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Politik Nicht mehr überall hin mit der Kippa? Das ist das falsche Signal
Nachrichten Politik Nicht mehr überall hin mit der Kippa? Das ist das falsche Signal
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17:28 26.05.2019
Ein Mann trägt Kippa in Frankfurt am Main. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung rät davon ab, dies überall in Deutschland zu tun. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Berlin

Schon länger gibt es alarmierende Zeichen und Zahlen, was die Ausbreitung des Antisemitismus in Deutschland angeht.

So hat die Bundesregierung erst vor wenigen Wochen verkündet, dass die Zahl antisemitischer Straftaten um ein Fünftel zugenommen hat. Umfragen zeigen, dass die Vermischung von Kritik an Israel mit antisemitischen Vorurteilen und Verschwörungstheorien sich ausbreitet.

Da ist es von besonderer Bedeutung, wenn der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Juden nun davor warnt, überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Felix Klein sagt, dass er seine Meinung in diesem Punkt leider habe ändern müssen.

Vor dem Hintergrund der eingangs erwähnten Entwicklungen ist es sicher nachvollziehbar, Juden hierzulande davon abzuraten, sich klar erkennbar als Juden zu zeigen.

„Es sind nicht die Juden, die sich verstecken müssen“

Das Signal ist dennoch verheerend. Denn wenn ein Regierungsbeauftragter spricht, dann wird das als Äußerung der Regierung wahrgenommen. Die Schlagzeile „Regierung warnt Juden vor Tragen der Kippa“, die sich prompt verbreitete ist nicht falsch – und stieß im In- und Ausland auf Entsetzen.

Denn natürlich wäre eine scharfe Kritik an den Zuständen richtig gewesen; der Aufruf nötig, sich gegen Judenfeindlichkeit zu stellen und die Klage darüber, dass Politik und Polizei offenbar zu wenig dagegen tun. Doch wenn sich eine solche Warnung im Namen der Regierung verbreitet, klingt sie vor allem nach Resignation. Aufgeben aber darf die Politik in diesem Punkt nie.

Den entscheidenden Hinweis an Politiker, Justiz, Polizei und Verfassungsschützer gab Felix Klein dabei selbst: Etwa 90 Prozent der antisemitischen Taten in Deutschland wird nach wie vor von Rechtsextremisten begangen. Es ist Deutschland, das sich dagegen wehren muss - und nicht die Juden, die sich verstecken müssen.

Lesen Sie auch: Neue bundesweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle

Von Steven Geyer/RND

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