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Wirtschaft Regional Bundespräsident plaudert mit Azubis im BMW-Werk Leipzig
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20:17 18.04.2018
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender (Mitte) beim Besuch im BMW-Werk
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender (Mitte) beim Besuch im BMW-Werk Quelle: Foto: Dirk Knofe
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Leipzig

 Das Lampenfieber war den Azubis anzumerken. „Ich bin total aufgeregt“, sagte eine junge Auszubildende mit zitternder Stimme, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (62) die Leipziger Lehrwerkstatt von BMW betrat. Mit zehn Minuten Verspätung trat er am Mittwoch kurz nach 13 Uhr zusammen mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender (56) den Rundgang durch das Ausbildungszentrum neben dem BMW-Werk an.

Der Besuch ist Teil der Rundreise des Präsidentenpaars im Rahmen der gerade laufenden Woche der beruflichen Bildung, für die die beiden die Schirmherschaft übernommen haben. Leipzig war die fünfte von 13 Stationen. Gleich am ersten Werktisch im Raum brauchte er einen Dolmetscher. Wie es denn laufe, fragte er die angehende Fertigungsmechanikerin Gillian Wacht und Jimmy Grunst, der hier den gleichen Beruf lernt.

Ausbilder Enrico Horn übersetzte dann in Gebärdensprache. Denn Wacht und Grunst sind gehörlos – die einzigen unter den 152 Azubis bei BMW. Erst vor zwei Jahren hatte BMW erstmals Gehörlose in die Ausbildung aufgenommen, die ersten beiden haben gerade ausgelernt und arbeiten nun in der i3-Montage.

Extra dafür hat Ausbilder Horn die Gebärdensprache gelernt. Entsprechend gut klappe es jetzt mit der Verständigung, loben die beiden Lehrlinge gegenüber der Präsidentengattin. Denn die hatte die Gesprächsführung schnell an sich gerissen. Besonders erfreut zeigte sie sich über den für ein Autowerk hohen Frauen-Anteil unter den Azubis: Der liegt bei BMW in Leipzig bei 22 Prozent.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender haben am Mittwoch das Leipziger BMW-Werk besucht. Dabei kamen sie auch mit Azubis ins Gespräch.

Ein paar Tische weiter fing Steinmeier dann an zu scherzen. „Das soll funktionieren?“, fragte er mit einem Augenzwinkern und zeigt auf ein Steuerungsmodul. „Natürlich funktioniert das“, stellte einer der vier angehenden Mechatroniker an dem Tisch klar – und erklärte dann, was denn genau durch das Gerät gesteuert wird.

Am Ende dauerte der Rundgang deutlich länger als die 15 Minuten, die dafür eingeplant waren. Eine Etage über der Lehrwerkstatt warteten da schon zwei Gesprächsrunden auf das Paar: Während Steinmeier sich mit zwölf Jungend- und Ausbildungsvertretern aus verschiedenen Betrieben der Region austauschte, fragte, wo denn die Probleme liegen, redete seine Frau nebenan mit weiblichen Auszubildenden über Frauen in Männerberufen.

„Das sollte eigentlich wirklich nur eine Schirmherrschaft werden“, sagte Steinmeier – und fügte mit Blick auf den straffen Terminplan hinzu: „Am Ende ist es aber deutlich mehr geworden.“ Vor dem Termin in Leipzig war er am Mittwoch schon in Groß Kreutz bei Brandenburg, direkt nach dem BMW-Termin ging es zurück nach Berlin. Am Donnerstag sind die beiden in Baden-Württemberg unterwegs, Freitag dann in Nordrhein-Westfalen.

Mit dem Besuchsmarathon will das Präsidentenpaar die Werbetrommel rühren für die berufliche Ausbildung im Betrieb. „Im Ausland wird unsere Berufsausbildung hoch gelobt“, sagte Steinmeier. „In Deutschland selbst ist die Wertschätzung dagegen oft schlechter.“ Immer noch würden viele glauben, nur mit einem Studium lasse sich Karriere machen. „Dem ist aber längst nicht mehr so“, sagte Steinmeier. „Mit einer beruflichen Ausbildung stehen einem heute alle Wege offen.“

Sie selbst sei dafür das beste Beispiel, fügte seine Frau hinzu. Büdenbender hatte zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht, bevor sie das Abitur nachholte und dann Jura studierte. „Unsere duale Ausbildung ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann“, sagte sie. „Das müssen wir aber auch pflegen.“

Von Frank Johannsen