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Wirtschaft Galaxy Fold: So hart trifft Samsung die Falt-Krise
Nachrichten Wirtschaft Galaxy Fold: So hart trifft Samsung die Falt-Krise
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18:33 23.04.2019
Das „Fold“ sollte eigentlich ein neues Flaggschiff werden. Nun musste Samsung den Start verschieben. Quelle: Simon Nagel/dpa
United States

Schwere Blamage für den Weltmarktführer: Samsung hat den Verkaufsstart des weltweit ersten Falt-Handys wegen technischer Probleme mit dem Bildschirm auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Galaxy Fold sollte eigentlich schon Ende dieser Woche in den USA verkauft werden, in Europa war das Debüt für den 3. Mai geplant. Von dem Rückschlag könnten auch aufstrebende chinesische Rivalen profitieren.

Um welche Mängel es sich genau handelt, ist nicht klar. Die Erfahrungen von Tests hätten gezeigt, dass weitere Verbesserungen notwendig seien, teilte Samsung lediglich mit. Schon bei Tests durch Journalisten war einiges schiefgegangen. So wurde in mehreren Fällen eine Folie abgezogen – im Glauben, es handele sich um den bei neuen Geräten üblichen Schutz vor Kratzern. Tatsächlich jedoch gehört die Kunststoffschicht zum Display. Ohne sie ist die Funktion des Bildschirms eingeschränkt.

Samsung erklärte, man werde nun die Bedienungsanleitungen für Nutzung und Pflege des Galaxy Fold inklusive der Plastikfolie verbessern. Der südkoreanische Konzern teilte außerdem mit, dass andere Probleme mit dem Display auf Mängel am oberen und unteren Ende des Gelenks hindeuteten. Zudem spielten bei den Fehlfunktionen „Substanzen“ eine Rolle, die man „im Inneren“ des Smartphones gefunden habe.

Übereilter Start?

Das Galaxy Fold war im Februar nach rund neun Jahren Entwicklungszeit vorgestellt worden. Es sollte in Europa 2000 Euro kosten. Im zusammengeklappten Zustand bietet es auf der Außenseite ein 4,6 Zoll (11,7 Zentimeter) großes Display. Wird es aufgeklappt, kann der Nutzer Fotos und Filme auf der Innenseite mit einer Bildschirmdiagonale von 18,5 Zentimeter betrachten. Das entspricht den Dimensionen eines kleineren Tablet-Rechners.

Branchenkenner vermuten, dass Samsung-Manager die technologische Führerschaft ihres Konzerns beweisen wollten und sie sich deshalb zu einem übereilten Marktstart entschlossen hatten. Die Konkurrenz sitzt ihnen jedenfalls im Nacken. Auch die chinesischen Konkurrenten Xiaomi und Huawei haben Smartphones mit flexiblen Displays entwickelt.

Huawei hat angekündigt, „im Sommer“ das Falt-Handy Mate X für 2300 Euro in die Läden zu bringen. Dort ist aber eine einfachere Lösung geplant: Der Kleinbildschirm auf der Außenseite wird beim Auseinanderklappen verdoppelt. Auch die Chinesen können dies nur mit einer speziellen Plastikfolie realisieren. Biegbares Glas ist noch nicht serienreif.

Müssen hunderttausende Smartphones ausgetauscht werden?

Wie groß der unmittelbare wirtschaftliche Schaden für Samsung nun sein wird, ist noch nicht abschätzbar. Das Unternehmen hat zunächst mit einem weltweiten Absatz von einer Million Geräten pro Jahr kalkuliert. Wahrscheinlich wurden bereits mehrere Hunderttausend Exemplare gefertigt, die jetzt womöglich verschrottet werden müssen.

Den Technikern und Managern von Samsung bleiben nun einige Wochen, um die Mängel zu beheben und um Huawei doch noch zuvorzukommen. Ein neuer Termin für den Marktstart wurde aber zunächst nicht genannt. In jedem Fall ist der Reputationsschaden für die Südkoreaner enorm.

Es ist die zweite große Pleite für den Konzern, nachdem 2016 das Nobelhandy Note 7 vom Markt genommen werden musste, weil mehrere Apparate wegen eines falsch dimensionierten Akkus Feuer gefangen hatten. Vor Erfolg und Misserfolg in der Premiumkategorie hängt auch die Beliebtheit der Geräte in den mittleren und unteren Preislagen ab, wo ein heftiger Konkurrenzkampf tobt.

Marktführer büßt an Vorsprung ein

Samsung ist zwar noch immer der Marktführer, büßt aber an Vorsprung ein. Im vierten Quartal 2018 wurden mit knapp 70,8 Millionen Mobiltelefonen gut 3,2 Millionen weniger als ein Jahr zuvor verkauft. Noch härter erwischte es Apple, wo der iPhone-Verkauf um 8,6 Millionen auf 64,5 Millionen Stück schrumpfte.

Doch auch das ist eine schlechte Nachricht für Samsung: Das Unternehmen ist nämlich der Display-Lieferant von Apple. Mächtig aufgeholt hat im vorigen Jahr hingegen Huawei mit einem Absatzplus von knapp 38 Prozent auf insgesamt knapp 203 Millionen Geräte – viel spricht dafür, dass die Chinesen Apple in diesem Jahr vom zweiten Platz der Smartphone-Hersteller verdrängen werden.

Die Experten des US-Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner gehen indes davon aus, dass der Markt für Mobiltelefone tendenziell schrumpfen wird – mit einem Zwischenhoch im Jahr 2020. Nutzer würden den Kauf neuer Geräte hinauszögern, solange es keine signifikanten Innovationen gebe, sagt Analystin Roberta Cozza. Deshalb werde es insbesondere bei Highend-Geräten in diesem Jahr nach unten gehen.

Die teuren Falt-Handys gelten als ein Hoffnungsträger, um den Trend umzukehren. Gartner erwartet aber, dass 2023 maximal nur 30 Millionen Exemplare weltweit verkauft werden. Die größte Hürde seien eben jene Plastikdisplays, da sie schnell verkratzen könnten, so Cozza. Zum Nischendasein würden zudem die hohen Preise beitragen. Produktmanager müssten künftige die Nutzbarkeit der Klapptelefone ins Zentrum ihrer Entwicklungsanstrengungen stellen.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel