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15:41 25.04.2019
Fremdenfeindliche Pegida-Demonstration in Dresden (Foto vom 06.02.16): Ausländerfeindlichkeit in Studien abzufragen, ist mitunter knifflig. Quelle: epd
Berlin

Die neue „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) schlägt hohe Wellen. Jeder Zweite Deutsche soll Vorbehalte gegen Asylsuchende haben, lautete die wichtigste Aussage.

Doch wie haben die Forscher das eigentlich herausgefunden? Die wörtliche Frage: „Haben Sie Vorbehalte gegen Asylsuchende?“ taucht in der 327-Seiten langen Veröffentlichung jedenfalls nicht auf - vermutlich hätte sie auch kaum ein Befragter mit ja beantwortet.

Es ist eines der größten Probleme der Sozialforschung, dass Probanden bei Befragungen aus Scham oder anderen Gründen eine ihrer Meinung nach sozial erwünschte Antwort geben, aber nicht ihre tatsächliche Einstellung verraten. Um dieses Problem zu umgehen, haben die Forscher der Ebert-Stiftung versucht, die Meinungen der Studienteilnehmer indirekt abzufragen. Um zum Beispiel herauszubekommen, was die Befragten über Asylbewerber denken, wurden ihnen Aussagen vorgelesen wie:

„Die meisten Asylbewerber werden in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt“ oder „Bei der Prüfung von Asylanträgen sollte der Staat großzügig sein“.

Die Mehrheit will nicht, dass der Staat „großzügiger“ Asyl vergibt

Die Befragten mussten dann ihre Zustimmung oder Ablehnung mittels einer Antwortskala angeben. Die Antwortmöglichkeiten reichten von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“.

Zwischen 28,2 Prozent und 44,2 und der Befragten stimmen etwa der Aussage zu, dass die meisten Asylbewerber in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt werden, zwischen 62,4 und 74,5 der Befragten lehnen es ab, dass der Staat bei der Prüfung von Asylanträgen großzügig sein sollte. Daraus zogen die Forscher den Schluss, dass negative Vorurteile gegen Asylsuchende weit geteilt sind.

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Das Beispiel zeigt, wie knifflig es mitunter sein kann, bei Sozialstudien zu nachvollziehbaren Ergebnissen zu gelangen. Denn laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge liegt die Gesamtschutzquote aller Asylsuchenden derzeit bei 37,9 Prozent. Bei 62,1 Prozent der Asylsuchenden lehnen die deutschen Behörden einen Schutzstatus ab. Formal gesehen ist der Satz also korrekt, dass die meisten Asylbewerber in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt werden - zumindest aus Sicht der deutschen Behörden.

Auch ein anderer Aussagesatz in der Studie ist so formuliert, dass der Rückschluss auf die Einstellungen der Befragten zumindest diskussionswürdig ist. Die Zustimmung zu dem Satz „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ werten die Forscher als Indiz für Fremdenfeindlichkeit.

Die Herausgeberin der Studie weist die Kritik zurück

Bei vielen Befragten mag das stimmen, denkbar wäre allerdings auch, dass Menschen dem Satz nicht wegen eigener Ressentiments zustimmen, sondern aus Sorge um den gesellschaftlichen Frieden. Mit eben diesem Argumentationsmuster hatte schon Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) gegen weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen argumentiert.

Studienherausgeberin Franziska Schröter kennt die Kritik, weist sie aber zurück. „Natürlich kann man der einen oder andere Aussage auch aus nicht fremdenfeindlichen Motiven zustimmen“, sagte Schröter dem RND. Dennoch wisse man aus vielen anderen Untersuchungen, dass sich mit diesen Aussagen Fremdenfeindlichkeit zweifelsfrei messen lassen. „Die Korrelation ist da“, betont Schröter.

Die allermeisten Aussagen sind unmissverständlich formuliert, zum Beispiel der Satz „Homosexualität ist unmoralisch“ oder „Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“. Außerdem wird die Befragung seit 2006 im Zweijahresrhythmus durchgeführt, sodass die Entwicklung der Werte Aussagekraft hat. Gleiches gilt für die Unterschiede im Antwortverhalten, etwas zwischen Ost und West oder zwischen Mann und Frau.

Die „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung lässt sich deshalb durchaus mit Gewinn lesen. Man muss nur genau hinschauen.

Von Andreas Niesmann/RND

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