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00:23 19.01.2019
Der Protest von Anti-Brexit-Demonstranten vor dem Parlament in London half nichts: Das  Austrittsabkommen mit Brüssel fiel dort am Dienstag durch.
Der Protest von Anti-Brexit-Demonstranten vor dem Parlament in London half nichts: Das Austrittsabkommen mit Brüssel fiel dort am Dienstag durch. Quelle: Dominic Lipinski/PA /dpa
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Leipzig/Halle

Nach dem Scheitern des Brexit-Vertrags im britischen Unterhaus wächst in Sachsens Betrieben die Angst vor einem ungeordneten EU-Austritt der Briten. „Es war abzusehen, dass Theresa May die Abstimmung über den mit der EU ausgehandelten Vertrag verliert“, sagte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Verbands Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Ost in Leipzig.

„Damit wird zugleich unsere Befürchtung weiter genährt, dass es zu einem harten Brexit kommen wird“, so Pätz. „Wenn Großbritannien am 29. März 2019 tatsächlich ohne Abkommen aus der EU austritt, wird dies weitreichende Folgen haben. Für Unternehmen bedeutet das Schreckensszenario weitere Hürden beim Handel mit Zulieferern und Kunden aus Großbritannien.“

Bereits direkt nach der Abstimmung im britischen Unterhaus am Dienstagabend hatte Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig, gewarnt: „Wohl oder übel muss sich die sächsische Wirtschaft nun auf das denkbar schlechteste Szenario einstellen: einen ungeregelten Brexit.“

Das werde den Unternehmen in Mitteldeutschland schaden, fügte am Mittwoch Birgit Stodtko von der IHK Halle-Dessau hinzu. Denn jeder fünfte Betrieb in ihrem Kammerbezirk mache bisher Geschäfte mit den Briten.„Die aktuelle Entwicklung wird die Unsicherheit bei den exportorientierten Unternehmen in unserer Region definitiv verschärfen.“

Drittwichtigster Handelspartner Sachsens

Großbritannien ist bisher der drittwichtigste Auslandsmarkt für Waren aus Sachsen – vor allem für Autos. Für das Leipziger BMW-Werk ist das Land sogar der wichtigste Auslandsmarkt überhaupt. Zudem bezieht das Leipziger Werk Motoren aus England. Porsche und VW liefern im Gegenzug aus den Werken in Leipzig und Zwickau Karosserien an die britische VW-Tochter Bentley.

Die Geschäfte haben zuletzt schon deutlich gelitten: In den ersten drei Quartalen 2018 sanken die sächsischen Exporte dorthin um elf Prozent. „Die Dynamik wurde durch die zähen Verhandlungen zum Brexit augenscheinlich schon ausgebremst“, sagte Kirpal. Jetzt drohten noch größere Einbrüche. „Die Eingriffe in bestehende Lieferketten dürften empfindlich sein, allein durch Grenzkontrollen und Zölle.“

Minister Dulig will Unternehmen unterstützen

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kündigte an, die Betriebe bei der Vorbereitung auf den Brexit nun zu unterstützen. „Wir stehen mit den Kammern in den Startlöchern, um unsere Unternehmen konkret zu beraten.“ Allerdings sei immer noch nicht wirklich klar, wie es konkret weitergehe beim Brexit. Das mache die Vorbereitung schwierig.

Der Minister zeigte sich aber zuversichtlich, dass Sachsen den Brexit ohne große Blessuren überstehen werde. „Insgesamt ist die sächsische Wirtschaft gut aufgestellt und nicht von einzelnen Exportpartnern abhängig.“

Auch VDMA-Ost-Chef Pätz zeigte sich zuversichtlich, dass die Maschinenbauer in Mitteldeutschland mit einem blauen Auge davonkommen könnten: „Für die Maschinen- und Anlagenbauer in Mittel- und Ostdeutschland wird sich ein harter Brexit nicht so direkt und in Gänze spürbar auswirken wie auf Unternehmen in anderen Regionen. Der Grund: Großbritannien gehört nicht zu den Top-Märkten.“

IWH warnt vor Rezession in Großbritannien

„Egal, wie der Brexit zustande kommt: Das ist kein Weltuntergang für Mitteldeutschland, weil die Unternehmen breit aufgestellt sind“, sagte auch der Dresdner Ifo-Vize Joachim Ragnitz. „Probleme hat eher Großbritannien selber.“ Das Land werde wohl sogar in die Rezession schlittern, fürchtet Oliver Holtemölle, Vize-Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): „Auch wenn damit zu rechnen ist, dass rasch verabschiedete Notverordnungen die gravierendsten Hemmnisse vorübergehend begrenzen würden, würde wohl die Unsicherheit so groß, dass für die britische Wirtschaft mit einer Rezession zu rechnen wäre.“

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Von Frank Johannsen