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Nachrichten Wirtschaft So hart trifft die Glyphosat-Entscheidung Bayer und Monsanto
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16:36 20.03.2019
Das Herbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat ist in Verruf geraten. Quelle: epd-bild/Steffen Schellhorn
Berlin/Leverkusen/San Francisco

Der Drei-Liter-Kanister kostet hierzulande knapp 28 Euro. Groß steht der Name auf dem Behälter: „Roundup“ – mit dem Zusatz „Unkrautfrei“. Das Produkt wird nach Angaben des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer seit „über vier Jahrzehnten sicher und erfolgreich eingesetzt“. Die sechsköpfige Jury eines US-Bundesgerichts in San Francisco hat indes entschieden, dass das Herbizid für eine Krebserkrankung mitverantwortlich sein könnte – ein Befund mit weitreichenden Folgen.

Worum geht es?

Die Jury hat entschieden, dass Roundup mit seinem Wirkstoff Glophosat ein „wesentlicher Faktor“ für den Lymphdrüsenkrebs von Edwin Hardeman ist. Er hat das sogenannte Totalherbizid über 26 Jahre mehr als 300 Mal auf seinem Grundstück angewendet.

Die Entscheidung der Geschworenen ist zwar nur der erste Teil des Verfahrens Hardeman gegen Monsanto. Allerdings ist der Fall ein sogenanntes Leithammelverfahren. Das anstehende Urteil hat zwar keine Präzedenz-Wirkung für nachfolgende Prozesse. Es soll aber die Richtung der Rechtsprechung zeigen, damit die Parteien das Ausmaß von Schadenersatzansprüchen taxieren können.

Allein Vincent Chhabria, der zuständige Richter in San Francisco, hat es mit mehreren hundert Verfahren zu tun, die von Landwirten, Profi- und Hobbygärtnern angestrengt wurden.

Warum ist Glyphosat so umstritten?

Es geht einerseits um das Krebsrisiko und andererseits, um die ökologischen Folgen des Produkts, das praktisch alles vernichtet, was auf einem Stück Land nicht wachsen soll - mit ökologischen Folgen auch für Insekten. In Europa wurde lange über ein Verbot von Glyphosat diskutiert. Ende 2017 stimmten die EU-Mitgliedsländer für eine Verlängerung der Zulassung um weitere fünf Jahre.

Wie kam es zur Entscheidung der Jury?

Die Bayer-Anwälte hatten im ersten Teil des Verfahrens argumentiert, die Ursache für die Krebserkrankung von Hardeman sei nicht zu klären. Risikofaktoren wie sein hohes Alter sowie eine Hepatitis-Erkrankung müssten dabei berücksichtigt werden. Das konnte die Jury nicht überzeugen, die nun im zweiten Teil über das Maß der Verantwortlichkeit von Monsanto entscheiden muss. Dabei wird es auch darum gehen, inwiefern Hardeman das Mittel sachgemäß angewendet hat.

Edwin Hardeman (r) verlässt mit seiner Frau Mary ein Bundesgericht in San Francisco. Quelle: dpa

Bayer teilte am Mittwoch mit, man sei zuversichtlich, „dass die Beweise in der zweiten Phase des Prozesses zeigen werden, dass Monsantos Verhalten angemessen war“. Hardemans Anwältin will hingegen nachweisen, dass das Unternehmen von den Gefahren von Glyphosat gewusst, dies aber verheimlicht habe. Sie kündigte außerdem an, E-Mails vorzulegen, aus denen hervorgehen soll, dass Monsanto versucht habe, Einfluss auf Wissenschaftler und Behörden zu nehmen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Was bedeutet das für Monsanto und Bayer?

Der Aktienkurs des Leverkusener Unternehmens verlor als Mittwoch zeitweise rund 13 Prozent. Buchwerte von rund acht Milliarden Euro wurden an einem Tag vernichtet. Bayer hatte den US-Agrochemie-Konzern Monsanto im vorigen Jahr für rund 55 Milliarden Euro übernommen – auch wegen des „Bestsellers“ Roundup und obwohl Glyphosat seit Jahren weltweit höchst umstritten ist.

Wie hart trifft es die Unternehmen?

Beobachter gehen davon aus, dass es für Bayer nun nur noch darum gehen kann, den Schaden zu begrenzen, gemeint ist damit die Höhe der Entschädigung. Für Holly Froum vom Finanzdienst Bloomberg steht bereits fest, dass Bayer in vielen von insgesamt rund 11200 weiteren Verfahren der Unterlegene sein werde.

Die Klagewelle war im vorigen Jahr im August ins Rollen gekommen, als Dwayne Johnson, Zahlungen in Höhe von 78 Millionen Dollar erstritt. Er hatte als Hausmeister einer Schule jahrelang Roundup eingesetzt und ist ebenfalls an Krebs erkrankt. Froum erwartet, dass auf Bayer nun Zahlungen an Glyphosat-Opfer in Höhe von insgesamt fünf Milliarden Dollar zukommen könnten. Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst rechnet sogar mit elf Milliarden Dollar.

Wie reagieren die Anteilseigner?

Bayer-Chef Werner Baumann kann sich in jedem Fall schon einmal auf heftige Kritik von Aktionären auf der Hauptversammlung am 26. April gefasst machen. Christian Strenger, Mitgründer des Deutschen Corporate Governance Kodex, fordert laut Manager Magazin in einem Brief, dem Bayer-Vorstand die Entlastung zu verweigern. Den Monsanto-Kauf hat er als den „größten und schnellsten Wertvernichter in der Dax-Geschichte“ bezeichnet. Die Aktie hat seit August 2018 mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Die Verbilligung des Papiers hat bereits „aktivistische Investoren“ angelockt. Diese mischen sich massiv ins Geschäft ein und versuchen, aus Schräglagen von Unternehmen Kapital zu schlagen. Der berüchtigte US-Hedgefonds Elliott Management, hinter dem der Milliardär Paul Singer steht, ist Ende vorigen Jahrs bei Bayer eingestiegen. Bloomberg zufolge, wollen die Amerikaner den Bayer-Vorstand dazu zwingen, den Konzern in ein Pharma- und ein Agrochemie-Unternehmen zu zerschlagen. Elliott hat unter anderem bei Thyssenkrupp dazu beitragen, dass der Vorstands- und der Aufsichtsratschef zurücktraten und dass die Stahlsparte ausgegliedert wurde.

Was bedeutet die US-Entscheidung für Deutschland

Hier flammt die politische Diskussion über Glyphosat wieder auf. So sieht Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter in Monsantos juristischer Niederlage ein Fanal für die Bundesregierung. „Wie viele Urteile braucht die Bundesregierung noch, um die Menschen endlich vor dem giftigen Glyphosat zu schützen?“, sagte Hofreiter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Julia Klöckner darf nicht länger Schutzheilige der Großkonzerne sein und weitere Mittel zulassen. Sie muss endlich ihren Job als Landwirtschaftsministerin machen und die Anwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft in den nächsten vier Jahren beenden“, betonte der Grünen-Politiker.

Die private Nutzung zu verbieten, wäre ein erster Schritt, so Hofreiter. „Daneben muss dringend der Ausstieg auch im Bereich der Landwirtschaft eingeleitet werden, denn dort wird das meiste Glyphosat eingesetzt.“

Von RND/fw/kor/hö

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