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Politik Rennen um den SPD-Vorsitz: Diese Kandidaten haben die besten Chancen
Nachrichten Politik Rennen um den SPD-Vorsitz: Diese Kandidaten haben die besten Chancen
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15:27 17.09.2019
SPD-Vorsitzendenkandidaten Ralf Stegner, Gesine Schwan, Boris Pistorius, Dierk Hirschel, Hilde Mattheis, Christina Kampmann, Michael Roth, Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Klara Geywitz, Olaf Scholz, Karl Lauterbach und Nina Scheer (v.r.) bei Regionalkonferenz in Baden-Württemberg: Nur zwei Teams können es in die Stichwahl schaffen. Quelle: Marijan Murat/dpa
Berlin

Wenn die Suche nach einer neuen SPD-Spitze ein Marathon ist, dann sind die Teilnehmer gerade bei Kilometer 21 angekommen. Die Hälfte ist fast geschafft. In Berlin findet am Dienstagabend die zwölfte von 23 Regionalkonferenzen statt.

Bei den ersten gab es einige Überraschungen. Vermeintliche Favoriten blieben unter ihren Möglichkeiten, andere nutzten ihre Chancen besser. Aber die Konferenzen allein werden am Ende nicht den Ausschlag geben. Die SPD hat 430.000 Mitglieder, nur eine Minderheit wird die Kandidaten live und in Farbe erleben.

Niemand kann deshalb seriös vorhersagen, wie das Rennen um den Vorsitz ausgehen wird. Aber es gibt Anhaltspunkte. Den Applaus bei den Regionalkonferenzen, das Ansehen der Kandidaten in der Partei, die Art, wie politische Freunde und Gegner über sie reden. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat die wichtigsten Informationen zusammengetragen und wagt eine Prognose, wie das Rennen ausgehen wird. Letztere ist ohne Gewähr.

Hilde Mattheis und Dierk Hirschel

Kandidatenduo Hilde Mattheis und Dierk Hirschel. Quelle: Marijan Murat/dpa

Dafür stehen sie:

Innerhalb der SPD steht das Kandidatenduo Hilde Mattheis und Dierk Hirschel am weitesten links. Die Bundestagsabgeordnete Mattheis hat sich einen Namen als Chefin des SPD-internen Forums Demokratische Linke (DL21) gemacht, ist aber selbst vielen Parteilinken in Forderungen und Auftreten zu radikal. Das Team tritt für eine konsequente Politik der Umverteilung zwischen Arm und Reich ein.

So läuft die Kampagne:

Die Auftritte des Duos bei den Regionalkonferenzen sind besser, als manch einer erwartet hätte. Vor allem Mattheis spult ihr Programm souverän runter, Ökonom Hirschel redet sich manchmal in Rage.

Diese Unterstützer gibt es:

Prominente Unterstützer gibt es bislang nicht. Nominiert wurde das Kandidatenpaar von neun SPD-Kreisverbänden aus Bayern, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Mattheis darf darauf hoffen, einige Stimmen aus dem Forum DL21 zu mobilisieren.

So stehen die Chancen:

Trotz halbwegs gelungener Auftritte gelten Hilde Mattheis und Dierk Hirschel in der SPD als chancenlos. Vor allem am linken Parteiflügel hofft manch einer auf einen Rückzug zugunsten eines anderen Paares. Wer die streitlustige Mattheis kennt, weiß allerdings, dass die Chancen dafür nicht allzu groß sind - das Team wird wohl durchziehen.

Prognose:

Hilde Mattheis und Dierk Hierschel sind als Außenseiter gestartet und es bisher geblieben. Alles andere als Platz 7 wäre ein Erfolg.

Nina Scheer und Karl Lauterbach

Kandidaten-Duo Nina Scheer und Karl Lauterbach. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Dafür stehen sie:

Der Gesundheitsexperte und die Umweltpolitikerin haben zwei Kernbotschaften: Konsequenter Kampf gegen den Klimawandel und raus aus der GroKo. Scheer kämpft für eine deutlich ökologischere SPD als bisher, Lauterbach für ein gerechteres Gesundheitssystem.

So läuft die Kampagne:

Zu Beginn hatten Lauterbach und Scheer Probleme mit dem gemeinsamen Auftritt. Inzwischen funktioniert das Zusammenspiel besser. Bei den Regionalkonferenzen bekommt das Duo regelmäßig viel Beifall für die Forderung nach einem sofortigen Austritt der SPD aus der GroKo.

Diese Unterstützer gibt es:

Nominiert wurden Scheer und Lauterbach von insgesamt sieben SPD-Unterbezirken, die allesamt aus NRW oder Schleswig-Holstein stammen. Sympathien sammeln sie bei Sozialdemokraten, die unbedingt aus der GroKo herauswollen. In der Bundestagsfraktion und unter SPD-Ministern ist der Rückhalt dagegen gering. Lauterbach wird von manchem ein zu machohaftes Auftreten nachgesagt.

So stehen die Chancen:

Die Kandidaten selbst rechnen sich durchaus Chancen aus, in die Stichwahl zu kommen. Hört man sich unter Sozialdemokraten in der Hauptstadt um, werden ihre Chancen als eher gering eingeschätzt. GroKo-Kritiker an der Basis könnten bei den beiden ihr Kreuzchen machen.

Prognose:

Nina Scheer und Karl Lauterbach werden es wohl eher nicht in die Stichwahl schaffen. Im RND-Ranking liegen sie derzeit auf Platz 6 - mit leichter Tendenz nach oben.

Petra Köpping und Boris Pistorius

Kandidatenduo Petra Köpping und Boris Pistorius. Quelle: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Dafür stehen sie:

Der niedersächsische Innenminister und die sächsische Integrationsministerin stehen für einen eher rechten SPD-Kurs und einen starken Staat – vor allem in der Sicherheitspolitik. In der SPD wollen sie die Rolle der Kommunalpolitiker stärken.

So läuft die Kampagne:

Das Duo Köpping und Pistorius ist bislang die größte Enttäuschung im Kandidatenprozess. Gestartet sind beide als Mitfavoriten, bei den Regionalkonferenzen blieb das Duo aber blass. Selbst bei seinen Heimspielen in Hannover und Oldenburg konnte Pistorius nicht punkten. Das Duo hat außerdem die höchste Fehlquote: Köpping verpasste bereits zwei Vorstellungsrunden, Pistorius eine.

Diese Unterstützer gibt es:

Formal ist die Unterstützung aus der SPD für das Duo riesig. Die Landesverbände Niedersachsen, Sachsen und Thüringen haben Pistorius und Köpping nominiert, dazu alle niedersächsischen Bezirke und zahlreiche Kreisverbände. Allerdings verlief die Kandidatenkür in Niedersachsen wegen des langen Zögerns von Ministerpräsident Stephan Weil holprig, weshalb manch einer in der SPD die Unterstützung für nur halbherzig hält.

So stehen die Chancen:

Petra Köpping und Boris Pistorius gehören eigentlich zum Favoritenkreis, sie werden sich aber deutlich steigern müssen, um es in die Stichwahl zu schaffen. Vor allem bei ihren Live-Auftritten haben die beiden Landesminister Luft nach oben.

Prognose:

Ihre aktuelle Performance reicht nur für Platz 5. Nur wenn die Kampagne in Schwung kommt, können Köpping und Pistorius noch auf einen der vorderen Plätze hoffen.

Gesine Schwan und Ralf Stegner

Kandidatenduo Gesine Schwan und Ralf Stegner. Quelle: Getty Images

Dafür stehen sie:

Ralf Stegner ist seit Jahren das Aushängeschild der SPD-Linken. Gesine Schwan galt früher als eher pragmatische Sozialdemokratin. Über die GroKo wollen sie den SPD-Parteitag abstimmen lassen, langfristig streben sie ein rot-rot-grünes Bündnis an.

So läuft die Kampagne:

Zu Beginn ihrer Kandidatur wurden Schwan und Stegner mit viel Häme bedacht – vor allem im Netz. Bei den Regionalkonferenzen aber punkten sie mit Schlagfertigkeit und Selbstironie, wofür sie viel Beifall ernten.

Diese Unterstützer gibt es:

Acht Kreisverbände haben ihre Unterstützung erklärt, vor allem aus Schleswig-Holstein, aber auch aus Bayern und Brandenburg. Ralf Stegner kann auf die Unterstützung einiger Parteilinker setzen, Gesine Schwan mobilisiert unter intellektuellen Sozialdemokraten.

So stehen die Chancen:

Manch einer in der SPD glaubt, dass es Schwan und Stegner in die Stichwahl schaffen werden. Andere Genossen halte das eher für unwahrscheinlich und verweisen darauf, dass Stegner vor der schleswig-holsteinischen Landtagswahl 2012 schon einmal ein Basisvotum verloren hat.

Prognose:

Wegen des Bekanntheitsgrades und der starken Auftritte reicht es derzeit für Platz 4 - Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Christina Kampmann und Michael Roth

Kandidaten-Duo Christina Kampmann und Michael Roth. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Dafür stehen sie:

Der Außenstaatssekretär und die NRW-Landtagsabgeordnete stehen für einen moderaten Linkskurs. Sie fordern eine Abschaffung der Schuldenbremse und ein Investitionsprogramm. Zwei Plätze im Parteivorstand wollen sie Basismitgliedern reservieren, die per Los bestimmt werden sollen. Über den Verbleib der SPD in der GroKo wollen sie ein neues Mitgliedervotum abhalten.

So läuft die Kampagne:

Selbst Gegner räumen ein, dass Kampmann und Roth derzeit die professionellste Kampagne führen. Die beiden wirken unverbraucht, sie bekommen viel Applaus bei den Regionalkonferenzen und im Netz. Kritiker werfen dem Duo vor, dass manche Forderung wie auswendig gelernt wirke und der Show-Effekt eine zu große Rolle spiele.

Diese Unterstützer gibt es:

Nominiert wurde das Duo vom SPD-Bezirk Hessen-Nord und zwei hessischen Unterbezirken. Auch unter den Bundestagsabgeordneten des Berliner Netzwerks gibt es Anhänger, etwa Innenexpertin Eva Högl. Ex-NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat die Kandidatur begrüßt. Die SPD-Verbände in Kampmanns politischer Heimat Ostwestfalen sind dagegen auffallend still.

So stehen die Chancen:

Kein Duo polarisiert aktuell mehr als Kampmann/Roth. Neutrale Bewertungen der Kandidatur sind in der SPD derzeit praktisch nicht zu hören. Die Genossen sind entweder begeistert oder entsetzt. Kampmann und Roth werden inzwischen bessere Chancen als zu Beginn des Prozesses eingeräumt. Für die Stichwahl reicht es aber nur, wenn alles optimal läuft.

Prognose:

Christina Kampmann und Michael Roth haben ein Momentum und sind vom Außenseiterteam zum Geheimtipp geworden. Derzeit reicht es für Platz drei - Tendenz nach oben.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

Kandidatenduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Quelle: imago images / photothek

Dafür stehen sie:

Der frühere Finanzminister von Nordrhein-Westfalen und die Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg gehen mit einem klassisch-linken SPD-Kurs ins Rennen. Sie wollen das Steuersystem umbauen und die Abgaben für Vermögende sowie Spitzenverdiener erhöhen. Als Bürgerschreck taugen Walter-Borjans und Esken allerdings auch nicht. Aus SPD-Sicht ist ihre Kandidatur womöglich die integrierendste im Feld.

So läuft die Kampagne:

Walter-Borjans und Esken sind als letztes Duo in das Rennen eingetreten. Zu Beginn surften sie auf einer Sympathiewelle, allerdings ist diese inzwischen abgeebbt. Das liegt auch daran, dass die Auftritte bei den Regionalkonferenzen noch nicht sitzen. Vor allem Walter-Borjans fremdelt erkennbar mit dem auf Zuspitzung abzielenden Format.

Diese Unterstützer gibt es:

Der große und wichtige SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat das Duo nominiert, außerdem drei Kreisverbände aus NRW. Noch wichtiger dürfte die Unterstützung von Juso-Chef Kevin Kühnert sein. Das inzwischen aus dem Rennen ausgeschiedene Kandidatenduo Simone Lange und Alexander Ahrens hat seine Anhänger ebenfalls zur Unterstützung des Teams Walter-Borjans/Esken aufgerufen.

So stehen die Chancen:

Unter den linken Kandidatenteams gelten Walter-Borjans und Esken als Favoriten. Wenn die Auftritte besser werden, sollte es eigentlich für die Stichwahl reichen. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich die linken Bewerberduos gegenseitig Stimmen abjagen und damit am Ende neutralisieren.

Prognose:

Wegen der starken Unterstützung der Jusos und aus NRW liegt das Duo derzeit Platz auf zwei - ist aber stark abstiegsgefährdet.

Klara Geywitz und Olaf Scholz

Kandidatenduo Klara Geywitz und Olaf Scholz. Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp

Dafür stehen sie:

Verlässlichkeit – damit wollen der Bundesfinanzminister und die frühere Generalsekretärin der SPD Brandenburg punkten. Einen Linksruck der SPD wird es mit dem Duo Scholz nicht geben, beide stehen für Maß und Mitte. Vizekanzler Scholz wirft außerdem sein Gewicht als erfahrener Regierungspolitiker in die Waagschale.

So läuft die Kampagne:

Als Olaf Scholz in das Rennen eingestiegen ist, war die Überraschung groß. Klara Geywitz folgte wenig später. Das Momentum der Anfangsphase konnten die beiden jedoch nicht für sich nutzen. Ihre Auftritte bei den Regionalkonferenzen sind solide, entfachen aber keine Begeisterung.

Diese Unterstützer gibt es:

Nominiert wurden Scholz und Geywitz vom SPD-Landesverband Hamburg sowie Kreisverbänden in Schleswig-Holstein und Brandenburg. Auch prominente Sozialdemokraten wie der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, gehören zum Kreis der Unterstützer.

So stehen die Chancen:

Scholz und Geywitz gelten trotz steigerungsfähiger Kampagne parteiintern nach wie vor als Favoriten. Scholz wird ein Bekanntheits- und Amtsbonus zugeschrieben. Nahezu alle Teams rechnen damit, in der Stichwahl gegen dieses Duo antreten zu müssen.

Prognose:

Im ersten Wahlgang wäre alles andere als Platz 1 eine Überraschung. Bei einer wahrscheinlich folgenden Stichwahl werden die Karten aber neu gemischt.

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Von Andreas Niesmann/RND

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