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Nachrichten Wirtschaft So tricksen Uber-Fahrer die App aus, um Touren teurer zu machen
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17:28 24.05.2019
In den USA protestieren Fahrer von Uber und Lyft schon länger gegen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung bei Uber. Quelle: AP
Washington DC

Fahrer, die für die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft unterwegs sind, tricksen offenbar die Algorithmen aus, die ihre Einsätze steuern. Ein lokaler Nachrichtensender aus Washington hat recherchiert, dass die Fahrer so die Preise in die Höhe treiben. Offenbar, weil sie sonst nicht genug verdienen.

Im Gegensatz zu klassischen Taxi-Unternehmen kommen bei Plattformen wie Uber und Lyft keine Menschen als Disponenten zum Einsatz. Stattdessen informiert eine App die Fahrer über ihren Einsatzbereich und Buchungen durch Kunden. Gesteuert wird das über Algorithmen. Diese entscheiden anhand der Nachfrage, der Zahl der verfügbaren Fahrzeuge und der möglichen Routen auch über den Preis und damit den Verdienst der Fahrer.

Wie der lokale Nachrichtensender WJLA aus Washington berichtet, machen sich Fahrer das zu Nutze. So sollen sich Fahrer in der US-Hauptstadt absprechen, um sich gezielt gleichzeitig aus der Uber-App abzumelden – und damit die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge zu reduzieren und die automatisch berechneten Preise in die Höhe zu treiben.

Alle schalten gleichzeitig die App aus

Auch die Landungen vollbesetzter Flugzeuge am Flughafen in Washington fließen demnach in das Kalkül ein. „Fünf Minuten bevor ein Flugzeug landet, schalten wir alle die App aus. Alle auf einmal,“ schildert ein anonymer Uber-Fahrer. Daraufhin würden die Preise für Fahrten in die Innenstadt deutlich steigen, teils um zusätzliche zehn bis 18 Dollar pro Tour. „Dann schalten wir die App wieder ein“, erklärt der Fahrer weiter. So könnten alle Beteiligten im Anschluss einen höheren Preis über die App zugewiesen bekommen.

Die Fahrer sehen dem Bericht zufolge ihre Maßnahme als Notwehr gegen die Preispolitik von Fahrdienstvermittlern wie Uber und Lyft. Dort erhalten die Chauffeure keine festen Stundenlöhne, sondern lediglich einen Teil des Preises, den Passagiere über die Smartphone-Apps bezahlt haben. „Uber zahlt uns nicht genug. Das Unternehmen betrügt uns doch, indem sie einen Anteil von 35 bis 40 Prozent nehmen“, heißt es seitens der Fahrer.

Auch „Drive United“, ein informeller Zusammenschluss von Uber- und Lyft-Fahrern, beklagt, dass die Löhne zuletzt gesunken seien. „Viele sind nicht mehr in der Lage, ihre Familie zu versorgen und ihre Krankenversicherung zu zahlen.“

Verboten, sagen Uber und Lyft

Uber und Lyft sind von dem Vorgehen gar nicht begeistert. Uber sagte WJLA, das Vorgehen der Hauptstadt-Fahrer sei zwar nicht verbreitet, aber verboten. Auch Konkurrent Lyft betont, das Verhalten der Fahrer sei illegal. Auch sei das Einkommen der Fahrer zuletzt gestiegen, viele würden die Tätigkeit bei dem Fahrdienstvermittler außerdem nur als Zweitjob ausüben.

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Dass sich die Fahrer von Uber und Lyft bemühen, die sie kontrollierenden Algorithmen auszutricksen, ist für Wissenschaftler wie Alex Rosenblatt keine Überraschung. Die Amerikanerin hatte zuletzt Hunderte Interviews mit Uber-Fahrern geführt – worin diese häufig über die Algorithmen als intransparente und unsichtbare Chefs geklagt hatten.

Rosenblat zufolge gibt es längst riesige Whatsapp- und Facebook-Gruppen, in denen sich die Fahrer austauschen. Weil sie in den USA meist als Selbstständige für Plattformen wie Uber und Lyft tätig seien, gebe es allerdings keine gewerkschaftliche Organisation oder Betriebsräte.

Von RND/Christoph Höland

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