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Wirtschaft Regional 350 Autohausmitarbeiter demonstrieren vorm Völkerschachtdenkmal
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17:11 05.06.2019
Abschlusskundgebung in praller Mittagssonne: 350 Mitarbeiter aus elf Leipziger Autohäusern zogen beim Warnstreik zum Völkerschlachtdenkmal. Quelle: IG Metall
Leipzig

Bei über 30 Grad in sengender Mittagssonne für höhere Löhne demonstrieren? Die Mitarbeiter von elf Autohäusern in Leipzig ließen sich von der Mittagshitze nicht abschrecken: 350 Beschäftigte legte am Mittwoch für bis zu zwei Stunde die Arbeit nieder – und zogen als Demonstrationszug über die Leipziger Automeile an der Alten Messe zum Völkerschlachtdenkmal.

Von dem Zuspruch zeigten sich sogar die Organisatoren von der IG Metall überrascht. „Mit so vielen Teilnehmern hatten wir gar nicht gerechnet“, sagte einer der Gewerkschafter, als er die Kollegen vor dem VW-Autohaus an der Richard-Lehmann-Straße begrüßte. „Das zeigt, dass da gehörig Druck auf dem Kessel ist.“

Die Mitarbeiter aus den nahen Autohäusern von VW, Audi, BMW und Mercedes-Benz Stern Auto waren zu Fuß gekommen, die Kollegen der anderen Standorten derselben Händler und von MAN per Bus dazugestoßen. Mit wehenden Fahren und lauten Trillerpfeifen zogen sie dann eine Kilometer die Richard-Lehmann-Straße entlang zur Abschlusskundgebung am Völkerschlachtdenkmal.

Tarifrunde am Montag in Leipzig ohne Ergebnis

Grund für den Warnstreik sind die stockenden Tarifgespräche für die Mitarbeiter der Autohäuser in Sachsen, Berlin und Brandeburg. Am Montag war die dritte Verhandlungsrunde in Leipzig ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn und 60 Euro mehr Ausbildungsvergütung.

Die Arbeitgeber wollen in diesem Jahr aber nur 2,3 Prozent drauf legen und im kommenden dann noch einmal 2 Prozent. Das sei viel zu wenig, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Bodo Grzonka nach dem ergebnislosen Gespräch in Leipzig. „Unsere Antwort an die Arbeitgeber sind Warnstreiks!“

Und die wurden in Leipzig gleich am Mittwoch eingeläutet. In den betroffenen Häusern direkt an der Automeile dauerte der Ausstand eine Stunde, die Kollegen, die weiter anreisen musste, waren sogar zwei Stunden im Ausstand. Rund ein Drittel der Gewerkschafter in den betroffenen Filialen schlossen sich dem Warnstreik an. Statt in der Werkstatt an Autos zu schrauben oder im Verkaufsraum Kunden zu beraten, zogen sie zum Völkerschlachtdenkmal.

„Es geht um den Erhalt unserer Arbeitsplätze“

„Unsere Forderung ist nicht nur gerecht, sondern stellt die Weichen für die Zukunft“, sagte Thomas Jagmann, Betriebsratschef im Audi Zentrum Leipzig, bei der Abschlusskundgebung vor dem Denkmal. „ Es geht nicht nur um gute Löhne, es geht auch um die Wettbewerbsfähigkeit und damit um den Erhalt unserer Arbeitsplätze.“ Denn wer schlecht bezahlen wollen, dürfe sich über fehlende Fachkräfte nicht wundern. „Daher sollten die Arbeitgeber nun endlich umdenken.“

Die Erhöhung sei bitter nötig, „um weiterhin attraktiv zu sein und gegenüber den Entgeltbedingungen der Industriebetriebe konkurrenzfähig zu sein“, fügte Andreas Stiller, Betriebsratsvorsitzender von Mercedes-Benz Stern Auto in Leipzig, hinzu.

„Gerade in Leipzig, wo bezahlbare Wohnungen Mangelware sind, ist die Erhöhung wichtig“, sagte die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei der BMW-Niederlassung Leipzig, Melanie Rabsch. „Es ist nicht zu viel verlangt, vom Ausbildungsgeld ein selbstständiges Leben bestreiten zu können und nicht mehr auf Unterstützung der Eltern angewiesen zu sein.“

Eigene Kundgebung bei Porsche

Bei der Demo nicht dabei waren die Mitarbeiter des Porsche-Zentrums am anderen Ende der Stadt. Dort hatten sich schon am Dienstag rund 20 Mitarbeiter zu einer Protestveranstaltung direkt vor dem Autohaus am Porsche-Werk versammelt. Denn anders als die Kollegen bei VW und Audi werden sie nicht direkt nach Tarif bezahlt. Es gilt dort aber ein Haustarif, der die Konditionen weitgehend übernimmt.

Die meisten andren Autohäuser der Region, zumeist selbständige Vertragshändler, zahlen dagegen gar nicht nach Tarif. Sie sind daher von dem Tarifstreit auch nicht betroffen. Nur rund ein Drittel der Beschäftigten im KFZ-Handwerk fällt laut IG Metall unter den Tarifvertrag. Das sind vor allem die großen Autohäuser, die direkt den Herstellern gehören.

Erfolgreiche Angleichung bei VW und Audi

Bei VW und Audi war es IG Metall erst 2014 gelungen, eine stufenweise Angleichung an den Tarifvertrag durchzusetzen. Auch damals waren die Mitarbeiter in Warnstreiks getreten und hatten am selben Ort wie jetzt protestiert – mit Erfolg. Seit diesem wird dort nun voll nach Tarif bezahlt. Bei BMW, Mercedes und MAN galt das schon vorher. Und bei Mercedes-Benz blieb die Tarifbindung auch nach dem Verkauf der Ost-Niederlassungen, die 2015 unter dem neuen Namen Stern Auto an den Investor Lei Shing Hong (LSH) aus Hongkong gingen, erhalten.

Die Tarifverhandlungen gehen am 14. Juni in Berlin weiter. Sollte es dann weiter keine Annäherung geben, könnte sich der Arbeitskampf weiter zuspitzen. „Die Arbeitgeber haben es nun in der Hand, am Verhandlungstisch für vernünftige Lösungen zu sorgen“, sagte Steffen Reißig von der IG Metall. „Sonst werden wir den Druck noch mal erhöhen müssen.“

Von Frank Johannsen

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