Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Porto-Erhöhung trifft Leseratten: Viele kleine Buchhändler machen Versand teurer
Nachrichten Wirtschaft Porto-Erhöhung trifft Leseratten: Viele kleine Buchhändler machen Versand teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:04 30.07.2019
Büchersendungen werden teurer – zum Leidwesen von Händlern und Leseratten. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Kiel

Die Deutsche Post erhöht die Preise für Büchersendungen. Und weil außerdem die zulässigen Maße der Pakete geändert wurden, werden Buchhändler immer nervöser. Sie befürchten, dass vor allem Amazon vom höheren Porto profitiert.

„Die Portoerhöhung ist enorm, zudem ist es die zweite in kurzer Folge“, sagt Thomas Koch, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Bereits 2018 hatte die Post die Gebühren für Büchersendung um 20 Cent angehoben. „Gerade kleine Buchhandlungen benötigen eine bezahlbare Möglichkeit Bücher zu versenden. Sonst können sie sich gegenüber dem reinen Online-Handel nicht behaupten.“

Kostenfreier Versand war ein Privileg

Buchhändler bestätigen das – denn bislang haben viele von ihnen Bestellungen ohne Aufpreis versandt. Gerd Kieckbusch von der Buchhandlung am Gänsemarkt in Eckernförde spricht von einer „erheblichen Belastung“, die nun auf ihn zukomme – auch wenn bei ihm das Ladengeschäft überwiegt. „Das trifft uns als kleine Buchhandlung sehr“, sagt er.

„Es ist immer ein Privileg gewesen, dass wir einen kostenfreien Versand ermöglichen konnten.“ Das werde nun schwieriger. Die Büchersendung wurde vor Jahrzehnten als preiswerte Versandalternative eingeführt, um das Buch als Kulturgut zu fördern.

Nicht alle erhöhen Preise

Die Kieler Buchhandlung Erichsen und Nierenheim arbeitet nach eigenen Angaben mit Nordbrief zusammen, einem Postanbieter, der bislang sein Porto für Büchersendungen nicht an das Niveau der Post angeglichen hat. Sollte das relevant werden, müsse er aber darüber nachdenken, die Kosten den Kunden in Rechnung zu stellen, sagt Wolfgang Erichsen.

Dafür hat sich Christoph Bünger vom Kieler Antiquariat Bücherwurm schon entschieden: „Ich habe mir genau durchgerechnet, ob ich die Portoerhöhung an die Kunden weitergeben muss oder nicht“, sagt er. Letztendlich habe er die Versandkosten ab Juli für seine Kunden von drei Euro auf 4,50 Euro erhöht. Ohnehin zahle er beim Verschicken häufig drauf.

Antiquariate trifft es noch härter

„Bücher sind eben schwer und sobald eine Bestellung über ein Kilo wiegt, wird es kritisch.“ Dann müsse er auf ein Paket umsteigen, das deutlich mehr koste. In seinem Antiquariat läuft etwa 60 Prozent des Geschäfts über das Internet, weil viele Bestellungen aus anderen Städten kommen. Bislang habe seine Erhöhung der Versandkosten nicht dazu geführt, dass weniger Leute etwas geordert hätten.

Der Börsenverein hat im Juni 2019 beim Bundeskartellamt bereits Beschwerde gegen die Post eingelegt, weil der Konzern aus Sicht des Verbands seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Noch hat der Börsenverein darauf keine Reaktion bekommen.

Börsenverein des Buchhandels ist sauer

Nach den Klagen aus der Branche hat die Post die Einführung der neuen Preiskategorien aber immerhin vom 1. Juli auf den 1. Januar 2020 verschoben. „Die geänderten Preise und neuen Maximalmaße bringen für einige Kunden besondere Herausforderungen mit sich, die dazu führten, dass die Umstellung nicht rechtzeitig zum Stichtag erfolgen konnte“, sagt eine Sprecherin. Deswegen habe die Post den Kunden eine Übergangsfrist bis zum Jahresende eingeräumt.

Lesen Sie auch:
Deutsche Post darf Brief-Porto deutlich erhöhen – das sind die Gründe

Der Konzern begründet das höhere Porto mit steigenden Kosten für Löhne und Logistik, mit denen sich das Unternehmen konfrontiert sieht, und die über angemessene Preise refinanziert werden müssten. Deswegen habe der Konzern auch sein Portfolio für Waren- und Büchersendungen von sechs auf zwei Angebote reduziert.

Damit gelten nun neue Maximalmaße: Die Buchsendungen dürfen nur noch 35,5 Zentimeter breit, 25 Zentimeter lang und fünf Zentimeter dick sein. „Nach unserer Einschätzung wird es in sehr vielen Fällen möglich sein, die grundsätzlich kompakten und dabei schweren Bücher zum Beispiel zu einem vergleichsweise geringem Aufpreis mit dem Großbrief zu versenden, der zudem eine bessere Laufzeit als die Büchersendung bietet“, sagt eine Sprecherin.

Auch das sieht der Verband der Buchhändler anders: „Durch die Veränderung der zulässigen Maße werden etwa ein Drittel der bisher versendeten Bücher nicht mehr als Büchersendung gelten können“, sagt Koch. „Buchhändler und Verlage werden gezwungen sein, zukünftig auf die um ein Vielfaches teureren Produkte aus der Paketsparte umzusteigen.“

Unfairer Vorteil für Amazon?

Das erhöhe den ohnehin großen Konkurrenzdruck zu Amazon, weil der Handelsriese deutlich bessere Konditionen erhalte als kleine Buchhändler. Wie diese aussehen, dazu will sich die Deutsche Post nicht äußern.

Die Post gefährde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittelgroßen Buchhandlungen, sondern auch die Vielfalt des Buchmarktes, kritisiert der Börsenverein. Für kleine und mittlere Verlage sei der Postweg elementar, um einzelne Bücher zu versenden, die in der Breite nicht vorkommen.

„Der Sonderstatus des Kulturgutes Buch geht damit verloren“, glaubt Alix Paulsen von der Verlagsgruppe Husum. Gerade bei dünnen Bänden sei wohl kaum jemand bereit, soviel für das Porto zu zahlen, wie das ganze Leseheft wert sei. „Bücher, die sich nicht im Gesamtprogramm der Großhändler befinden, werden kaum noch den Weg zum Kunden finden“, befürchtet sie. Das hohe Porto mache den Direktbezug unattraktiv.

Lesen Sie auch:
Wie die KNV-Insolvenz die Buchbranche aufwirbelte

Von RND/kn/Anne Holbach

Lange schien das Wirtschaftswachstum in Deutschland ungebremst – und die Zahl der offenen Stellen stieg und stieg. Damit ist es wohl nun vorbei, prophezeien Experten und Arbeitsagentur. In manchen Branchen gibt es aber noch viele Jobs.

30.07.2019

Die Monsanto-Übernahme macht Bayer immer mehr Probleme. Die Klagewelle wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat rollt ungebremst. Und jetzt gerät auch noch das Geschäft mit den US-Farmern in Wetterturbulenzen.

30.07.2019

Er will eine „Entziehungskur für Konsumjunkies“ und fordert deshalb höhere Preise für Fleisch, Flugreisen und Autofahrten: Mit einem meinungsstarken Kommentar polarisiert ein ARD-Moderator. Dabei könnte er mit seinem Ansatz Recht haben.

30.07.2019