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Politik Diese Frau will den Vorsitzenden der deutschen Polizeigewerkschaft stürzen
Nachrichten Politik Diese Frau will den Vorsitzenden der deutschen Polizeigewerkschaft stürzen
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16:41 26.07.2019
Kirsten Lühmann Quelle: dpa
Hannover

Rainer Wendt liebt die Macht. Darum will sich der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) 2020 zur Wiederwahl stellen. Der 62-Jährige wird allerdings auf eine Gegenkandidatin treffen. Kirsten Lühmann, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Celle. Der „Neuen Presse“ aus Hannover bestätigt sie jetzt: „Ich trete an.“ Insider sprechen von einer Palastrevolution. In der Polizeigewerkschaft rumort es nicht erst, seitdem Wendt erneut seinen Machtanspruch anmeldete. 2017 war der gebürtige Duisburger aus dem aktiven Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen ausgeschieden. Zuvor hatte „report München“ berichtet, der Gewerkschaftsfunktionär habe jahrelang ein Beamtengehalt kassiert, ohne an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen.Wegen Untreue ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf stellte die Untreue-Ermittlungen mangels nachweisbarem Vorsatz im November 2017 ein. Das nordrhein-westfälische Innenministerium kam zwar zum Schluss, die Besoldung sei unrechtmäßig gewesen – dennoch gab es nie Regressansprüche gegen Wendt, zugleich CDU- und CSU-Mitglied.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG), Rainer Wendt. Quelle: dpa

Wendt polarisiert. Mit seinem 2016 erschienen Buch „Deutschland in Gefahr: Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt“, mit seinen Positionen zur Gewalt in Fußballstadien („Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht, und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden“), mit ironischen Bemerkungen zu Klimaschutzaktivistin Greta Tunberg.

Mutter dreier Töchter

Kirsten Lühmann mag das alles nicht kommentieren. „Ein anderer Stil täte der Arbeit in der Polizeigewerkschaft gut“, findet die 55-Jährige aus Hermannsburg im Landkreis Celle. Die Mutter dreier Töchter und vierfache Großmutter versteht sich als „Teamplayer“, ist gut vernetzt im Beamtenbund und in Berlin. Sie stehe für Aufbruch, sagt sie.

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Lühmann, Tochter des früheren FDP-Bezirkschefs Dieter Lüddecke, gehört dem Bundestag seit 2009 an – versteht sich aber nach wie vor als Polizistin. 1983 fing sie ihren Dienst in der Polizeischule in Hannoversch Münden, in der auch ihre Großväter ausgebildet worden waren.„Als Teil eines Versuchs, 250 uniformierte Frauen in die Schutzpolizei Niedersachsen zu integrieren, habe ich erlebt, was der Unterschied zwischen rechtlicher und tatsächlicher Chancengleichheit sein kann“, schildert die SPD-Bundestagsabgeordnete ihre ersten Dienstjahre. Das Erlebte setzt sie heute um, beispielsweise in der Europäischen Union unabhängiger Gewerkschaften (CESI) an, wo sie seit 2005 Vorsitzende der Fachkommission Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) ist.

„Beide Mandate sind nicht vernünftig zu kombinieren“

Die 55-Jährige, Politikerin und nach wie vor Polizistin mit Herz, meint: „Beide Mandate sind nicht vernünftig zu kombinieren.“ Sollte sie zur Chefin der Polizeigewerkschaft gewählt werden, würde sie 2021 nicht wieder für den Bundestag kandidieren. Der Wechsel reizt sie sehr: „Wir stehen vor großen Herausforderungen in der Sicherheitsarchitektur.“ Eines der großen Probleme sei, dass Polizisten sich „nicht wertgeschätzt fühlen“ und die Angriffe gegen sie zunehmen.

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Von Vera König/RND

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