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Politik Tausende neue Feuer in Brasilien - Brandverbot eingeschränkt
Nachrichten Politik Tausende neue Feuer in Brasilien - Brandverbot eingeschränkt
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17:57 01.09.2019
Die Brände im Amazonas-Regenwald reißen nicht ab. Quelle: Leo Correa/AP/dpa
Brasília

Die Zahl der Feuer in Brasilien ist trotz eines Verbots des Abbrennens landwirtschaftlicher Flächen wieder gestiegen. Seit das entsprechende Dekret am Donnerstag in Kraft trat, registrierte die brasilianische Weltraumagentur INPE Tausende neue Brandherde. Die Regierung des südamerikanischen Landes schränkte das Verbot inzwischen ein. Davon ausgenommen sind nun für die Ernte notwendige und genehmigte Brände außerhalb der neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets. Das geht aus Änderungen des Dekrets hervor, die am Freitag (Ortszeit) im Amtsblatt veröffentlicht wurden.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres wurden dort mehr als 90 000 Feuer registriert - 71 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mehr als zwei Drittel der Brände gab es im Amazonasgebiet - dort sind es laut INPE 91 Prozent mehr als in den ersten acht Monaten 2018. Trotzdem liegt die Zahl der Brände nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa noch immer etwa im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Zwischen 2002 und 2007 sowie 2010 gab es deutlich mehr Feuer.

60 Tage lang sollte es keine Feuer geben

Die Regierung des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro hatte in einem vom Mittwoch datierten Dekret das Abbrennen von Flächen während der Trockenzeit zunächst im ganzen Land verboten. Für einen Zeitraum von 60 Tagen dürfen demnach keine Feuer mehr gelegt werden, um beispielsweise Weide- und Ackerflächen auf gerodeten Flächen zu erschließen. Ausnahmen gelten für indigene Gemeinden, die Ackerbau zur Selbstversorgung betreiben, und für Brände, die von den zuständigen Umweltbehörden zwecks Brandverhütung, Brandbekämpfung oder Pflanzengesundheit genehmigt wurden.

Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Kritiker werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer zu mehr Brandrodungen ermutigt fühlen.

Auch in Bolivien lodert es in den Ebenen der Region Chiquitanía nahe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay. Präsident Evo Morales twitterte am Sonntag, Trockenheit und unberechenbarer Wind lösten weitere Brände aus. Bolivien verstärkte ihm zufolge die Löscharbeiten und erhielt auch Hilfe aus dem Ausland. Unter anderem stellte Russland ein Flugzeug zur Verfügung. Auch das riesige Löschflugzeug "Supertanker" kommt zum Einsatz, eine umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens.

Steinmeier und Merkel wollen mehr Schutz für Regenwald

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich am Samstag angesichts der Brände im Amazonasgebiet für einen besseren Schutz der Wälder aus. Beim Bürgerfest in Schloss Bellevue sagte er auf einen Zwischenruf aus dem Publikum: "Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dass die Rodung des Waldes nicht mehr attraktiv ist."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonierte am Freitagabend mit Jair Bolsonaro - und betonte nach Regierungsangaben ihre Bereitschaft, beim Schutz des Amazonasgebiets mit Brasilien zusammenzuarbeiten. Bolsonaro hatte zuletzt die Annahme eines Hilfsangebots der G7-Staaten von Bedingungen abhängig gemacht. Der Staatschef wirft den reichen Industrieländern vor, die Souveränität seines Landes zu missachten und ein Auge auf die Bodenschätze der Region geworfen zu haben.

Lesen Sie auch: G7 und Bolsonaro - Europa hat den Zugang zu Lateinamerika verloren

RND/dpa

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