
Frankfurt (Oder)

Als Robert Habeck am Montag bei der Jahresauftakt-Klausur des grünen Bundesvorstandes in Frankfurt (Oder) erschien, sah er tatsächlich aus wie einer, der „eine schlaflose Nacht“ hinter sich hat. Von eben jener hatte der Vorsitzende der Grünen kurz zuvor in seinem vorläufig letzten Tweet berichtet und dann kundgetan, warum er Twitter nun verlasse. Weder das eine noch das andere kamen von ungefähr. Habeck hat turbulente Tage hinter sich.

Am Freitag war bekannt geworden, dass der 49-Jährige zu den Hauptbetroffenen jenes Vorgangs zählt, der seither überwiegend als „Hackerangriff“ firmiert und von dem nach letzten Erkenntnissen knapp 1000 Menschen betroffen sind – Politiker, Journalisten, Kulturschaffende. Anders als bei der Mehrheit wurden in Habecks Fall nicht nur die Handy-Nummer und unpersönliche Dokumente via Twitter und andere Kanäle verbreitet. Verbreitet wurden auch hochgradig private Chats mit Familienangehörigen. Habeck selbst nahm zu dem Vorgang zunächst nicht Stellung.

Am Sonntag verbreiteten Thüringens Grüne dann ein kurzes Twitter-Video, in dem sich Habeck zur Landtagswahl in Thüringen äußert und sagt: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“ Im Herbst 2018 hatte er sich via Twitter ähnlich geäußert und mit Blick auf das absehbare Ende der CSU-Alleinregierung betont: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern." Damals gab es Kritik. Jetzt gab es sie wieder. Schließlich erweckte Habeck den Eindruck, als sei Thüringen nicht schon heute demokratisch. Überdies regieren die Grünen in Thüringen mit.

FDP will Habecks Kanäle übernehmen

Während sich der Flensburger nach dem Bayern-Spot zerknirscht entschuldigte, beließ er es diesmal nicht dabei. Vielmehr verbreitete er via Twitter einen Link zu seinem jüngsten Blog-Eintrag, schrieb „Wie dumm muss man sein, einen Fehler zweimal zu begehen?“ und fuhr dann fort: „Ich habe schon nach dem Bayern-Video darüber nachgedacht. Nach einer schlaflosen Nacht komme ich zu dem Ergebnis, dass Twitter auf mich abfärbt. Dass ich mich bei beiden Videos, auch dem bayerischen, unbewusst auf die polemische Art von Twitter eingestellt habe. Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium, so aggressiv, und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze.“

Weiter schreibt er: „Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.“ Und nach dem „Hackerangriff“ verabschiede er sich auch von Facebook. Habeck schloss mit den Worten: „Denjenigen, die konstruktiv und diskursiv die letzten Jahre den digitalen Raum mit mir geteilt haben, sage ich herzlich danke. Den anderen wünsche ich viele interessante Einsichten. Macht’s gut. Bye, bye.“

Die Reaktionen fielen hochgradig unterschiedlich aus. Manche äußerten Verständnis für Habecks emotionale Lage nach der Facebook-Attacke. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Das ist aber doof. Man kann doch Fehler machen, und man kann sich doch mal vertun.“ Dies gelte auch für einen sympathischen Politiker wie Habeck. Er betonte: „Einen Rückzug finde ich falsch.“ FDP-Generalsekretärin Nicola Beer spottete hingegen: „Wir übernehmen die Kanäle natürlich gerne.“

Einer schwieg unterdessen: SPD-Vize Ralf Stegner, ein Mann mit immerhin 44.600 Tweets. Er macht wohl weiter.

Von Markus Decker/RND

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