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20:02 15.01.2014
Von Robert Nößler
Gegen fünf Manager von Unister hat die Generalstaatsanwaltschaft Anklage erhoben. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Firmengründer Thomas Wagner und vier weiteren Managern werden Steuerhinterziehung, unerlaubter Verkauf von Versicherungsprodukten sowie Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht vorgeworfen. Das bestätigte Unister-Sprecher Konstantin Korosides am Mittwochabend gegenüber LVZ-Online.

Ob es zum Prozess kommt, entscheidet nun das Landgericht Leipzig, wo die Anklage eingereicht wurde. Den fünf Managern sei die „seit langem erwartete“ Schrift, so Korosides, am Dienstag zugestellt worden. „Das Gericht hat nun zu prüfen, ob sich aus der Anklage eine hinreichende Problematik ergibt. Unister hat weiterhin großes Interesse an der Rechtsfindung in allen relevanten Fragen und wird konstruktiv unterstützen“, sagte der Firmensprecher.

Unister-Gründer Wagner und zwei weitere Manager waren nach der ersten von drei Razzien im Dezember 2012 in Untersuchungshaft gekommen, später aber wieder freigelassen worden. Insgesamt wurde früheren Angaben der Generalstaatsanwaltschaft zufolge gegen acht Mitglieder der Führungsriege ermittelt. Ein Sprecher der Anklagebehörde war am Abend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Anklage bezieht sich auf Stornoschutz „Flexifly“

Einer der Anklagepunkte bezieht sich laut Unister auf einen Storno- und Umbuchungsschutz („Flexifly“), den die Firma auf ihren Reiseportalen angeboten hatte. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht darin ein Versicherungsprodukt – unter Fachleuten ist dies jedoch umstritten. Unister hatte dafür keine Versicherungssteuer, sondern Umsatzsteuer in gleicher Höhe gezahlt. Die Ermittler werten dies als Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Zudem sei das Unternehmen, so der Vorwurf, für den Verkauf des Produkts nicht berechtigt gewesen.

Auch die von Unister verwendeten Streichpreise sind Teil der Anklage. Die Ermittler sehen darin einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, da es die angegebenen Preise auf den Firmenportalen wie ab-in-den-urlaub.de nie gegeben habe. In der Branche sind solche Methoden allerdings auch bei Wettbewerbern von Unister nicht unüblich.

Ermittlungen laufen parallel weiter

Unister-Gründer Thomas Wagner und zwei weitere Manager waren nach der ersten von drei Razzien im Dezember 2012 in Untersuchungshaft gekommen, später aber wieder freigelassen worden. Quelle: dpa

Das Unternehmen, bei dem mehr als 1600 Mitarbeiter beschäftigt sind, hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Unternehmenssprecher Korosides kündigte am Mittwoch an, dass die Anklageschrift nun intensiv geprüft werde.

Parallel ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft noch in weiteren Fällen gegen das Unternehmen. Dabei geht es unter anderem um angeblichen Computer- und Steuerbetrug bei mehr als 60.000 Lufthansa-Flügen. Zuletzt waren deshalb im Dezember 2013 die Räume des Unternehmens im Barfußgäßchen von 90 Beamten der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) durchsucht worden.

Robert Nößler

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