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Wirtschaft Regional Brexit und Diesel-Fahrverbote drücken bei Sachsens Autobauern die Stimmung
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20:45 07.02.2019
Produktion des i8 bei BMW in Leipzig. Quelle: Christian Modla
Dresden

Diesel-Skandal, Fahrverbote, der Ärger mit der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und jetzt auch noch die sich zuspitzende Aussicht auf einen harten Brexit – bei Sachsens Autobauern drückt das immer mehr auf die Stimmung. „Die Verunsicherung ist bei vielen Unternehmen greifbar“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden, Andreas Sperl, im Hauptberuf Chef der Elbe-Flugzeugwerke, am Donnerstag bei der Vorstellung der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der drei Kammern im Freistaat.

Dabei stehe die Wirtschaft im Freistaat insgesamt weiter auf soliden Beinen. Zwar lasse das Wachstumstempo etwas nach. „Doch wir haben eine stabile Auftragslage und eine starke Binnennachfrage. Übertriebener Pessimismus ist da keineswegs angesagt“, sagte Sperl, der derzeit Sprecher der drei IHKs im Freistaat ist. Die sich eintrübenden Aussichten in der Autobranche machten sich inzwischen aber auch insgesamt bemerkbar. Schließlich ist die Autobranche mit ihren Werken in Leipzig, Dresden, Chemnitz und Zwickau der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig im Freistaat.

Mehrheit der Firmen bleibt optimistisch

Zwar sprachen in der Umfrage, an der insgesamt 1760 Unternehmen teilnahmen, 86 Prozent der Vertreter aus der Autobranche von einer guten oder zumindest befriedigenden Geschäftslage – deutlich mehr als in allen anderen Branchen. Doch erstmals seit Jahren gab es auch negative Stimmen: Sieben Prozent sprachen von einer schlechten Lage. Bei den beiden vorigen Frühjahrsumfragen 2017 und 2018 hatte der Wert noch beide Male bei null gelegen. Und jedes vierte Unternehmen der Autobranche im Freistaat rechnet 2019 sogar mit einer Verschlechterung. In den anderen Brachen waren es nur halb so viele.

Das schlage inzwischen auf die gesamte Wirtschaft durch. Zum dritten Mal in Folge ging der Geschäftsklimaindex, den die Kammern dreimal im Jahr ermitteln, nach unten. Mit 130 Punkten sei er aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau, fügte Sperl hinzu. „Das ist Jammern auf hohem Niveau.“ Anfang 2009 hatte er nur bei 79 Punkten gelegen, beim bisherigen Bestwert vor genau einem Jahr bei 138.

Kammer sieht keine Trendwende

Mit einer Trendwende sei denn auch nicht zu rechnen, versicherte Sperl. „Dafür gibt es keine Anzeichen.“ Und auch Gert Ziener, Nachfolger von Rita Fleischer als Geschäftsführer Grundsatzfragen bei der IHK Leipzig, macht sich keine allzu großen Sorgen. „Wir sehen keine harte Landung. Da sind wir optimistisch.“

Denn insgesamt stehe Sachsens Wirtschaft weiter solide da. 63 Prozent aller Betriebe zeigte sich mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Vor einem Jahr waren es aber noch 67 Prozent gewesen. Und 88 Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit gleich guten oder sogar besseren Geschäften. Vor einem Jahr waren es sogar 93 Prozent gewesen. Trotzdem werde es auch 2019 weiter aufwärts gehen, allerdings wohl nur um 1,6 Prozent. „Von den hohen Wachstumsraten der vergangene Jahre werden wir uns aber verabschieden müssen“, räumte Sperl ein.

Gerade die Autobranche habe derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen: Im Inland trübe die Diskussion um Dieselfahrverbote die Stimmung, beim Export bremsen der nach wie vor unklare Ausgang des EU-Austritts der Briten und der schwelende Handelsstreit mit den USA. Hinzu komme die schleppende Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP in Europa, die im September die Absatzzahlen einbrechen ließ.

Export leidet bereits

Gerade im Export hinterließ das schon 2018 Spuren: Waren die sächsischen Exporte nach Großbritannien 2017 noch um 17 Prozent nach oben gegangen, so brachen sie 2018 schon um 9 Prozent ein. Und 70 Prozent davon entfiel auf den Fahrzeugbau. Zudem drohen beim Brexit nun Zulieferer aus Großbritannien auszufallen, etwa bei BMW, dessen Leipziger Werk Motoren aus England bezieht. „Es werden mit Hochdruck neue Zulieferer gesucht und auch Investitionen zurückgestellt“, berichtete Sperl.

Hervorragend läuft es dagegen weiter auf dem Bau. „Das Baugewerbe ist und bleibt eine Konjunkturlokomotive“, so Sperl. Und 82 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sich die Lage 2019 weiter verbessert. Das, so Sperl weiter, habe aber auch seine Schattenseite – für die Bauherren: 2018 hatte es bei den Baupreisen schon den stärksten Anstieg seit zehn Jahren gegeben. „Und bei dieser Auftragslage ist damit zu rechnen, dass die Baupreise weiter nach oben gehen.“

Von Frank Johannsen

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