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Wirtschaft Sind Sachsens Sparkassen treue Kunden zu teuer?
Nachrichten Wirtschaft Sind Sachsens Sparkassen treue Kunden zu teuer?
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14:57 30.07.2019
Neben Personaleinsparungen wie in dieser Leipziger Filiale in der Karl-Liebknecht-Straße versucht die Sparkasse auch durch Kündigung von Sparverträgen zu sparen. Quelle: Winfried Mahr
Leipzig

Eine neue Welle von Kündigungen älterer Sparverträge bringt tausende Sparkassenkunden auf die Palme. Treue Kunden waren der Bank lange lieb und teuer, jetzt werden viele offenbar zu teuer. „Uns ist es unverständlich, wie in der aktuellen Situation so eine Entscheidung getroffen werden kann“, sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen.

Verbraucherschützer sehen Glaubwürdigkeitsverlust

Seit Monaten stehen Sparkassen wegen bereits erfolgter Kündigungen von Langzeitsparverträgen, zu niedrig gezahlter Zinsen und wegen überproportional hoher Vorstandsgehälter öffentlich in der Kritik. „Es ist deshalb wohl höchste Zeit, dass sich der Dachverband der Sparkassen, die zuständigen Aufsichtsbehörden und die Politik diesen Instituten intensiver widmet“, appelliert Eichhorst. „Sparkassen haben eine wichtige gesamtgesellschaftliche Rolle und müssen diese erfüllen.“

Der Trend zur Kündigung unliebsamer Altverträge ist auch bundesweit zu verfolgen. „Die Sparkassen untergraben ihre eigene Glaubwürdigkeit, wenn sie Sparverträge kündigen“, kritisierte deshalb auch der Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands Klaus Müller in der „Bild“. „Ihre Kunden haben darauf vertraut, dass gut verzinste Verträge eingehalten werden.“ Kreditverträge könnten Verbraucher schließlich auch nicht einfach kündigen, wenn sie die Zinsen als zu hoch empfinden, so der Verbraucherschützer.

Kunden lassen Ansprüche berechnen

Die aktuellen Kündigungen führen seit Tagen dazu, dass weitere Betroffene ihre Verträge bei der Verbraucherzentrale Sachsen prüfen lassen. „Dabei werden wir nicht nur die Rechtmäßigkeit der Kündigungen prüfen, sondern auch ob die Zinsen rechtmäßig angepasst wurden“, betont Eichhorst. Über 2500 betroffene Sparkassenkunden in Sachsen haben die Verbraucherzentrale bereits mit der rechnerischen Überprüfung beauftragt, davon knapp 500 von der Sparkasse Leipzig, die noch reichlich 100 Filialen betreibt, darunter auch in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen. In hunderten anderen Fällen ist dabei schon herausgekommen, dass den Sparern noch hohe, meist vierstellige, Zinsnachzahlungen zustehen.

Sparkasse nennt wirtschaftliche Gründe

Die Sparkasse Leipzig bestätigt auf LVZ-Anfrage, dass im Juli „weitere unbefristete Prämiensparverträge nach Auszahlung der höchsten Prämienstufe ordentlich gekündigt“ wurden. „Betroffene Kundinnen und Kunden haben hierzu ein Anschreiben erhalten und können sich bis zur Wirksamkeit der Kündigungen im Januar 2020 in ihrer Filiale informieren und beraten lassen, wie sie ihr angespartes Guthaben attraktiv anlegen können“, erklärt Pressesprecher Martin Schmalz mit. Das sei mehr Zeit, als die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten vorsehe.

Die jüngsten Kündigungen betreffen demnach das unbefristete „PrämienSparen flexibel“, das nach dem 15. Jahr eine Prämie von 50 Prozent auf die Summe der geleisteten Sparbeiträge des abgelaufenen Sparjahres bietet. „Die hohen Prämienzahlungen entsprechen nicht mehr den Gegebenheiten des Kapitalmarktes und sind wirtschaftlich nicht mehr vertretbar“, so Schmalz. Befristete Prämiensparverträge mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren seien „von den Anpassungen nicht betroffen und werden bis zum Vertragsende weitergeführt“, erklärte der Sprecher. Die Wirksamkeit der Kündigung von unbefristeten Prämiensparverträgen sei rechtskräftig in allen Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof festgestellt worden, unterstrich die Sparkasse Leipzig.

Hunderte Sparer schließen sich Musterklage an

Die Verbraucherzentrale Sachsen hat Ende Mai eine Musterfeststellungsklage gegen die Leipziger Sparkasse beim Oberlandesgericht Dresden eingereicht. Ziel ist zu klären, wie die Zinsberechnung zu erfolgen hat und dass die Ansprüche noch nicht verjährt sind. „Der Musterfeststellungsklage haben sich bis jetzt mehr als 400 Sparer angeschlossen“, sagt Christina Siebenhüner von der Verbraucherzentrale, „und täglich werden es mehr“. Die Sparkasse Leipzig trage mit ihrer jetzigen Kündigungsaktion selbst dazu bei, das sich immer mehr Betroffene an der Klage beteiligen, so die Verbraucherschützer.

Beratungstermine mit Verbraucherschützern können montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 0341 696 29 29 vereinbart werden.

www.vzs.de

Von Winfried Mahr

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