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Politik Neuer Streit um das Kruzifix
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16:33 25.04.2018
Für ihn ist das Kreuz kein religiöses Symbol: Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf. Quelle: dpa
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Berlin

Bayern streitet um das Kruzifix. Nach dem Beschluss der bayerischen Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die Kreuze in allen Landesbehörden aufzuhängen, reißt die Kritik nicht ab. Statt sich mit den Bedürfnissen der Wähler zu beschäftigen, führe Söder lieber Scheindebatten, kritisierte die Spitzenkandidatin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen. Söder solle den Missbrauch des Christlichen beenden und stattdessen christlich handeln, sagte Kohnen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch andere Oppositionskräfte griffen Söder scharf an. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Katharina Schulze, bemängelte, Söder trete abwechselnd als Manager, Kümmerer und neuerdings auch als Missionar auf.

Am Dienstag hatte das bayerische Kabinett beschlossen, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht werden soll. Söder hatte dabei betont, das Kreuz stehe nicht für eine Religion, sondern sei ein „Bekenntnis zur Identität“ und zur „kulturellen Prägung“ Bayerns. Mit einem Foto auf Twitter, auf dem er in der Staatskanzlei ein Kreuz aufhängt, hatte sich der Ministerpräsident Spott im Netz eingehandelt.

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Rückendeckung von der katholischen Kirche

Rückendeckung erhielt die CSU von der katholischen Kirche. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Thomas Sternberg sagte dem RND: „Das Kreuz ist ein Zeichen europäischer Kultur, das sich nicht als Kampfmittel gegen andere Religionen eignet.“ Die Häme in den sozialen Medien bezeichnete Sternberg als „niveaulos“ und „unter der Gürtellinie“

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm warnte Söder davor, das Kreuz zur Abwehr gegen andere zu benutzen. Das gelte auch für Flüchtlinge. „Das Entscheidende ist, dass das Kreuz nicht nur an der Wand hängt, sondern auch mit Leben erfüllt wird“, sagte Bedford-Strohm. Er unterstrich zudem, das Kreuz sei zuallererst ein religiöses Symbol und widersprach damit Söders Aussage.

Von Jean-Marie Magro / RND