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Wirtschaft Wie Kekshersteller Bahlsen mit der SS kooperierte
Nachrichten Wirtschaft Wie Kekshersteller Bahlsen mit der SS kooperierte
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20:50 21.05.2019
„Das körperlich beste Material“: Zwangsarbeiterinnen bei Bahlsen während des Krieges. Quelle: PHL
Hannover

Der Kekshersteller Bahlsen hat während der NS-Zeit womöglich weit mehr Zwangsarbeiter beschäftigt, als bisher von dem Unternehmen eingeräumt. Das sagte der Historiker Christian-Alexander Wäldner der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Wäldner hat sich intensiv mit dem Thema Zwangsarbeit in Hannover beschäftigt. Der Geschichtswissenschaftler schätzt, das bis zu 2500 Arbeiterinnen für Bahlsen tätig sein mussten, wenn man jene 1500 mitrechnet, die in der Keks-, Bonbon- und Schokoladenfabrik in Kiew tätig waren, die Bahlsen im Krieg „treuhänderisch“ übernahm. Zahlreiche Ukrainerinnen aus dem Bahlsen-Werk in Kiew wurden 1942 nach Deutschland verfrachtet – offenbar im Beisein von Werner Bahlsen.

Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet, dass das Werk in Kiew, das heute zum Roshen-Konzern des früheren Präsidenten Petro Poroschenko gehört, im Krieg einem regelrechten Raubzug der Bahlsens zum Opfer gefallen sei. Danach ließ das Unternehmen dort die Produktionsanlagen deportieren und die Fabrik teils zerstören. Das „Handelsblatt“ beziffert den Schaden auf einen heutigen Wert von rund 600 Millionen Euro. Bahlsen hat bisher angegeben, während des Krieges rund 200 Zwangsarbeiter aus Osteuropa beschäftigt zu haben.

Die Debatte um Zwangsarbeit bei Bahlsen hatte Unternehmenserbin Verena Bahlsen losgetreten, als sie erklärte, Zwangsarbeiter seien bei Bahlsen genauso bezahlt worden wie die Deutschen und auch gut behandelt worden. Nach einer Welle der Empörung entschuldigte sie sich für ihre Äußerungen. Das Unternehmen erklärte, die Vergangenheit konsequent aufarbeiten zu wollen.

Von RND/HAZ/Simon Benne

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