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Wirtschaft Bayerns Finanzminister befürchtet Strafzinsen für Bankkunden
Nachrichten Wirtschaft Bayerns Finanzminister befürchtet Strafzinsen für Bankkunden
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13:31 01.07.2019
Drohen Sparern Negativzinsen? Quelle: dpa
München

Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) warnt, dass Banken gezwungen sein könnten, Strafzinsen für ihre Kunden einzuführen. „Die anhaltenden Negativzinsen stellen eine enorme Belastung für unsere Banken dar“, sagte er am Montag in München.

Hintergrund sind die sogenannten Einlagezinsen, die für Geldhäuser fällig werden, wenn sie Geld für kurze Zeit bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Seit Juni 2014 liegt der Einlagezins im negativen Bereich, seit drei Jahren beim jetzigen Wert von -0,4 Prozent. Das bedeutet, dass die Banken für ihre Einlagen keine Zinsen bekommen, sondern Geld an die EZB zahlen müssen.

Institute könnten keine Wahl haben

Füracker warnt, nun, dass eine Verschärfung auch die Kunden träfe: Weitere Senkungen des Einlagezinssatzes für Bankeinlagen bei der EZB würden vor allem kleine Institute vor die Wahl stellen, entweder die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben oder aus dem Markt auszuscheiden, so Füracker.

Erst am Freitag hatte einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge die Nassauische Sparkasse Kunden mit großen Vermögen zur Kasse gebeten. Demnach sollen Kunden mit Geldanlagen über 500 000 Euro künftig 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Zwar haben Europas Staaten auch von der Niedrigzinspolitik profitiert. Doch „die extrem expansive Geldpolitik der EZB mag notwendig gewesen sein, um den Folgen der Finanzkrise Herr zu werden“, so Füracker. „Aber jahrelange Null- und Negativzinsen führen uns in unbekannte und gefährliche Gewässer.“

Sinken die Zinsen weiter?

Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Geldpolitik würden steigen, je länger sie andauere. Sollte die EZB eine erneute Senkung anstreben, müsse sie laut Füracker dringend gleichzeitig Freibeträge nach Schweizer Vorbild einführen.

Derzeit wird dem Finanzministerium zufolge aufgrund der konjunkturellen Eintrübung in Europa sogar über weitere Senkungen spekuliert. Nach aktuellen Zahlen überwiesen die europäischen Banken allein im vergangenen Jahr 7,5 Milliarden Euro an Strafzinsen an die EZB, davon entfielen rund 2,5 Milliarden Euro auf deutsche Institute.

Von RND/dpa