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Wirtschaft Prime Day bei Amazon: Gewerkschaften und Aktivisten protestieren
Nachrichten Wirtschaft Prime Day bei Amazon: Gewerkschaften und Aktivisten protestieren
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21:24 15.07.2019
Greenpeace-Aktivisten hängen am Gebäude der Amazon Logistik Winsen GmbH mit Transparenten mit der Aufschrift: #amazon crime". Quelle: Georg Wendt/dpa
Frankfurt am Main

Der sogenannte Prime Day des Onlinehändlers Amazon weckt Protest: Die Gewerkschaft Verdi rief erneut zu Streiks in zahlreichen Auslieferungslagern auf, und Greenpeace protestiert gegen die Vernichtung zurückgesandter Waren.

Der Prime Day ist eine zweitägige Marketingaktion, die am Montag um 00.01 Uhr begann. Ausgewählte Produkte werden zu besonders günstigen Preisen verkauft.

Verdi rief unter dem Motto „Kein Rabatt auf unsere Einkommen“ zu einem zweitägigen Streik an sieben von 12 hiesigen Standorten auf. In Deutschland wurde in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz und zwei Standorten in Bad Hersfeld gestreikt. Amazon lasse sich die Nachlässe durch Tarifflucht und Niedriglöhne bezahlen, sagte Verdi-Handelsexperte Orhan Akman.

Arbeitsbedingungen weltweit in der Kritik

Die Gewerkschaft kämpft seit sechs Jahren darum, dass die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel bezahlt werden. Stattdessen orientieren sich die Löhne an der Logistikbranche, was deutlich weniger ist.

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Auch international wird um die Arbeitsbedingungen gekämpft. So wurde der Mindestlohn für die Beschäftigten in den USA voriges Jahr auf 15 Dollar (13,30 Euro) pro Stunde angehoben. An einem Lagerstandort in Minnesota wurde gleich am Montag mehrere Stunden gestreikt.

Auch Beschäftigte der Konzernzentrale machten mit. Den Frauen und Männern geht es laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg vor allem um sichere Jobs – in den USA sind Entlassungen viel einfacher möglich als hierzulande.

Greenpeace: Amazon vernichtet 30 Prozent der Retouren

Ein Amazon-Sprecher wies die Kritik von Verdi zurück. Man bezahle am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten Standard sei. Neu eingestellte Beschäftigte erhielten in Leipzig mindestens 10,78 Euro pro Stunde. Nach zwei Jahren verdienten sie im Schnitt inklusive Boni und Sonderzahlungen monatlich 2275 Euro brutto.

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Unterdessen protestierten im niedersächsischen Winsen (Luhe) auch am Montag Greenpeace-Aktivisten. Sie waren bereits am Sonntagabend auf das Gebäude des Onlinehändlers geklettert, um gegen die Vernichtung neuwertiger Waren bei Amazon zu protestieren. Nach Darstellung von Greenpeace gehen rund 30 Prozent aller Amazon-Retouren nicht wieder in den direkten Verkauf.

Amazon: „Unser Ziel ist es, Ware zu verkaufen“

Das Unternehmen hatte im Juni erklärt, die überwiegende Mehrheit der zurückgegebenen Produkte komme erneut in den Verkauf, gehe an Lieferanten zurück oder werde je nach Zustand an gemeinnützige Organisationen gespendet.

„Unser Ziel ist es, Ware zu verkaufen, nicht sie zu entsorgen“, sagte ein Amazon-Sprecher am Montag. „Nichtsdestotrotz können wir aus hygienischen oder Sicherheitsgründen nicht alle Produkte weiterverkaufen oder spenden.“

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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