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Politik Türkei will Saudi-Arabien weiter unter Druck setzen
Nachrichten Politik Türkei will Saudi-Arabien weiter unter Druck setzen
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15:46 18.10.2018
Türkische Ermittler haben die Suche nach Spuren des vermissten saudischen Regimekritikers Khashoggi im saudischen Konsulat sowie in der Residenz des Konsuls abgeschlossen. Quelle: Emrah Gurel/AP/dpa
Istanbul

Am Tag des Verschwindens des Journalisten Jamal Khashoggi ist offenbar ein Mann aus dem Umfeld von Kronprinz Mohammed bin Salman im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul gewesen. Der Mann habe am Vormittag des 2. Oktober gefolgt von einer Reihe anderer Männer das Konsulat betreten, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung „Sabah“ am Donnerstag und veröffentlichte dazu Überwachungsaufnahmen. Gut drei Stunden später sei Khashoggi in das Konsulat gegangen und seitdem verschwunden.

Dem Bericht der Zeitung zufolge war der Mann Stunden später auch vor der Residenz des saudi-arabischen Generalkonsuls. Er wurde auch dabei gezeigt, wie er am Nachmittag aus einem türkischen Hotel auscheckt und später am Flughafen eine Sicherheitskontrolle passiert.

Bilder der Zeitung „Houston Chronicle“, die von der Nachrichtenagentur AP verbreitet wurden, zeigten denselben Mann in der Entourage des saudischen Kronprinzen Mohammed, als er im April in Houston war. Die Identität des Mannes konnte die AP aber zunächst nicht klären.

Kritisch über den Kronprinzen berichtet

Khashoggi hatte kritisch über den Kronprinzen berichtet. Türkische Behörden hegen den Verdacht, dass er im Konsulat seines Landes ermordet und zerstückelt wurde. Saudi-Arabien weist das zurück, hat aber keine Beweise dafür vorgelegt, dass Khashoggi das Konsulat lebend verlassen hat. Türkische Sicherheitsdienste haben wiederholt Erkenntnisse an regierungsnahe Zeitungen durchgestochen, was den Druck auf Saudi-Arabien erhöhte. Das Königreich gestattete türkischen Ermittlern schließlich, das Konsulat und die Residenz des Konsuls zu durchsuchen.

Auch international gerät Saudi-Arabien wegen der Khashoggi-Affäre in Schwierigkeiten. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte seine Teilnahme an einer hochrangigen Investorenkonferenz in Riad ab. Zuvor hatten mehrere Unternehmenschefs und die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, ihr Fernbleiben angekündigt.

Trump stellt sich auf die Seite Saudi-Arabiens

US-Präsident Donald Trump ging Saudi-Arabien wegen Khashoggis Verschwinden zunächst hart an und schickte seinen Außenminister Mike Pompeo nach Saudi-Arabien und in die Türkei. Dieser hob die Ermittlungen Saudi-Arabiens auf dem Heimflug am Mittwoch positiv hervor. Er mahnte jedoch Antworten an, „besser früher als später“. Trump dagegen kritisierte später, die internationale Gemeinschaft habe Riad vorschnell die Verantwortung im Fall Khashoggi zugewiesen. Die USA verlangten von der Türkei, jegliche Audio- und Videoaufnahmen der mutmaßlichen Tötung Khashoggis auszuhändigen, „falls sie existieren“, sagte er.

Indessen veröffentlichte die „Washington Post“ eine letzte Kolumne Khashoggis, der für das Blatt gearbeitet hatte. Unter der Überschrift „Was die arabische Welt am meisten braucht, ist Meinungsfreiheit“, schrieb Khashoggi, Aktionen wie die ägyptische Beschlagnahme einer Zeitung hätten keine Gegenreaktion der internationalen Gemeinschaft mehr zur Folge. Stattdessen folge auf eine etwaige Verurteilung schnell Stille. „Die arabischen Regierungen haben freie Hand, die Medien unter wachsendem Tempo weiter zum Schweigen zu bringen.“

Kashoggi kritisierte, Staats- und Regierungschefs im Nahen Osten kontrollierten den Internetzugang ihrer Bürger. „Die arabische Welt steht vor ihrer eigenen Version des Eisernen Vorhangs, nicht durch Akteure von außen, sondern durch um Macht konkurrierende Kräfte im Innern“ , schrieb er.

Washington Post“-Redakteurin Karen Attiah schrieb, die kurz vor Khashoggis Verschwinden eingereichte Kolumne beschreibe die Leidenschaft und den Einsatz des Reporters für die Freiheit in der arabischen Welt perfekt. „Eine Freiheit, für die er offensichtlich sein Leben gab.“

Von RND/AP

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