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Wirtschaft Regional BMW baut Leipziger Elektroauto i3 noch bis 2024 weiter
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19:29 11.12.2019
Die Montage des Elektroautos i3 in Leipzig.geht noch bis 2024 weiter. Quelle: Jan Woitas/dpa
Leipzig

Wenn er über den Stromer i 3 aus Leipzig redet, kommt BMW-Chef Oliver Zipse sofort ins schwärmen. „Der Wagen ist heute schon eine Ikone“, sagte er vor sechs Wochen im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen“. „Welches Auto kann das nach nur sechs Jahren von sich behaupten?“ Und eine Ikone schicke man nicht einfach in den Ruhestand. „Wieso in Gottes Namen sollten wir dieses Auto, das jetzt auf der Höhe seiner Zeit ist, aufgeben?“

Jetzt macht BMW Nägel mit Köpfen – und nennt erstmals einen Endtermin für das seit 2013 gebaute Modell. Und der liegt weit in der Zukunft. „Der i 3 wird noch bis in das Jahr 2024 weitergebaut“, kündigte Werkssprecher Julian Friedrich am Mittwoch gegenüber der LVZ an. Mit der Ankündigung nimmt BMW nun alle Befürchtungen den Wind aus den Segeln, nach dem i8 könnte bald auch der i3 auslaufen.

Experten hatte mit Auslaufen 2022 gerechnet

Zwar hatte BMW schon bisher stets betont, der i3 laufe weiter. Wie lange das sein könnte, hatte BMW aber stets offengelassen. Der jetzt genannte Zeitraum bis 2024 ist deutlich länger, als von allen Experten erwartet. Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen hatte erst Ende Oktober gegenüber der LVZ gesagt, er gebe dem i3 noch maximal anderthalb Jahre – „vielleicht bis Anfang 2022“. Jetzt werden es noch gut zwei Jahre mehr.

Das ist deutlich länger, als sonst bei BMW üblich. Eigentlich ist bei dem Hersteller nach sieben Jahren Schluss, und die hätte der 2013 aufgelegte i3 im kommenden Jahr erreicht. „Der i3 ist sehr erfolgreich und läuft nicht im sonst üblichen Sieben-Jahres-Zyklus“, sagte eine BMW-Sprecherin in München.

Absatz steigt Jahr für Jahr

Denn anders als bei anderen Autos, bei denen der Absatz nach einigen Jahre schwächelt, legt der i3 seit dem Start 2013Jahr für Jahr zu. Im vergangenen Jahr kletterte der Absatz erstmals auf fast 35 000 Stück. Und in diesem Jahr gingen die Zahlen weiter nach oben. „Wir wachsen mir dem i3 jedes Jahr, in Europa dieses Jahr um 20 Prozent“, sagte Zipse.

Einen Nachfolger wird der i3 aber nicht erhalten. Das hatte der heutige BMW-Chef schon vor anderthalb Jahren, als er noch Produktionsvorstand war, gegenüber der LVZ klargestellt. „Ikonen ticken nach einer anderen Logik, die haben keine klassischen Nachfolger“, legte er jetzt gegenüber der FAZ nach. Stattdessen wird das bisherige Modell jetzt einfach noch fünf Jahre weitergebaut. „Wir sind uns sicher: Der i3 hat noch großes Potenzial!“

BMW schreibt 800 Millionen Euro ab

Und das rechne sich auch, betonte Zipse: „Die Investitionen sind abgeschrieben, wir verdienen mit jedem i3 Geld.“ Die 800 Millionen Euro, die BMW einst in den Aufbau der i-Reihe gesteckt hat, hat das Modell aber nie eingespielt. Allein 400 Millionen flossen damals in den Ausbau des Leipziger Werks.

Der ebenfalls in Leipzig gebaute Hybrid-Sportwagen i8, den BMW 2014 kurz nach dem i3 aufgelegt hatte, wird dagegen in wenigen Monaten eingestellt: Ende April 2020 ist Schluss mit dem 138 000 Euro teuren Supersportwagen, hatte BMW im September angekündigt. Am Mittwoch gab es im Werk aber noch einmal ein Produktionsjubiläum – und gleich ein dreifaches: Der 20.000. i8 verließ feierlich das Werk, wenig später folgte der 180.000 i3. Insgesamt wurden seit dem Start der i-Produktion vor sechs Jahren damit 200.000 i-Modelle in Leipzig gebaut.

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Batterie und Bedienkonzept werden nachgebessert

Um den i3 jetzt fit für die dritte Halbzeit zu machen, soll es nun noch einmal eine umfangreiche Modellpflege geben. „Wir haben uns vorgenommen, bei Batterie und Bedienkonzept noch einmal einen Sprung zu machen“, kündigte Zipse an. Erst vor einem Jahr hatte BMW dem Stromer einen größeren Akku spendiert. Die Reichweite stieg dadurch auf 310 Kilometer. Der Ur-i3 von 2013 kam nur auf 130 bis 160 Kilometer.

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Der neue ID.3, den VW gerade in Zwickau gestartet hat, schafft aber sogar bis zu 550 Kilometer. Dass der i3 neben dem neuen Konkurrenten alt aussehen könnte, will Zipse trotzdem nicht gelten lassen. „Der i3 bleibt von seiner Bauweise das innovativste Großserienfahrzeug der Welt.“ Und er sei dank seiner Carbon-Karosserie auch 300 Kilo leichter als die Konkurrenz.

Carbon-Karosserie macht Auto teuer

Autoexperte Dudenhöffer sieht aber gerade darin das Problem: Denn der Werkstoff sei einfach zu teuer – und der i3 kostet schon jetzt 8000 Euro mehr als der neue ID.3, der ohne den teuren Werkstoff auskommt. „BMW wird den Preis nach unten anpassen“, ist sich Dudenhöffer sicher, „aber das wird nicht reichen. Der i3 ist ja durch seine Carbon-Karosse sehr teuer.“

Von dem teuren Werkstoff hat sich auch BMW daher längst wieder verabschiedet: Künftige Stromer kommen mit einer klassischen Stahlkarosserie. Und sie sollen auf demselben Band montiert werden, wie die jeweiligen Benziner und Diesel. Das Leipziger Werk wird gerade entsprechend umgerüstet.

Und was kommt in Leipzig nach dem i3? Experten glauben, dass hier dann Elektroversionen von 1er oder 2er entstehen könnten, die dann i1 oder i2 heißen dürften. Das britische Fachblatt „Auto Express“ schrieb kürzlich sogar, dass der i1 schon 2021 anlaufen könnte. BMW selbst wollte sich dazu noch nicht äußern.

Von Frank Johannsen

Vier Monate vor dem Auslaufen des BMW i8 aus Leipzig dreht der Hybrid-Sportwagen noch einmal kräftig auf: Das 20.000. Exemplar verließ am Mittwoch das Leipziger Werk. Auch zwei weitere Jubiläen konnten gefeiert werden.

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