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Wirtschaft US-Notenbank senkt Leitzins um 0,25 Prozent
Nachrichten Wirtschaft US-Notenbank senkt Leitzins um 0,25 Prozent
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15:24 09.08.2019
Geht es nach US-Präsident Donald Trump, braucht die US-Wirtschaft zusätzlichen Schwung in Gestalt einer Zinssenkung. Quelle: AP
Frankfurt

Jetzt ist es Gewissheit: Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, macht Geld billiger. Der Leitzins wird um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von zwei bis 2,25 Prozent gesenkt. Eine historische Tat: Seit 2008, als die Finanzkrise ausbrach, gab es in den Vereinigten Staaten keine Verringerung der Sätze mehr, die die Geschäftsbanken zahlen müssen, wenn sie sich bei der Fed Geld leihen.

Seit Monaten wird diskutiert. Präsident Donald Trump hat mächtig Druck für niedrigere Zinsen gemacht. Doch Powell blieb stur. Trump ließ schon prüfen, wie er den Fed-Chef feuern kann. Und Anfang der Woche warnte er Powell per Twitter noch einmal inständig: „Vermasseln Sie es nicht wieder.“ Es seien schon einige falsche Entscheidungen getroffen worden.

Trump braucht den Konjunkturschub

Der Hintergrund: Trump untergräbt verbal die Unabhängigkeit der Notenbank, weil er zwei Ziele im Auge hat. Er will mit niedrigeren Zinsen den Dollar gegenüber anderen Währungen schwächen, weil er sich davon eine Wirkung wie von einem Konjunkturprogramm verspricht. Exporte von US-Unternehmen sollen billiger werden. Importe aus der EU oder auch aus Japan und China werden teurer, was Vorteile für heimische Produkte bringen könnte. Zweitens soll billigeres Geld die Konjunktur ankurbeln und die Aktienmärkte befeuern, was Trumps Wiederwahl im nächsten Jahr begünstigen soll. Die Dividendenpapiere haben auch für viele Menschen aus der Mittelschicht eine erheblich größere Bedeutung als hierzulande: Aktien dienen häufig der Alterssicherung.

Unter Ökonomen ist eine Zinssenkung indes nach wie vor umstritten. Dabei wird vor allem auf die niedrige Arbeitslosenquote verwiesen. Die liegt aktuell bei nur 3,7 Prozent, das ist nah am tiefsten Wert seit fünf Jahrzehnten und lässt sich als Indikator für eine florierende Wirtschaft interpretieren. Eine Zinssenkung kann in solch einer Situation kontraproduktiv wirken, wenn billige Kredite genutzt werden, um Geld in ökonomisch fragwürdige Investitionen zu stecken. Derartige Projekte könnten schon bei der kleinsten Verschlechterung der Lage kollabieren. Zudem entsteht die Gefahr, dass sich - etwa am Aktien- oder am Immobilienmarkt – Blasen bilden, die dann früher oder später platzen. Diese Argumente werden im Übrigen auch gegen die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgebracht.

US-Wirtschaft wächst langsamer

Derweil haben in den vergangenen Wochen die ökonomischen Statistiken in den USA zwei Zahlen generiert, die für eine Zinssenkung sprechen. Die Konjunktur hat sich abgekühlt. Wobei die von Trump selbst angezettelten Handelskriege dabei ein wesentlicher Faktor sind. Das Wirtschaftswachstum lang im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet nur noch bei 2,1 Prozent, nach 3,1 Prozent im ersten Vierteljahr. Und vielleicht am wichtigsten: Die Inflationsrate sank im Juni auf 1,6 Prozent. Im April waren es noch zwei Prozent gewesen. Die Fed hat aber – ebenso wie die EZB – ein Inflationsziel von zwei Prozent, dieser Wert wird als Indikator für eine gut funktionierende Volkswirtschaft angesehen.

Bemerkenswert an der Lage in den USA ist, dass nach den ökonomischen Standardmodellen niedrige Arbeitslosigkeit und geringe Inflation nicht zusammen passen: Wenn viele Menschen in Lohn und Brot sind, dann geben sie auch viel Geld aus. Doch der jüngste Aufschwung – ausgelöst durch Steuersenkungen für Unternehmen – ging an Millionen Frauen und Männern mit einfachen Qualifikationen oder ohne Berufsausbildung vorbei. Sie konnten kaum zusätzliche Kaufkraft entwickeln. Das könnte sich nun ändern. Patrick Dujakovich vom Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO sagte kürzlich in Anbetracht der geringen Arbeitslosenquote: „Das sind großartige Zeiten“. Arbeiter mit beschränkten Fertigkeiten und Erfahrungen, Behinderte und Vorbestrafte könnten nun auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Unternehmen müssten auch Beschäftigten mit geringen Qualifikationen höhere Löhne zahlen, um sie zu halten.

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Von RND/Frank-Thomas Wenzel