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Wirtschaft Arbeitskosten: So rasant holt Osteuropa bei den Löhnen auf
Nachrichten Wirtschaft Arbeitskosten: So rasant holt Osteuropa bei den Löhnen auf
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10:56 29.04.2019
Einen Arbeitnehmer anzustellen, ist in Deutschland im Vergleich zu osteuropäischen Ländern teuer – doch der Abstand schrumpft. Quelle: dpa
Wiesbaden

Die Arbeitskosten in Deutschland liegen weiterhin um knapp ein Drittel über dem EU-Schnitt. Mit durchschnittlich 35 Euro je Arbeitsstunde zahlten Arbeitgeber in der Privatwirtschaft im vergangenen Jahr 32 Prozent mehr als die 26,60 Euro, die das Statistische Bundesamt als Durchschnitt für die 28 Staaten der Europäischen Union errechnet hat.

Deutschland ist damit für Unternehmen jedoch nicht das teuerste Pflaster, wie aus der Mitteilung der Wiesbadener Behörde vom Montag hervorgeht: Europas größte Volkswirtschaft rangiert innerhalb der EU wie 2017 auf Rang sechs. Einberechnet wurde sowohl die Höhe der Löhne als auch die Abgaben, die Unternehmen für Beschäftigte zahlen müssen.

Aus Sicht der Statistiker zentral ist die Gruppe der ärmeren Länder: In EU-Staaten wie Bulgarien, Rumänien, Litauen, Lettland sowie Polen und Ungarn stiegen die Arbeitskosten seit 2004 rasant. So verteuerte sich der Faktor Arbeit in Bulgarien um mehr als Dreifache – weil die Sozialabgaben dort niedrig sind, entfällt der Großteil des Anstiegs auf steigende Löhne. In Deutschland stiegen die Arbeitskosten im gleichen Zeitraum um etwa 30 Prozent.

Löhne in Bulgarien haben sich verdreifacht

Die Schere zwischen wohlhabenden und ärmeren EU-Mitgliedern schließt sich deshalb: 2004 waren die Arbeitskosten in der Spitzengruppe noch acht Mal so hoch, wie bei den aufholenden Ländern. 2018 betrugen die Arbeitskosten nur noch das Vierfache. Trotzdem war der Faktor Arbeit in Bulgarien mit 5,30 Euro je Arbeitsstunde im EU-Vergleich am günstigsten.

Die höchsten Arbeitskosten je Stunde hatte nach wie vor Dänemark mit 44,70 Euro vor Luxemburg (40,30 Euro) und Belgien (40,00 Euro). Auch in Schweden (39,30 Euro) und Frankreich (36,50 Euro) waren die Arbeitskosten 2018 höher als in Deutschland.

Erfasst werden in der Statistik Arbeitsplätze in der Industrie und in wirtschaftlichen Dienstleistungen, ohne den öffentlichen Dienst. In der Industrie in Deutschland kostete eine Arbeitsstunde im Schnitt 40 Euro - 48 Prozent mehr als im EU-Schnitt (27 Euro). Beschränkt auf diesen Wirtschaftsbereich lag Deutschland auf Rang vier.

Im vergangenen Jahr zahlten die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 27 Euro Lohnnebenkosten. Damit lagen die Lohnnebenkosten den Angaben zufolge unter dem EU-Schnitt von 30 Euro, Deutschland landete im Vergleich auf Platz 14.

Von RND/dpa