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Nachrichten Politik Macht Kramp-Karrenbauer Friedrich Merz zum Minister?
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13:41 09.12.2018
Friedrich Merz ist im Kampf um den CDU-Vorsitz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer knapp unterlegen. Seine Fans sind enttäuscht. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Hamburg

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende und der eine Sprecher des Wirtschaftsflügels ist weg. Christian von Stetten, Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, Chef des Parlamentskreises Mittelstand (PKM) und einer der vehementesten Unterstützer von Friedrich Merz, ist nicht aufzufinden. „Noch nicht gesehen“, sagen seine Kollegen am zweiten Tag des Parteitags. Von Stetten wird ans Rednerpult gerufen in einer Debatte, zu der er sich gemeldet hat. Das Pult bleibt leer.

Der zweite Sprecher des Wirtschaftsflügels geht nach vorne. Carsten Linnemann, Präsident der Mittelstandvereinigung von CDU und CSU (MIT), tritt meist bedächtig auf. Dieses Mal schreit er fast ins Mikrofon: Es sei kein Geheimnis, dass seine Vereinigung Merz unterstützt habe. Aber: „Das war ein demokratisches Verfahren und ich bitte alle, jetzt mitzumachen.“ Das geht an die Anhänger von Merz. An seinen Favoriten richtet er ein Flehen: „Lieber Friedrich, bleib bitte bei uns. Friedrich, wir brauchen Dich.“

Merz bietet Hilfe an

Noch ist er da anwesend, der „liebe Friedrich“. Er sitzt weiter ganz vorne im Saal, mit gutem Blick auf den Platz des Parteichefs links neben dem Rednerpult. Am Vorabend ist er auch zum Delegiertenabend gekommen, den traditionellen Ausklang eines langen Parteitagstages. In der riesigen Halle war der Tisch der alten und der neuen Parteivorsitzenden, Merkel und Kramp-Karrenbauer, gut sichtbar nahe des Eingangs platziert. Merz saß mit dabei, ein bisschen mehr am Rand.

Nach seiner Niederlage hat der Wirtschaftsanwalt seine Mithilfe in der CDU erklärt, aber offen gelassen, wie die aussehen könnte. Wahlkampfauftritte könnten das sein in den kommenden Landtags- und Europawahlen. In NRW arbeitet er in einer Brexit-Kommission mit.

Merz als Minister unter Merkel?

Im Merz-Lager machen Überlegungen die Runde, Merz als Minister ins Kabinett Merkel zu holen. „Für die Stimmung wäre das gut“, sagt ein Bezirksvorsitzender aus Baden-Württemberg. „Damit könnte man das Lager der Enttäuschten wieder aufbauen.“ Er setzt aber gleich hinzu: „Dass das passiert, ist eher unwahrscheinlich.“ Merkel werde sich nicht ihren Widersacher ins Kabinett holen.

Der CDU-Bundesparteitag ist ein Tag der großen Worte – aber auch der großen Bilder. „Es war mir eine Ehre“, sagte Angela Merkel in ihrer Abschiedsrede. Sie erhält minutenlangen Beifall – und muss mit den Tränen kämpfen. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer wird emotional. Eine Zusammenstellung der berührenden Momente.

Wenn Merz käme, müsste ein anderer gehen: Das Finanzministerium besetzt die SPD, bleibt das Wirtschaftsministerium. Das leitet Peter Altmaier, ein Saarländer und Vertrauter von Merkel wie Kramp-Karrenbauer. Aber es gibt sowieso einige, die bezweifeln, dass Merz bereit sein würde, unter Merkel zu arbeiten. Vor 15 Jahren, als Merkel ihn vom Fraktionsvorsitzenden verdrängte, hat er es jedenfalls nicht lange ausgehalten auf dem Posten einer ihrer Stellvertreter. Kramp-Karrenbauer kündigte in der ARD an, in den kommenden Tagen nochmal mit Merz sprechen zu wollen.

Wenn die Wut sich entlädt

Und wie lässt sich das Merz-Lager sonst erreichen? Verletzt, verbittert bis beleidigt sind dort so manche Protagonisten. Nur 17 Stimmen haben Merz zu einem Sieg gefehlt. Auch wenn ein knappes Ergebnis erwartet worden war – es ist ein Ausgang, das aus der Niederlage fast einen Zufall macht. Im Merz-Lager machen Theorien die Runde: Merz sei nervös gewesen und habe schlechte Berater gehabt, heißt es. Manche gehen auf Distanz zu ihrem Favoriten: „Merz hat sich selbst entzaubert“, sagt einer, aber so reden nur wenige.

Ein zentraler Mann des Merz-Lagers spricht von unfairen Wettbewerbsbedingungen: Die Delegiertennamen seien nicht weitergegeben worden – wie habe man da vernünftig Wahlkampf machen sollen? An die Kanzlerin geht von diesen Leuten der Vorwurf der Parteilichkeit: Sie habe Merz nicht vor dem Vorwurf des Lobbyistentums in Schutz genommen. Und dann geht da – laut „Spiegel-Online“ – noch das Gerücht um, die Parteitagsregie habe bei Merz‘ Rede dessen Mikrophon leiser gedreht.

Ziemiak bekommt Wut zu spüren

Die Wut entlädt sich zum ersten Mal am Samstag bei der Wahl des neuen CDU-Generalsekretärs Paul Ziemiak. Er bekommt nur knapp 63 Prozent der Delegiertenstimmen. Vertreter des Wirtschaftsflügels ätzen, es werde da ein Studienabbrecher befördert, der keinerlei Berufserfahrung habe. Dabei ist Ziemiak eigentlich als Friedensangebot an den Wirtschaftsflügel und die Konservativen gemeint gewesen.

„Die Enttäuschten werden eine Zeit brauchen, das ist wie bei Liebeskummer“, sagt ein Merz-Fan. „Es grummelt schon“, bestätigt Vorstandsmitglied Thomas Bareiß dem RND. „AKK muss jetzt zeigen, dass sie einen anderen Politikstil einbringt und die Themen die uns Sorgen machen, einbringt“, Kramp-Karrenbauer wird wohl ein bisschen nachhelfen müssen. „Man kann etwas einfordern“, sagt Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben dem RND. Kramp-Karrenbauer müsse nun „Themen aufsetzen und mutig sein“. Er fügt hinzu: „Sie will ja länger Vorsitzende sein.“

Das sind AKKs erste Ziele

Die neue Chefin sagte in de ARD auf Nachfrage, sie wolle der Kanzlerin Paroli bieten, „wo es im Interesse der Partei notwendig ist“. Die Migrationspolitik soll nun eines ihrer ersten Themen sein, mit einer Parteikonferenz im kommenden Frühjahr, auf der der Streit der vergangenen Jahre aufgearbeitet werden soll. In den Landtagswahlen sollen vor allem auch soziale Themen zu Schwerpunkten werden.

Merz könnte nun auch noch eine andere Strategie verfolgen: 40 Prozent hat er der CDU als Zielmarke vorgegeben für die anstehenden Wahlen, etwa im Mai in Europa. Die Union hat nach der Wahl zwar etwas zugelegt und kommt nun auf 29 Prozent – aber die Merz-Marke ist damit noch nicht erreicht.

Der Kanzlerkandidat der CDU jedenfalls ist noch nicht bestimmt. Vielleicht ist das nun Merz nächstes Projekt.

Von Daniela Vates/RND

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