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Wirtschaft Regional Bauern in Sachsen können nicht mit neuer Dürrehilfe rechnen
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18:10 25.04.2019
Staubtrockene Äcker lassen bei vielen bauern die Angst vor einer neuen Dürre wachsen.. Quelle: Jens Büttner/dpa
Leipzig

Trotz eines sich abzeichnenden neuen Hitzesommers können die Bauern in Mitteldeutschland nicht mit erneuter Dürrehilfe rechnen. „Es kann kein Dauerzustand sein, dass jedes Jahr Dürrehilfe gezahlt wird“, sagte Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) am Donnerstag bei der Eröffnung der Landwirtschaftsausstellung Agra in Leipzig. „Das muss die Ausnahme bleiben“

„Das war 2018 ein einmaliger Kraftakt. Aber so etwas kann man nicht jedes Jahr wiederholen“, sagte auch seine Amtskollegin Claudia Dalbert (Grüne) aus Sachsen-Anhalt, die am Nachmittag ebenfalls auf der Agra war. „Es ist jetzt Aufgabe der Landwirtschaft, sich von solchen Nothilfen unabhängig zu machen.“ Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der die Agra als Schirmherr eröffnete, dämpfte die Hoffnungen, „dass das in der Größenordnung wie 2018 weitergehen kann“.

Länder setzten auf Hilfe zur Selbsthilfe

Stattdessen wolle das Land den Bauern helfen, sich an den Klimawandel anzupassen. „Das geht bis hin zu Bewässerungssystemen“, sagte Haseloff. Ministerin Dalbert regte an, darüber nachzudenken, andere Pflanzen anzubauen, die mit weniger Wasser auskommen.

Sachsens Umweltminister Schmidt machte sogar eine ganz konkrete Zusage: Er unterstütze die Forderung der Bauern, endlich eine europaweite Mehrgefahrenversicherung einzuführen, mit der sich Landwirte auch gegen Dürreschäden absichern könnten. Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel, zugleich Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, vernahm das mit Freude. „Wenn wir das Thema jetzt nicht angehen, wann denn dann?“

Experten warnen vor neuem Hitzesommer

Nach dem Hitzesommer 2018 hatten Bund und Länder noch ein 340 Millionen Euro schweres Hilfspaket geschnürt, um wenigsten die schlimmsten Ernteausfälle zu ersetzen. Und in diesem Jahr könnte es für die Bauern sogar noch schlimmer kommen, warnen Experten. Denn anders als 2018 seien die Böden schon jetzt extrem trocken.

„Der Niederschlagsvorrat aus dem Winter, von dem wir sonst zehren, ist schon aufgebraucht“, sagte Peter Ritschel, Chef des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft, das sich auf er Agra am Gemeinschaftsstand zum Thema Klimawandel beteiligt, den dem sich auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) zu finden ist.

In den Böden sei daher nur noch 60 Prozent der sonst üblichen Feuchtigkeit gespeichert, erklärte DWD-Agrarmeteorologe Udo Busch. Das lasse sich bis Jahresende kaum noch aufholen. „Wenn wir im Rest normale Niederschläge haben, wird das Jahr am Ende genauso trocken wie 2018.“ Und wenn es weiter kaum regne, könnte es am Ende sogar noch schlimmer als im Vorjahr kommen. Abschätzen lasse sich das aber noch nicht.

Bauernverbände schlagen Alarm

Die Landwirte in Mitteldeutschland zeigen sich bereits alarmiert. „Wir stehen schon wieder vor einer Trockenheit“, sagte Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel. „Und das ist jetzt schon das zweite Jahr nacheinander“, fügte sein Amtskollege Klaus Wagner aus Thüringer hinzu. Olaf Feuerborn aus Sachsen-Anhalt warnte sogar: „Beim Getreide sehen wir schon jetzt Ernteeinbußen voraus.“ Und auch das Futter fürs Vieh könnte knapp werden – „spätestens im nächsten Winter“. Dabei sei das Dürrejahr 2018 noch nicht einmal voll verschmerzt, sagte Haseoff. „Es wird Jahre dauern, bis das Wasserdefizit ausgeglichen ist.“

Von Dürrehilfen will Sachsen Bauernpräsident Vogel trotzdem nichts wissen. „Wenn das wie im vergangen Jahr läuft, können wir das vergessen.“ Weil nur existenzgefährdete Betriebe das Geld erhielten, seien die meisten leer ausgegangen. „Die Umsetzung war sehr kompliziert“, räumte auch Minister Schmidt ein. „Das hat für viel Unmut gesorgt.“

Hohe Hürden für Nothilfe

Ganz ausschließen wollte Schmidt eine erneute Dürrehilfe zwar nicht. Dafür müsse man erst abwarten, wie sich das Jahr entwickle. Man müsse erst abwarten, wie sich das Jahr entwickle. „Noch ist das ein Blick in die Glaskugel. Das entscheiden wir, wenn es soweit ist.“ Er glaube aber nicht, dass sich die Hilfsaktion des Vorjahres so einfach wiederholen lasse. „Das wird schwierig.“

Denn es gebe hohe rechtliche Hürden, fügte Haseloff hinzu: „Wenn der Bund nicht den Katastrophenfall feststellt, ist eine Unterstützung gar nicht möglich.“ Seine Ministerin Dalbert erteilte solchen Gedankenspielen ihres Chefs sogleich eine Absage. Auf die Frage, ob es eine Dürrehilfe geben könnte, sagte sie nur knapp: „Nein.“

Ab Freitag drei Tage Regen erwartet

Zumindest kurzfristig ist für die Bauern Entwarnung in Sicht. Ab Freitag werde es rund um Leipzig drei Tag Regen geben, sagte DWD-Experte Busch. „Bis Sonntag fallen rund zehn Liter pro Quadratmeter.“ Ab Montag werde es dann zwar wieder trockener – aber nicht mehr ganz so warm. „Das bringt etwas Entspannung.“ Zumindest für die nächsten zwei Wochen. Denn länger lasse sich das Wetter nicht vorhersagen.

Von Frank Johannsen

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