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Politik Spahn spottet über Merz – Andenpakt nennt er „Reisegruppe“
Nachrichten Politik Spahn spottet über Merz – Andenpakt nennt er „Reisegruppe“
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17:56 14.11.2018
Jens Spahn setzt sich mit deutlichen Worten von seinen Konkurrenten Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer ab. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Noch vor kurzem musste man nach der CDU-Verschwörer-Runde, die sich „Andenpakt“ nannte, auf dem Friedhof suchen: auf Angela Merkels sprichwörtlichem „Männerfriedhof“ nämlich, wie sich der scheidende CSU-Chef Horst Seehofer jüngst ausgedrückt haben soll und wo er auf keinen Fall landen wollte.

Dort lagen, in stillem Gedenken, all die männlichen Rivalen, die Merkel im Lauf ihrer Karriere aus dem Weg geschafft hatte – darunter auffällig viele, die sich anno 1979 bei einem Flug über die Anden Südamerikas als Mitglieder der Jungen Union geschworen hatten, sich bei ihrem Weg an die Macht zu unterstützen und nichts ins Gehege zu kommen: unter anderem Roland Koch, Christian Wulff, Günther Oettinger, Friedrich Merz. Einer von ihnen würde Kanzler werden, das war für sie klar – bis sie die ostdeutsche Frau Angela Merkel allesamt ausstach und abservierte. Als ihr Rückzug sich abzeichnete, schien einer davon zu profitieren: der junge Konservative Jens Spahn, inzwischen Bundesgesundheitsminister, der zur Gründung des Andenpakts noch nicht geboren war – und dadurch unverhofft Profiteur von Merkels Karriereplanung zu werden schien.

Womit er nicht gerechnet hatte: Der Anden-Pakt funktionierte noch immer. Mehrere seiner Mitglieder taten sich zusammen, um einen der Ihren wieder in die erste Reihe zu schieben – Friedrich Merz hat sich auch dank ihrer Überzeugungsarbeit ins Rennen um den CDU-Vorsitz begeben und damit Spahns Pläne durchkreuzt, die einzige konservative Alternative zu Merkel und ihrer Vertrauten Annegret Kramp-Karrenbauer sein zu können.

„Wir brauchen einen Neustart“

Entsprechend nachdrücklich sagte Spahn nun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) jetzt: „Wir brauchen einen echten Neustart.“ Dafür bedürfe es in der CDU eines Generationenwechsels und eines neuen, offeneren Debattenstils. Angesichts der aktuellen Lage können wir nicht nur auf „Weiter-So“ und Kontinuität setzen.

Lesen Sie hier das vollständige RND-Interview mit Jens Spahn: „Wir brauchen einen Neustart“

Vom ehemaligen Unions-Fraktionsvorsitzenden Merz zeichnete Spahn ein Bild des Wankelmütigen: „Ich muss meine Positionen nicht anpassen, nichts verbiegen oder relativieren. Denn ich habe mich in den vergangenen Jahren aktiv eingebracht. Viele CDU-Mitglieder haben, denke ich, ein klares Bild davon, wofür ich stehe“, sagte Spahn dem RND. Merz hatte zunächst Sympathie für eine europäische Arbeitslosenversicherung bekundet, dies aber später relativiert. „Jeder Ansatz einer Transferunion geht gar nicht“, sagte Spahn dazu. „Wir brauchen keinen Euro-Finanzminister, keine europäische Arbeitslosenversicherung und schon gar nicht eine Vergemeinschaftung von Schulden.“

Von Merz unterscheide ihn außerdem der Umgang mit der Partei: „Ich habe allein in den letzten zwei Jahren über 250 Termine vor Ort gemacht und mit vielen Mitgliedern und Wählern diskutiert. Ich habe mit der Partei in guten und schlechten Zeiten Wahlkampf geführt.“ Merz hatte sich 2009 aus dem Bundestag zurückgezogen. Nach der Rücktrittsankündigung von Parteichefin Angela Merkel vor zwei Wochen hatte er sein politisches Comeback erklärt.

AKK habe ihn persönlich verletzt

Auf die Frage, ob die Unterstützung für Merz durch die alte CDU-Andenpakt-Seilschaft ihn störe, antwortete er vielsagend: „Ich kann verstehen, dass sich jahrzehntelange Weggefährten, die miteinander regelmäßig eine Reisegruppe gebildet haben, auch heute noch unterstützen.“ Subtext: Ein Aufbruch ins Neue ist das nicht gerade.

Der CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer warf Spahn derweil vor, ihn mit ihrer Haltung zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare persönlich zu verletzen. „Ich habe meinen Mann im Dezember geheiratet. Wenn nun unsere Ehe in einem Atemzug mit Inzest oder Polygamie genannt wird, trifft mich das persönlich“, sagte Spahn. Er selber habe vergangenes Jahr im Bundestag aus voller Überzeugung für die Öffnung der Ehe gestimmt. „Die Werte, die in einer Ehe gelebt werden, sind im positiven Sinne konservativ.“

Spekulationen über einen Rückzug seiner Kandidatur noch vor dem Parteitag trat Spahn entgegen: „In dem Moment, in dem Angela Merkel ihren Rückzug angekündigt hat, war für mich klar: Ich trete an“, sagte er. „Ich traue mir zu, diese Partei zu führen. Es fühlt sich gut und richtig an.“ Im Falle einer Niederlage werde er in der CDU-Führung weiterarbeiten. „Ich bleibe auf jeden Fall im Team, weil ich den Erfolg der CDU will“, sagte Spahn. Dem Gesundheitsminister werden derzeit in der CDU nur Außenseiterchancen zugestanden.

Hier sehen Sie ein Video: Wie sich Jens Spahn „seine“ CDU vorstellt

Von RND

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