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Wirtschaft Hype um vegane Lidl-Burger: Wiesenhof verdient mit
Nachrichten Wirtschaft Hype um vegane Lidl-Burger: Wiesenhof verdient mit
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19:09 29.05.2019
In vielen Lidl-Filialen nach wenigen Stunden ausverkauft: Der vegane Beyond-Meat-Burger. Quelle: imago images / A. Friedrichs
Berlin

Selten hat ein neues Produkt einen derartigen Run auf Discountsupermärkte ausgelöst: Am Mittwoch startete bei Lidl der Verkauf der veganen Burger-Bulette von „Beyond Meat“ – und schon kurze Zeit später kehrten Interessenten mit leeren Händen vom Einkauf zurück. Der Fleischersatz sei „in vielen Filialen bereits nach kürzester Zeit ausverkauft gewesen“, meldete die Supermarktkette.

Das Erfolgsrezept: Eine Burgerbulette ohne jegliche tierische Zusätze, die allerdings möglichst wie echtes Fleisch schmeckt. Damit hat das Unternehmen in den USA schon länger bei Kunden punkten können.

Unterstützung von Bill Gates

Und auch bei Investoren: Mitten in der Rezession 2009 gründete Ethan Brown sein Unternehmen. An Startkapital fehlte es nicht, Microsoft-Mitgründer Bill Gates gehört zu den Finanziers, Schauspieler Leonardo DiCaprio stieg ein, der große Risikokapitalgeber KPCB aus dem Silicon Valley ist an Bord. Mehr als 120 Millionen Dollar sind nach Angaben der Datenbank Crunchbase in das Unternehmen geflossen.

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Mit dem Geld wurden fleischlose Produkte entwickelt, die ausdrücklich wie Fleisch wirken sollen: Burger, Würstchen und Tacos sollten schmecken und wirken wie immer, aber „besser für dich und den Planeten“ sein, heißt es auf der Homepage von Beyond Meat.

Eine einfache Frage habe am Anfang des Unternehmens gestanden: „Warum braucht man ein Tier, um Fleisch zu bekommen?“ Stattdessen setzt das Unternehmen zum Beispiel auf Erbsen und Bohnen, auch Aromen bringen den Geschmack möglichst nah ans Original. So werde „das Tier aus der Protein-Produktionskette herausgenommen“ – mit vierfachem Effekt: Die veganen Burger seien besser für die Gesundheit, Tiere würden geschützt, und weniger Tierhaltung schone das Klima sowie natürliche Ressourcen.

Bislang nur 380 Mitarbeiter

Geschäftlich steht das Unternehmen mit 380 Mitarbeitern allerdings nach zehn Jahren noch am Anfang. Seit der Gründung gab es durchgehend Verlust, allein im vergangenen Jahr waren es fast 30 Millionen Dollar – bei knapp 90 Millionen Dollar Umsatz.

Dabei dürfte es vorerst auch bleiben: Man werde weiter investieren, und deshalb könnten „in der absehbaren Zukunft erhebliche Verluste“ entstehen, heißt es im Börsenprospekt. Den hatte des Unternehmen anlässlich seines Debüts an den Aktienmärkten vor wenigen Wochen veröffentlicht. Und die Anleger glaubten dem Versprechen, nach dem Börsengang verdreifachte sich der Wert des Unternehmens zeitweise. Das Start-up ist jetzt Milliarden wert.

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Fleischersatz ist eine der großen Wetten in der Lebensmittelindustrie. Der Nestlé-Konzern liefert über sein Tochterunternehmen Garden Gourmet vegane Burger an McDonald’s, Konkurrent Burger King kauft beim kalifornischen Start-up Impossible Foods ein. Beyond Meat steht in Europa noch am Anfang und ist in Deutschland derzeit im Metro-Großhandel zu haben.

„Wiesenhof“ verdient mit

Allerdings steht ein großer Partner bereit: Der Hähnchen-Konzern PHW, bekannt und viel kritisiert als Hersteller der „Wiesenhof“-Produkte, hat den Vertrieb der fleischfreien Burger übernommen. „Exklusiv“, wie PHW schilderte. „Wir gehen diese vermeintlich ungewöhnliche Partnerschaft ganz bewusst ein, weil wir an Wachstum durch Vielfalt glauben“, sagte PHW-Chef Peter Wesjohann bei der Bekanntgabe im vergangenen Jahr.

PHW ist mit seiner Marke „Wiesenhof“ bisher vor allem als Produzent günstigen Fleischs für Supermärkte bekannt, fährt aber schon länger eine mehrgleisige Strategie – und hatte zuletzt die Nähe von Startups wie Beyond Meat gesucht.

Lidl arbeitet „mit Hochdruck“ an Nachschub

Zumindest der Verkaufsstart bei Lidl war deshalb auch ein Erfolg für PHW. Der Fleischkonzern kann sich schon jetzt auf die nächsten Bestellungen freuen. „Wir arbeiten bereits mit Hochdruck daran, dass der Beyond Meat Burger so schnell wie möglich wieder in unseren Filialen erhältlich ist“, heißt es von Lidl.

Von Stefan Winter und Christoph Höland