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Politik Neue Analyse: Wer wählt AfD und warum?
Nachrichten Politik Neue Analyse: Wer wählt AfD und warum?
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16:08 02.09.2019
Die AfD-Spitze jubelt über den Wahlerfolg der Partei in Sachsen und Brandenburg. Die Analyse zeigt: Die Rechtspopulisten konnten vor allem bisherige Nichtwähler für sich gewinnen. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Nur schlecht gelaunte „alte weiße Männer“ wählen die AfD? Das stimmt so nicht ganz, wie eine Analyse der „Forschungsgruppe Wahlen“ in Sachsen und Brandenburg zeigt. Im Freistaat beispielsweise hat die rechtspopulistische Partei bei den Wählern unter 30 Jahren am stärksten abgeschnitten. In dieser Gruppe holte die AfD 22 Prozent der Stimmen.

Nur die Grünen mit 19 Prozent und die CDU (17) konnten da annähernd mithalten. Am stärksten schnitt die AfD mit über 31 Prozent bei den 30- bis 59-Jährigen ab. Bei den über 60-Jährigen erreichte die AfD nur 23 Prozent und lag dort deutlich unter dem Schnitt. Insgesamt landete die AfD bei 27,5 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in Brandenburg. Dort konnte die AfD sogar „nur“ 18 Prozent der Ü60-Wähler von sich überzeugen.

Sachsen und Brandenburg steuern auf Dreier-Koalitionen zu

Die AfD mobilisiert sehr viele Nichtwähler

In beiden Bundesländern hat die AfD von allen Parteien Wähler „abgesogen“. Vor allem die CDU hat darunter gelitten. In Brandenburg verlor sie im Vergleich zu 2014 28.000 Wähler an die rechte Konkurrenz, in Sachsen waren es sogar 81.000. Mit Abstand am meisten hat die AfD aber von bisherigen Nichtwählern profitiert: In Brandenburg konnte sie 107.000 bisherige Wahlverweigerer an die Urne locken, in Sachsen waren es sogar 241.000.

Die AfD bleibt eine Männerpartei

Überproportional viele Männer machten ihr Kreuzchen bei der AfD. Während in Sachsen 33 Prozent der wahlberechtigten Männer den Rechtspopulisten ihre Stimme gaben, traf das nur auf 22 Prozent der Frauen zu. Bei den anderen Parteien lagen die Abweichungen zwischen den Geschlechtern bei maximal 2 Prozent. Auch in Brandenburg ist das Phänomen zu beobachten. Auffällig: In beiden Bundesländern wählten die Frauen überproportional häufig die Partei der regierenden Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Dietmar Woidke (SPD).

Das Denkzettel-Motiv

Wer AfD wählt, wird meist von einem speziellen Motiv getrieben: 28 Prozent der AfD-Wähler in Sachsen betrachteten ihre Wahl als Denkzettel. 70 Prozent wählen die Partei „wegen ihrer politischen Forderungen“, hat die Forschungsgruppe Wahlen herausgefunden. Die AfD sei die „einzige Partei, die die wichtigen Probleme beim Namen nennt“, glauben 95 Prozent ihrer Wähler. Klar wichtigstes Thema für AfD-Wähler: der Bereich Ausländer/Flüchtlinge. Die Gesamtheit der Sachsen sieht inzwischen aber auch im Bereich Rechte/AfD ein großes Problem ihres Landes. In Brandenburg spielte das Denkzettel-Motiv für die AfD-Wähler mit 53 Prozent eine größere Rolle als in Sachsen. Dafür gaben „nur“ 43 Prozent an, die Partei wegen ihrer Inhalte zu wählen.

Der Angst-Faktor

Eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sieht die Angst um den Arbeitsplatz und den sozialen Status in Ostdeutschland als wesentlichen Grund für das starke Abschneiden der AfD. „Während sich im Westen vor allem un- und angelernte Beschäftigte große Sorgen um ihre berufliche und soziale Zukunft machen und überdurchschnittlich häufig rechte Parteien wählen, trifft das in den neuen Bundesländern auch auf Berufsgruppen mit mittlerem Status wie Facharbeiter oder Angestellte mit mittlerem Bildungsabschluss zu“, fasst die Soziologie-Professorin Bettina Kohlrausch die Erkenntnisse zusammen.

Taktische Stimmen für die Parteien der Ministerpräsidenten

Linke, SPD, Grüne und FDP haben in Sachsen etwas schlechter abgeschnitten, als in den Umfragen vorhergesagt. „Das erklärt sich dadurch, dass sich potenzielle Sympathisanten der Parteien am Ende für die Wahl der CDU entschieden haben, um den Wahlsieg der AfD zu verhindern“, erklärte der Chemitzer Parteienforscher Tom Thieme der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Nach dem gleichen Muster sei die Wahl in Brandenburg zugunsten der SPD ausgegangen.

Linken und CDU sterben viele Wähler weg

Zu den großen Verlierern der Landtagswahlen zählt die Linkspartei. In Sachsen konnte sie zwar 15.000 bisherige Nichtwähler für sich gewinnen, hat aber an alle anderen Parteien abgegeben. Am stärksten an die AfD (29.000) und die CDU (24.000), wie Infratest Dimap errechnet hat. Ein besonderes Problem: Mehr als 32.000 Menschen, die bei der vorangegangenen Landtagswahl in Sachsen noch die Linke gewählt hatten, sind seither verstorben.

Stärker war von diesem Problem nur die CDU betroffen: 61.000 ihrer bisherigen Wähler lebten am Wahlsonntag nicht mehr. In Brandenburg hat die Linkspartei besonders viele Wähler an die Ministerpräsidenten-Partei SPD verloren (19.000). Die Abwanderung in Richtung AfD hielt sich dort mit 11.000 noch in Grenzen.

Alle aktuellen Entwicklungen rund um die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen erfahren Sie in unserem Live-Blog.

Alle Ergebnisse zur Landtagswahl in Sachsen erhalten Sie hier.

Alle Ergebnisse zur Landtagswahl in Brandenburg gibt es hier.

Von Christian Burmeister/RND

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