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Wirtschaft Regional Amt lässt VW-Zuliefererkartell auffliegen – auch Werke in Sachsen-Anhalt beteiligt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Amt lässt VW-Zuliefererkartell auffliegen – auch Werke in Sachsen-Anhalt beteiligt
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21:59 13.07.2017
Produktion von Abschirmblechen bei Elring Klinger.
Produktion von Abschirmblechen bei Elring Klinger.  Quelle: Elring Klinger
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Bonn/Thale

 Das Bundeskartellamt greift bei einem Kartell von VW-Zulieferern durch: Weil sie sich bei Aufträgen des Autokonzerns abgesprochen haben sollen, müssen sie nun knapp 10 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Das teilte die Behörde am Donnerstag in Bonn mit. Betroffen sind drei Lieferanten von Aluminium-Abschirmblechen. Einer davon hat auch Standorte in Mitteldeutschland: Elring Klinger. Das Schweizer Unternehmen produziert mit 80 Mitarbeitern in Thale im Harz, die Tochter Hug Engineering hat weitere 20 Mitarbeiter in Magdeburg.

2011 soll sich Elring Klinger mit drei Konkurrenten über die Weitergabe gestiegener Materialpreise an den Kunden VW abgestimmt haben, so der Vorwurf des Kartellamts. „Die beteiligten Unternehmen wollten durch den Austausch von sehr sensiblen Informationen ihre Verhandlungsposition gegenüber dem Kunden VW stärken“, sagte Behördenchef Andreas Mundt. „Die Kartell-Beteiligten waren sich darüber hinaus einig, dass man eine Preiserhöhung bei bestimmten Aluminium-Nebenkosten an den Kunden VW weitergeben wollte.“

Werk in Thale wurde 2012 übernommen

Konkret ging es um Wärmeabschirmbleche aus Aluminium, die im Motorraum und am Abgasstrang zum Einsatz kommen. Metallgehäuse für Abgassysteme stellt Elring Klinger auch in Thale her. Den dortigen Hersteller Thawa hatten die Schweizer zwar erst 2012 – also ein Jahr nach der mutmaßlichen Kartellabsprache – übernommen. Thawa hatte aber schon zuvor vor allem für die Elring-Klinger-Tochter Hug Engineering gearbeitet.

„Elring Klinger hat jederzeit kooperativ mit den Behörden zusammengearbeitet“, sagte ein Sprecher der Firma auf Anfrage. Das hat sich laut Kartellamt strafmindernd ausgewirkt. Abgestraft wurden daneben die spanische Firma Estamp und Lydall Gerhardi aus dem Sauerland. Auch die Sauerländer bekamen dabei Strafnachlass, weil sie mit dem Amt kooperierten.

Selbstanzeige erspart Carcoustics die Strafe

Am Ende seien mit allen drei Firmen einvernehmliche Verfahrensabschlüsse erzielt worden, hieß es. Zusammen müssen die drei Firmen 9,6 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Wie genau sich die Summe aufteilt, teile das Amt nicht mit. Auch Elring Klinger wollte dazu keine Angaben machen.

Der vierte Beteiligte am Kartell kommt dagegen ungestraft davon: Carcoustics aus Leverkusen hatte der Behörde geholfen, das Kartell aufzudecken und profitiert von einer Art Kronzeugenregelung. Auch Carcoustics ist in Sachsen-Anhalt vertreten – in Haldensleben.

Von Frank Johannsen