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Wirtschaft Regional Chinas neue Seidenstraße sorgt für Zündstoff in Leipzig
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14:17 18.05.2019
Die Fahnen der 59 Mitgliedsländer wehen alljährlich zum Weltverkehrsforum vor der Neuen Messe in Leipzig. Quelle: Peter Endig/dpa
Leipzig

Auf der Leipziger Messe läuft der Countdown zum diesjährigen Weltverkehrsforum. Ab Mittwoch werden das Messegelände und das angrenzende Congress-Center wieder für drei Tage zum weltweiten Treffpunkt für Verkehrspolitiker, Transportunternehmer und Wissenschaftler, die hier zum Meinungsaustausch zusammenkommen.

„Bisher haben 41 Minister oder Vizeminister zugesagt“, sagte der Sprecher des Forums, Michael Kloth, am Freitag gegenüber der LVZ. Und bis zum Start am Mittwoch dürften sicher noch ein paar hinzukommen. Insgesamt werden wieder 1200 bis 1300 Gäste aus mehr als 70 Ländern erwartet.

„Selbst Papua-Neuguinea kommt mit einer Delegation. Die reisen um die halbe Welt, um dabei zu sein“, freut sich Kloth. Dabei gehört der Südseestaat gar nicht zu den 59 offiziellen Mitgliedern des Weltverkehrsforums. Und anders als vor einem Jahr, als das Land bereits erstmals als Gast dabei war, kommt dieses Mal sogar der Verkehrsminister persönlich.

Tunesien wird als 60. Mitglied begrüßt

Das Gleiche gilt für Saudi-Arabien, Kolumbien und Thailand, die allesamt mit Minister oder Vizeminister in Leipzig vertreten sind, ohne Mitglied des Weltverkehrsforums zu sein. Tunesien reist ebenfalls als Nicht-Mitglied an – und wird dann am Freitag wohl als Mitglied wieder abreisen. Der Maghreb-Staat soll in Leipzig feierlich als 60. Mitglied aufgenommen werden.

„Es ist kein Zufall, dass das Weltverkehrsforum nun schon zum zwölften Mal seit 2008 in Leipzig stattfindet“, sagte der Generalsekretär des Treffens, Kim Young Tae. Vor genau zwei Jahren war der Südkoreaner in der Messestadt zum Chef der Veranstaltung gewählt worden. „Die Unterstützung und Gastfreundschaft, die wir als Organisatoren und auch die Minister hier von allen Seiten erfahren, ist großartig. Inzwischen steht der Name Leipzig in aller Welt für das international bedeutendste verkehrspolitische Treffen.”

Feierliche Eröffnung mit Doppel-Kim

Für Kim ist es in diesem Jahr sogar fast ein Heimspiel: Denn sein Heimatland Südkorea hat dieses Mal die jährlich wechselnde Präsidentschaft des Treffens inne. Generalsekretär Kim wird das Treffen daher am Mittwochvormittag zusammen mit seiner Namensvetterin, Südkoreas Verkehrsministerin Kim Hyun Mee, eröffnen.

Südkorea ist in Leipzig besonders stark vertreten: „Die kommen mit eine riesigen Delegation, über 100 Leute“, sagte Kloth. „Die fahren hier richtig auf.“ Gegen Mittag stößt dann auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hinzu, um beim Eröffnungsplenum dabei zu sein und anschließend mit den beiden Kims zum traditionellen Ministerrundgang aufzubrechen. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will dann dazustoßen.

„Kaum ein Lebensbereich verändert sich so schnell wie die Mobilität“, sagte Generalsekretär Kim. „Neue Technologien und Dienstleistungen kommen in immer rasanterem Tempo auf den Markt.“ Das erkläre auch den steigenden Zuspruch für das Treffen in Leipzig. „Um in diesem Spannungsfeld richtig zu handeln, ist der Erfahrungsaustausch so wichtig. Und darum ist das Weltverkehrsforum in Leipzig so ein Magnet für Minister aus aller Welt.“

Chinas „Neue Seidenstraße“ sorgt für Zündstoff

Mit Spannung erwartet wird vor allem die Delegation aus China. Denn das Land will in Leipzig mit seinem umstrittenen Projekt „Neue Seidenstraße“ einen ganz eigenen Themenschwerpunkt setzen. Dazu wird am Donnerstag auch Chinas Verkehrsminister Li Xiaoping aus Peking anreisen.

Das birgt Zündstoff: Denn Deutschland gehört zusammen mit anderen großen EU-Ländern und den USA zu den Hauptkritikern des Projekts, mit dem China neue Handelswege und Verkehrsverbindungen nach Europa, Afrika und sogar nach Südamerika erschließen will. Sie befürchten eine zu starke chinesische Dominanz und eine wachsende Abhängigkeit der Transitländer von China.

Viele der Länder, die in Leipzig dabei sind, unterstützen dagegen das Projekt. Sie hoffen auf milliardenschwere Investitionen aus China in die eigene Infrastruktur. Die Mongolei, eigentlich gar nicht Mitglied des Weltverkehrforums, schickt sogar extra deswegen eine Delegation nach Leipzig. Der türkische Verkehrsminister Mehmet Cahit Turhan eröffnet am Mittwoch als Hauptredner eine Diskussionsrunde, in der es vor allem um die Chancen des Projekts geht. Titel: „Brücken schlagen für nachhaltiges Wachstum in Eurasien.“

35 Aussteller präsentieren sich im CCL

Bereits komplett ausgebucht ist die kleine Ausstellung im Congress-Center CCL, die es parallel zum Forum gibt: „Wir haben wieder 35 Aussteller, darunter acht Länder mit einem eigenen Stand“, berichtet Kloth. Auf dem Programm stehen daneben Dutzende Workshops und Diskussionsrunden zu Themen rund um Logistik und Verkehr. Auch Besuche bei BMW, Porsche und Amazon sind geplant – und eine Abendtour zum DHL-Hub am Flughafen in Schkeuditz.

Einen echten Hingucker gibt es schon zur Eröffnung auf dem Leipziger Hauptbahnhof: Der Klimazug „Noah’s Train“, der mit 400 Metern als längstes fahrbares Kunstwerk der Welt gilt, macht hier am Mittwoch ab 9 Uhr Station, um die anreisenden Teilnehmer des Weltverkehrsforums zu begrüßen. Der von Street-Art-Künstlern besprühte Güterzug war im Dezember auf der Weltklimakonferenz im polnischen Katowice gestartet und tourt seither durch Europa, um für mehr Klimaschutz zu werben.

Das Weltverkehrsforum findet seit 2008 jedes Jahr in Leipzig statt. Die Standortwahl ist nicht zuletzt dem damaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zu verdanken, der vor seiner Zeit in Berlin Oberbürgermeister in der Messestadt war. Der Vertrag mit der Messe wurde zuletzt 2017 verlängert. Er läuft noch bis 2020.

Von Frank Johannsen

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