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Wirtschaft Halberg-Guss-Nachfolger weist Bericht über drohende Pleite zurück
Nachrichten Wirtschaft Halberg-Guss-Nachfolger weist Bericht über drohende Pleite zurück
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18:53 28.06.2019
Beim Halberg-Guss-Nachfolger Gußwerke Leipzig wird wieder voll gearbeitet. Auch VW nimmt nun wieder Motorblöcke ab. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Droht dem ehemaligen Halberg-Guss-Werk in Leipzig schon wieder die Pleite? Ein entsprechender Bericht im „Handelsblatt“ schreckte am Freitag die Belegschaft in der Gießerei auf. Doch das Unternehmen dementiert sofort. Von einer Pleite können keine Rede sein, sagte der Chef des neuen Eigners Avir Guss, Frank Günther, mit ungewohnt klaren Worten: „Das ist totaler Unsinn.“

Von einer Krise ist auch in der Leipziger Gießerei mit seien noch gut 500 Mitarbeitern nichts zu spüren – im Gegenteil. Dank neuer Aufträge der einstigen Hauptabnehmer VW und Scania konnte sogar die im Februar eigentlich für zwölf Monate angesetzte Kurzarbeit vorzeitig beendet werden. „Wir produzieren seit Mai wieder voll“, sagte Betriebsratschef Thomas Jürß der LVZ. Und daran werde sich auch so schnell nichts ändern. Und auch für die nächsten Monate gebe es genügend Aufträge.

„Wir haben die Produktion nach den Verwerfungen im vergangenen Jahr stabilisiert und bekommen seither auch neue Aufträge rein“, sagte Günther. Zwar gebe es in der Tat noch offene Fragen über die Aufteilung der Restrukturierungskosten auf die beiden Standorte in Saarbrücken und Leipzig, räumte der Manager ein. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, diese Frage zeitnah lösen zu können.“ Das Geld dafür stehe aber zur Verfügung. „Wir haben das im Griff.“

Auch in Leipzig droht Stellenabbau

Nicht ganz so gut wie in Leipzig läuft es nach LVZ-Information aber im Schwesterbetrieb in Saarbrücken. Bereits bei der Übernahme im Dezember hatte Günther angekündigt, dass man um eine Restrukturierung nicht herum kommen – samt Stellenabbau, auch in Leipzig. Inzwischen steht der Plan: „Mit den Arbeitnehmervertretern haben wir eine Einigung über die Restrukturierungsmaßnahmen erzielt“, sagte Günther.

Details wollte er aber nicht nennen. Die Finanzierung für den Umbau stehe aber. „Zusammen mit Unterstützungszusagen der Bundesländer Saarland und Sachsen sowie Einsparungen auf der Personalseite ist ein großer Teil der Restrukturierungskosten gedeckt“, sagte Günther. „Auch haben wir die Zusage unserer Großkunden, einen Teil zu diesen Kosten beizutragen.“ Laut „Handelsblatt“ geht es dabei um einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Sachsen sichert Unterstützung zu

Das sächsische Wirtschaftsministerium erklärte am Freitag auf LVZ-Anfrage, weiter zu den Zusagen vom Vorjahr zu stehen. „Grundsätzlich ist Sachsen bereit, die notwendigen Hilfen auf Basis der damals zugesicherten Grundlagen einzuhalten“, sagte ei Sprecher. Sachsen und das Saarland hatten vor der Übernahme von Halberg Guss durch Avir zugesagt, sich mit Bürgschaften an der Sanierung der Firma zu beteiligen.

Die von Günther neu gegründete Avir-Guss-Holding hatte die beiden Halberg-Guss-Standorte in Leipzig und Saarbrücken im Dezember vom Branchenschreck Prevent übernommen und in Gußwerke Leipzig und Gußwerke Saarbrücken umbenannt – mit Rückendeckung der Belegschaften, der Gewerkschaft IG Metall und auch der eigenen Kunden. Die Abnehmer der Motorblöcke, allen voran der Kölner Motorenbauer Deutz, beteiligten sich sogar an der Finanzierung der Übernahme.

Übernahme kostete 50 Millionen Euro

Grund: Deutz hatte besonders unter den wochenlangen Streiks gelitten, mit denen sich die Mitarbeiter gegen die geplante Schließung der Leipziger Gießerei gewehrt hatten. Die 50 Millionen Euro, die Avir für die beiden Gießerein an Prevent überweisen musste, wurden laut „Handelsblatt“ sogar komplett von den Abnehmern der Motorblöcke finanziert. Neben Deutz soll sich auch der US-Autoriese General Motors (GM) beteiligt haben, an den Motorblöcke per Schiff in die USA gehen.

Bei dem Finanzierungskonsortium nicht dabei war damals aber der einstige Hauptkunde VW, mit dem sich die Prevent-Gruppe überworfen hatte. Nach LVZ-Informationen gibt es aber auch aus Wolfsburg inzwischen Zusagen, sich beim neuen Eigner an den Kosten der Restrukturierung zu beteiligen. Im „Handelsblatt“ hatte noch das Gegenteil gestanden.

VW kehrt als Abnehmer zurück

Vor allem die Rückkehr von VW als Großkunde hatte es der Leipziger Gießerei ermöglicht, die Produktion wieder hochzufahren. Nachdem die alten Verträge im Streit mit Prevent 2018 gekündigt worden waren, wurden Anfang 2019 mit der inzwischen umbenannten Firma neue Verträge geschlossen. Und die würden nun auch umgesetzt, sagte eine VW-Sprecherin: „Wir halten uns an die mit den Gusswerken Saarbrücken und Leipzig geschlossenen Verträge.“

Seither liefert die Leipziger Gießerei, die einst die Blöcke für den berüchtigten Schummeldiesel EA 189 gegossen hatte, wieder TDI-Motorblöcke nach Wolfsburg. Und auch die schwedische Lkw-Tochter Scania nimmt wieder Blöcke für ihre V8-Dieselmotoren ab, die ausschließlich aus Leipzig kommen. Wegen des Streits mit Prevent hatte Scania den Antrieb im vergangen Jahr zeitweise ganz aus dem Sortiment genommen.

Ganz so viele Motorblöcke wie früher nimmt VW aber nicht mehr ab. Denn die Wolfsburger hatten sich nach der Kündigung durch Halberg Guss gezwungenermaßen andere Lieferanten gesucht – und mit Ausnahme der V8-Motoren für Scania auch gefunden. Nur ein Teil der bisherigen Menge ging dann wieder an die ehemaligen Halberg-Guss-Standorte zurück. In Leipzig, wo VW einst 60 Prozent der Produktion abnahm, reicht das aber bisher, um wieder voll zu produzieren.

Von Frank Johannsen

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