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Nachrichten Wirtschaft Burger King testet Whopper mit pflanzlichem Fleischersatz
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10:09 05.04.2019
Quelle: AP Photo/Gene J. Puskar, File
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New York

Es ist erst wenige Tage her, da führte Burger King als erste weltweit tätige Schnellrestaurantkette einen Burger mit Fleischersatz ein: Der Impossible Whopper wird im Frühjahr in Filialen in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri getestet.

Vom Soja-Burger bis zur Linsenwurst: Pflanzliche Fleischalternativen sind in den USA schwer im Kommen. Und am beliebtesten sind sie nicht etwa bei Veganern oder Vegetariern, sondern bei Fleischessern.

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Ein Grund für den Boom ist der Trend zu gesünderem und nachhaltigerem Essen. Dieser führt auch zu einer steigenden Nachfrage nach Produkten wie Hafermilch, Pizzateig aus Blumenkohl und Kosmetikartikeln auf Kokosöl-Basis.

„Die Botschaft lautet, dass in Pflanzen viel Energie steckt“, erklärt die Lebensmittelchemikerin Melanie Bartelme von der Beratungsfirma Mintel. „Viele glauben, dass Pflanzen eine schnelle Hilfe bringen und wirklich gut tun können.“

Bill Gates unterstützt Food-Projekte

Moderne Produktionstechnologien und Marketingmethoden tragen zum Anstieg der Verkaufszahlen bei. Neuere Start-ups wie Impossible Foods und Beyond Meat – beide finanziell unterstützt von Microsoft-Gründer Bill Gates – überzeugen mit pflanzlichen Lebensmitteln, die aussehen und schmecken wie Fleisch, auch Karnivoren.

„Fleisch-Liebhaber mögen die Tatsache nicht, dass ihr Fleisch von toten Tieren kommt“, sagt der Geschäftsführer von Impossible Foods, Pat Brown. „Sie lieben das Fleisch wegen des sinnlichen Genusses und der Vertrautheit. Wenn wir das mit pflanzlichen Produkten erreichen, werden Fleischesser nicht nur bereit sein, sie zu kaufen, sondern sie werden sie sogar bevorzugen.

Die Bratlinge von Beyond Meat aus Los Angeles werden in den USA neben konventionellem Fleisch in den Supermärkten verkauft und nicht wie traditionelle Veggie-Burger gesondert in Tiefkühltheken oder Naturkost-Regalen offeriert. Auch dort angesagte Burger-Ketten wie Carl's Jr. und TGI Friday's haben den pflanzlichen Fleischersatz im Angebot.

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Impossible Foods mit Sitz im Silicon Valley hat seinen Burger vor drei Jahren in Szenerestaurants wie dem Momofuku Nishi in New York vorgestellt. Das führte zu Partnerschaften mit mehr als 5000 Lokalen in den USA und in Asien, darunter der US-Hamburger-Kette White Castle.

Burger King mit vegetarischem Patty-Bratling

Burger King hat bereits einen Veggie-Burger auf der Karte. Der Patty-Bratling des Anbieters MorningStar Farms besteht unter anderem aus Karotten, Pilzen und Haferflocken. Doch dieser Burger spricht vor allem Veganer und Vegetarier an, wie Chris Finazzo erklärt, Präsident von Burger King Nordamerika.

Forschungen des Fastfood-Unternehmens zeigten, dass unter den Käufern des pflanzlichen Fleischersatzes nur neun Prozent Vegetarier sind. Bei 90 Prozent aber handelt es sich um Fleischesser auf der Suche nach gesünderem Alternativen. „Viele Leute wollen jeden Tag einen Burger essen, aber nicht unbedingt Fleisch“, erklärt Finazzo.

Bartelme weist darauf hin, dass etwa sieben Prozent aller Amerikaner vegan oder vegetarisch leben und sich dieser Wert in den vergangenen Jahren kaum verändert habe. Stattdessen seien viele Menschen zu sogenannten Flexitarieren geworden, die zwischen verschiedenen Ernährungsformen wechseln.

Der neue Impossible Whopper von Burger King ist in manchen Punkten gesünder, in anderen aber auch nicht. Er hat 630 Kalorien, im Vergleich zu 660 bei einem Whopper mit Fleisch. Sein Gehalt an gesättigten Fettsäuren sowie Cholesterin ist geringer. Dafür enthält er mehr Natrium und Kohlenhydrate. Der Protein-Anteil ist bei beiden Varianten etwa gleich.

Der MorningStar-Veggie-Burger dagegen kommt mit lediglich 390 Kalorien, weniger Fett und Cholesterin aus. Bei Natrium und Kohlenhydraten ähnelt er dem normalen Whopper.

Produktion von Veggie-Burgern umweltfreundlicher

Fleischlose Burger bringen noch weitere Vorteile mit sich. Ihre Herstellung verbraucht nach Angaben von Beyond Meat 99 Prozent weniger Wasser, 93 Prozent weniger Fläche und 50 Prozent weniger Energie. Der Ausstoß von Treibhausgasen sei um 90 Prozent geringer.

Das Nordamerikanische Fleisch-Institut, eine Lobby-Einrichtung der Fleischindustrie, hält dagegen, dass die Viehzucht in den USA für lediglich vier Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sei. Und wegen der starken Wirtschaft dürfte der Fleischkonsum im Land im vergangenen Jahr wohl ein Rekordhoch erreicht haben.

Dennoch wächst der Umsatz bei pflanzlichen Fleischalternativen schneller als bei normalem Fleisch. Nach Angaben des Forschungsinstituts Nielsen stiegen die Verkäufe von pflanzlichen Fleischprodukten in den USA zwischen März 2016 und März 2019 um 42 Prozent auf insgesamt 888 Millionen Dollar (790 Millionen Euro). Beim traditionellen Fleisch betrug das Plus im gleichen Zeitraum nur ein Prozent auf 85 Milliarden Dollar.

Eine Verlangsamung des Trends ist nach Einschätzung von Expertin Bartelme nicht abzusehen. Die Zahl der Fleischimitate auf Pflanzenbasis sei in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen, erklärt sie und nennt als Beispiel die aus Pintobohnen hergestellten „Bacon Bits“ des Konzerns Cool Foods.

Ist das Labor-Fleisch aus tierischen Zellen eine weitere Alternative?

Einige kleinere Marken könnten in Zukunft von größeren Rivalen geschluckt werden, sagt Bartelme. Möglicherweise würden Verbraucher sich zudem eher von Produzenten abwenden, die bei der Herstellung ihres pflanzlichen Fleischs auf Chemie setzen. Impossible etwa verändert Hefe gentechnisch, um das Molekül Häm zu erzeugen. Es kommt sowohl in Pflanzen als in Tieren vor und verleiht Burgern ihren fleischigen Geschmack. Memphis Meats, ein weiteres Start-up aus Kalifornien, stellt Fleisch im Labor aus echten tierischen Zellen her.

„Könnte das jemanden abschrecken, der nach möglichst unbehandeltem Essen sucht?“, fragt Bartelme. „Vielleicht gibt es eine Renaissance für traditionelle Burger aus Bohnen und Gemüse.“

Impossible-Chef Brown hielte das aber für einen Fehler. Denn schließlich stecke Wissenschaft in der gesamten Nahrungskette. „So ziemlich alles, was weltweit auf den Speiseplänen steht, ist nicht einfach vom Baum gefallen“, sagt er. „Die Nahrungsmittel, die wir essen, sind Produkte der Natur kombiniert mit Wissenschaft, Forschung und Innovationskraft.“

Von RND/Dee-Ann Durbin/AP