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Wirtschaft Gutes Halbjahr: Airbus erwägt, Produktion auszuweiten – unter einer Bedingung
Nachrichten Wirtschaft Gutes Halbjahr: Airbus erwägt, Produktion auszuweiten – unter einer Bedingung
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16:29 31.07.2019
Für Airbus geht es aufwärts – und es wäre noch mehr drin, drohten nicht Handelskonflikte mit den USA. Quelle: Guillaume Horcajuelo/epa/dpa
Paris

Die Flugzeugbranche steht konjunkturell unter Druck. Aber verglichen mit dem US-Erzrivalen Boeing und dessen Desaster mit dem Unglücksflieger 737 Max steht der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus glänzend da. Getragen von seinen Passagierflugzeugen sind die Umsätze im ersten Halbjahr 2019 um ein Viertel auf knapp 31 Milliarden Euro gewachsen. Der Gewinn nach Steuern hat sich gar auf 1,2 Milliarden Euro weit mehr als verdoppelt.

Aber sorgenfrei kann der neue Airbus-Chef Guillaume Faury dennoch nicht sein. Das liegt an US-Präsident Donald Trump und dessen Strafzollpolitik, die auch Flugzeugen und Hubschraubern droht.

Noch wissen Faury und der deutsche Airbus-Finanzchef Dominik Asam weder, wie hoch sie ausfallen, noch wann sie kommen könnten. Doch das Drohpotential ist enorm. „Die könnte erhebliche Auswirkungen auf die Auslieferung neuer Airbus-Flugzeuge und -Hubschrauber in die USA haben und die Finanz- und Ertragslage von Airbus negativ beeinflussen“, erklärt der Flugzeugbauer warnend. Realer Hintergrund des Konflikts ist ein seit Jahren zwischen Airbus und Boeing geführter Streit vor der Welthandelsorganisation WTO.

Vorwürfe in beide Richtungen

Beide Seiten werfen sich dabei wechselseitig vor, von Regierungen unzulässig subventioniert zu werden. In beide Richtungen dürften die Vorwürfe im Prinzip gerechtfertigt sein, was zu normalen Zeiten eine Sache der WTO wäre, das zu ahnden. Trump schert sich aber nicht um internationale Regelungen und instrumentalisiert nun die Streitfragen für seine Handelskriege.

Faury sucht in dieser Lage politische Unterstützung, um das Schlimmste zu verhindern. Das wäre ein ausufernder Handelskrieg mit einer Gegenreaktion der EU in der international verflochtenen Luftfahrbranche. Den kann Airbus schon deshalb gar nicht brauchen, weil im Herbst auch noch ein harter Brexit droht. Auf der britischen Insel baut der Konzern die Flügel für alle Airbus-Flugzeuge und hat deshalb nun schon vorsorglich die Lager dafür aufgestockt.

Wird die Produktion ausgeweitet?

Die gute Halbjahresbilanz von Airbus könnte deshalb nur eine kurzfristige Momentaufnahme sein. Die Pläne, die Auslieferungen an Airbus-Flugzeugen im laufenden Jahr um rund ein Zehntel auf 880 bis 890 Maschinen zu steigern, gilt vorerst weiter. Bei 389 Auslieferungen steht Airbus zum Halbjahr. Auch von der Prognose seines jüngst abgetretenen deutschen Vorgängers Tom Enders, die operativen Gewinne 2019 um etwa 15 Prozent zu steigern, rückt Faury nicht ab.

Sollten die Geschäfte nicht von der US-Politik empfindlich gestört werden, denkt der neue Konzernchef sogar über eine weitere Ausweitung der Produktion nach. Denn die jüngst vorgestellte A 321 XLR, eine spritsparende Langstreckenversion des Erfolgsmodells A 320, kommt bei Kunden aus aller Welt gut an. In Deutschland könnte davon der Standort Hamburg in der Produktion profitieren. Vorausgesetzt Trump macht nicht demnächst einen Strich durch die Rechnung.

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Von RND/Thomas Magenheim