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Politik Philipp Amthor: Der junge CDU-Liebling mit dem Rassismus-Eklat
Nachrichten Politik Philipp Amthor: Der junge CDU-Liebling mit dem Rassismus-Eklat
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17:38 31.05.2019
Philipp Amthor (CDU) wird nach einer Aussage über Muslime und die Nationalhymne kritisiert. Quelle: imago images/Jens Jeske
Berlin

Internet-Deutschland hat vergeblich gewartet: Die Antwort auf das Rezo-Video von Philipp Amthor kommt nicht mehr. Dafür kursiert seit Donnerstag auf Twitter ein älteres Video, das den 26-jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten im vergangenen Oktober zeigt.

Darin singt er auf einem Kleinstadt-Marktplatz in Mecklenburg-Vorpommern mit einigen umstehenden grauhaarigen Herren die Nationalhymne. Nach der Gesangseinlage grinst Amthor jovial in die Runde und sagt: „keiner von uns Moslem, der das jetzt nicht singen kann“. Befremdlich auch die Szene, die folgt: Ein Umstehender antwortet mit „Wir sind ja keine Ölaugen“ und wird von Amthor mit einem Lacher und Schulterklopfer belohnt.

Ist das noch konservativ oder schon rassistisch? Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) twitterte, was Amthor sage, sei rassistisch. Amthor müsse sich bei allen Muslimen entschuldigen. Der 26-Jährige zählt klar zum rechten Flügel der Partei, ist Mitbegründer des Konservativen Kreises in Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich Merz gehört zu seinen Vorbildern, er trägt stets eine Deutschlandfahne am Revers.

Trotzdem hat der junge Abgeordnete bald gemerkt, dass er mit diesem Auftritt über das Ziel, als volksnaher Politiker mit Altherrenhumor zu erscheinen, womöglich hinausgeschossen ist. Im „Nordkurier“ distanzierte Amthor sich schon im November von seiner Äußerung.

„Natürlich freue ich mich über jeden, der die Hymne mitsingt“

„Ganz klar, das Zitat ist mehr als unglücklich, und ich würde das so auch nicht mehr sagen“, sagte er. Nicht zu sehen sei im Video, dass man vorher über das Singen der Nationalhymne im Fußball gesprochen habe. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass es sich dabei nur um einen flapsigen Spruch handelte, mit dem ich niemanden angreifen wollte“, zitierte der „Nordkurier“ Amthor weiter. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte er nun erneut: „Für mich ist klar, dass Religion und Nationalhymne nichts miteinander zu tun haben. Natürlich freue ich mich über jeden, der die Hymne mitsingt.“

Der diskutierte Ausschnitt stammt aus einer Dokumentation des Funk-Formats „Y-Kollektiv“, das junge Parlamentarier bei der Arbeit begleitete. Dass es ausgerechnet jetzt wieder auftaucht, hängt wohl mit der aktuellen Debatte um die Soziale-Medien-Kompetenz der CDU zusammen. Die Online-Aktivitäten von Amthor und seiner Partei werden aufmerksam verfolgt.

Eine Bundestagsrede von Amthor als viraler Hit

Als jüngster CDU-Bundestagsabgeordneter galt Amthor zumindest vor der Rezo-Diskussion als medialer Hoffnungsträger der Partei. Er landete seinen ersten viralen Youtube-Hit mit einer leidenschaftlichen Bundestagsrede gegen einen Antrag der AfD zum Burka-Verbot. Seitdem ist er bundesweit bekannt und wird gerne vorgezeigt, wenn es mal wieder heißt, die CDU habe keine „jungen Leute“.

Weiterer Pluspunkt Amthors: Trotz seiner wertkonservativen Prägung hat er ein gutes Verhältnis zur Kanzlerin. Angela Merkel ist seine Wahlkreisnachbarin. „Es war Angela Merkel, die mir sagte, ich solle nicht in Hamburg, sondern in Greifswald studieren, um nicht die Parteiarbeit aus den Augen zu verlieren”, berichtete der Einser-Abiturient in einem früheren Interview. Er folgte – und bis jetzt hat es ihm nicht geschadet. Nun bringt das Video ihn in Bedrängnis.

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Von RND/lis/köp/DPA

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