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Politik USA in Angst vor Hurrikan „Dorian“ - Trump spielt Golf
Nachrichten Politik USA in Angst vor Hurrikan „Dorian“ - Trump spielt Golf
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14:35 03.09.2019
Hurrikan „Dorian“ rast auf die Ostküste der USA zu. US-Präsident Donald Trump spielt erst mal Golf. Quelle: imago images/Agencia EFE/MediaPunch
Washington

Die Stimme des Politikers klang eindringlich. „Warten Sie nicht! Jetzt ist der Zeitpunkt, Häuser in gefährdeten Regionen zu verlassen“, mahnte Rick Scott, der republikanische Senator von Florida, am Montag (Ortszeit) beim Fernsehsender CNN. Selbst wenn der gefährliche Hurrikan „Dorian“ nicht direkt auf die amerikanische Küste treffen sollte, drohten meterhohe Sturmfluten: „Wenn die in ihr Haus eindringen, werden Sie das nicht überleben.“

Mit Zwangsevakuierungen, improvisierten Schutzwällen und Hamsterkäufen bereiten sich Behörden und Bewohner entlang der Ostküste der USA auf die drohende Verwüstung durch den Monstersturm vor, der auf den Bahamas mit Geschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern gewaltige Schäden verursacht und mehrere Menschenleben gefordert hat.

Zwar wurde der Hurrikan inzwischen von der höchsten Kategorie fünf auf die Kategorie vier herabgestuft und soll nach den jüngsten Prognosen an der Küste von Florida abdrehen und über dem Meer entlang der Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina bis zum Ende der Woche nordwärts abziehen. Doch wird sein Pfad nach Einschätzung des Nationalen Hurrikanzentrums immer noch gefährlich nahe am Land vorbeiführen und heftige Regenfälle und Sturmfluten auslösen. Bereits „geringste Abweichungen“ vom Kurs könnten noch deutlich schlimmere Schäden verursachen.

Hurrikan "Dorian" trifft auf die Bahamas

Erste Videoaufnahmen von den Bahamas, die am amerikanischen Montagabend ausgestrahlt wurden, vermittelten einen Eindruck von der Gefahr. Die Bilder zeigen überflutete und abgedeckte Häuser, zerstörte Autos und umgeknickte Bäume. Bis zu 13.000 Häuser könnten schwer beschädigt sein, warnte das Rote Kreuz. Nach Angaben von Ministerpräsident Hubert Minnis sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Weil Straßen überflutet, der Strom teilweise ausgefallen und einige Regionen nicht zu erreichen sind, lässt sich das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht abschätzen. „Die Verwüstung ist beispiellos“, sagte Minnis.

Während allein im US-Bundesstaat South Carolina rund 800.000 Einwohner auf behördliche Anordnung hin vorsorglich ihre küstennahen Häuser räumen mussten, zeigte sich US-Präsident Donald Trump über das durch den Labor Day am Montag verlängerte Wochenende merkwürdig unbeteiligt an der dramatischen Entwicklung. Zwar hatte er am Donnerstag eindringlich vor dem Hurrikan gewarnt: „Es sieht so aus, als wenn es ein absolutes Monster sein könnte.“ Auch hatte er eigens seinen seit Langem für Sonntag und Montag geplanten Staatsbesuch in Polen abgesagt, um in der gefährlichen Lage zu Hause vor Ort sein zu können. Dann brach er jedoch am Freitag zu seinem Landsitz in Camp David auf.

Am Montagmorgen verschickte er per Twitter zunächst die aktuellen Warnhinweise des Hurrikanzentrums, um dann in mehreren Tweets die „New York Times“, die „Washington Post“ und Gewerkschaftschef Richard Trumka zu attackieren, die ihn aus unterschiedlichen Gründen kritisiert hatten. Anschließend ließ sich der Präsident zu seinem privaten Golfplatz in Virginia fahren. Am Abend meldete er sich wieder bei Twitter und beschwerte sich über einen ABC-Korrespondenten, der darüber berichtet hatte, dass Trump fälschlich vor Hurrikangefahren im Bundesstaat Alabama gewarnt und dafür ausdrücklichen Widerspruch vom Nationalen Wetterdienst geerntet hatte.

Es war nicht die einzige befremdliche Äußerung des Präsidenten. Am Sonntag hatte er vor laufenden Kameras voller Respekt die gewaltige Kraft des Hurrikans beschrieben: „Kategorie fünf ist etwas, dass … uh … Ich glaube nicht, dass ich den Begriff jemals vorher gehört habe.“ Tatsächlich hat Trump in seiner Amtszeit schon drei Kategorie-fünf-Hurrikans erlebt. Jedes Mal erklärte er, eine solche Naturkatastrophe sei ihm zuvor unbekannt gewesen.

In der amerikanischen Öffentlichkeit dürfte genau beobachtet werden, wie sich Trump in den nächsten Tagen verhält. Bei früheren Krisen hat der Präsident mehrfach mangelnde Teilnahme und fehlendes Einfühlungsvermögen bewiesen. So pöbelte er während des verheerenden Hurrikans „Maria“ 2017 vor allem gegen die Politiker in dem US-Außengebiet Puerto Rico.

Bei einem späteren Besuch in dem Katastrophengebiet brüstete er sich vor allem damit, dass er bei der Bevölkerung sehr beliebt sei. In einem Zentrum für Hilfsgüter warf er Küchenrollen in die Menge und erklärte schließlich: „Das ist eine tolle Reise. Euer Wetter ist so gut wie nirgendwo sonst, aber hin und wieder erwischt es euch.“

Von Karl Doemens/RND

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