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Hallenser relaxdays startet in Leipzig durch

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15:59 31.07.2020
Unternehmenschef Martin Menz von relaxdays eröffnet Ende Juli das Leipziger Büro der Hallenser Firma. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Satte 30 neue IT-Arbeitsplätze über den Dächern der Stadt: Leipzig ist seit heute ein neuer Standort der relaxdays GmbH. Martin Menz, CEO des Hallenser E-Commerce-Unternehmens, eröffnet das Büro in Sichtweite der Thomaskirche am 31. Juli. „Hier werden sich unsere Mitarbeiter künftig um die Softwareentwicklung kümmern“, so der Gründer und Geschäftsführer des Versandhändlers und Dienstleisters.

Für den Standort Leipzig sprechen die guten Erfahrungen, die Menz mit zwei Absolventen der hiesigen Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTWK) gemacht hat. „Das fachliche Level der Mitarbeiter ist hervorragend“, sagt der Firmeninhaber. „Deshalb kommen wir zur Quelle, statt das Wasser zu uns fließen zu lassen.“ Der 34-Jährige weiß, dass er sich im täglichen Kampf um Fachkräfte befindet und auf die Spezialisten zugehen muss. Ebenso ist im bewusst, dass Halle an der Saale, dem Sitz der relaxdays GmbH, für viele Studenten und Absolventen aus Leipzig eben kein magischer Ort für die Karriere ist. Um die guten Verbindungen zur HTWK auszubauen und das Netz zum Talente-Fischen weiter im Wasser zu haben, wurden im Frühsommer die 400 Quadratmeter Bürofläche in der City ausgebaut.

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 Klotzen statt Kleckern

Vor Ort in Leipzig heißt es dann auch Klotzen statt Kleckern: Die Aussicht über die City ist fantastisch, von der Thomaskirche bis zum Breuninger-Haus ist alles in den bodentiefen Fenstern zu sehen. Die – wohl eher kurzen –Pausen können die neuen Kollegen auf der Terrasse verbringen, oder in der nagelneuen Küche, die einen fünfstelligen Betrag kostet. Das Investment in Technik und Ausstattung bleibt in Mitteldeutschland, der Küchenbauer kommt aus Zeitz. Ebenso Firmen und Arbeiter, die dicke Kabelbündel verlegen, die Elektrik installieren und Teppichböden einpassen. „Wir lassen diese Arbeiten und Lieferungen alle von Firmen aus der Region ausführen“, meint der gebürtige Hallenser nicht ohne Stolz.

Voller Fokus auf sein Unternehmen: relaxdays-Chef Martin Menz spricht während der Ausbauarbeiten mit dem Elektriker Matthias Bodem aus Zeitz. Quelle: Dirk Knofe

Start im Studium

Mit geschwellter Brust kann der Selfmade-Man auch auf anderthalb Jahrzehnte Firmengeschichte zurückschauen. „Bereits 2006, im ersten Semester meines BWL-Studiums, habe ich eine Handelsfirma gegründet. Die Marke relaxdays habe ich dann 2008 angemeldet“, erinnert sich Menz. Der Martin-Luther-Universität Halle sagte er nach sechs Semestern Lebewohl, konzentrierte sich fortan auf seine Firma und deren Wachstum. Er finanziert seine Unternehmungen mit den regionalen Niederlassungen dreier Privatbanken, Investoren hat er keine in der Firma. „Ich bin ein Freund von klaren Ansagen, einer erkennbaren Marschroute. Sitzen zu viele gegensätzliche Kräfte am Tisch, kann das ein Unternehmen zerreiben.“ Aktuell arbeiten 300 Angestellte an verschiedenen Standorten für ihn, die Belegschaft splittet sich in rund 150 Logistikkollegen in drei Großlagern und die gleiche Zahl an Technik-, Support-, Content- und Marketingmitarbeitern auf.

Bald 500, besser 1000 Angestellte

Mittelfristig sollen es bald 500, besser noch 1000 Angestellte bei relaxdays sein. Der Umsatz im zurückliegenden Geschäftsjahr lag bei 51 Millionen Euro. „Das war das vierte Jahr in Folge, dass wir mindestens 50 Prozent Wachstum haben.“ Da ist er wieder, der Stolz bei Menz, auf seine Firma und seine Mitarbeiter. Und er kommt gleich mit der nächsten Zahl. „In den vergangenen sechs Monaten hatten wir ein Wachstum von 100 Prozent zum Vorjahreszeitraum.“ Wobei das zum Teil auch einen traurigen Anlass hatte, wie er zu bedenken gibt.

Logistik-Branche erlebt Boom

Kurz nach dem Weihnachtsgeschäft 2019 kam - Corona. Die Menschen trauten sich anfangs noch mit Vorsicht in Kaufhäuser oder Lebensmittelläden, durften später wegen fast flächendeckender Geschäftsschließungen kaum noch außerhalb der Supermärkte einkaufen. Rettung war für Viele der Online-Handel, diese Sparte erlebt seitdem einen absoluten Boom. Völlig überarbeitete Lieferdienstmitarbeiter waren - und sind - stumme Zeugen dieser rasanten Entwicklung. Güter des täglichen Bedarfs kommen nun auf Bestellung, der bargeldlose Zahlungsverkehr per Einzug, Paypal oder Kreditkarte geht durch die Decke.

„Sprung ins Jahr 2022“

Menz bringt es für sein Unternehmen auf den Punkt: „Von der geschäftlichen Entwicklung haben wir einen Sprung direkt ins Jahr 2022 gemacht, wenn ich die aktuellen Zahlen mit unseren internen Vorausberechnungen vergleiche.“ Das Beispiel aus der Praxis folgt auf dem Fuße. „Für den Online-Shop von Rewe übernehmen wir unterschiedliche Dienstleistungen und vertreiben dort auch unsere Produkte im Heim- und Hobbybereich. Waren es vor Corona noch 30.000 Euro Umsatz pro Monat, hat sich der Betrag auf 150.000 Euro verfünffacht.“ Ganz klar, die Corona-Krise war ein Katalysator für die E-Commerce-Branche.

relaxdays unterstützt ab der kommenden Saison aktiv die Bundesliga-Profis des SC DHfK Leipzig in der Handball-Bundesliga. Martin Wenz hier mit Geschäftsführer Karsten Günther, Cheftainer André Haber und Kreisspieler Alen Milosevic (v.l.n.r.). Quelle: Alexander Prautzsch

Auf der Suche nach Fachpersonal

Wie sein großes Vorbild Jürgen Klopp zieht es Martin Menz auf die europäische Bühne. „Bereits jetzt erreichen unsere Angebote und unsere Logistik jedes Land Kontinentaleuropas.“ Das Geschäft mit den Nicht-EU-Staaten Schweiz und Norwegen laufe ebenso problemlos. Für diese Geschäfte und kommende Aufgaben braucht die relaxdays GmbH weiterhin viel Fachpersonal. „Wir haben dieses Jahr unsere Stipendien für die HTWK von drei auf 20 angehoben. Ich möchte, dass die Studenten hier im neuen Büro ins Business reinschnuppern und bei Projekten mitmachen können.“ An die hohe Geschwindigkeit im E-Commerce könnten sie sich so auch gewöhnen, lacht der Unternehmer, und erlernen, wie man neue Informationen erfasst und Strategien umsetzt, ohne die Dinge zu verlangsamen und zu zerdenken. „Ich brauche Leute, die ihre tägliche Arbeit wirklich ernst nehmen - und bei unserem gemeinsamen Erfolg auch stolz auf sich sein können.“

Von Frank Schmiedel