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Wirtschaft Regional Chinesen fliegen auf Leipzig: Flughafen soll Europazentrum werden
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21:30 17.11.2017
Vertragsunterzeichnung zwischen dem Flughafen Leipzig/Halle und den künftigen chinesischen Partnern. Quelle: Matthias Rietschel
Wuhan

Es ist nichts Geringeres als ein Megadeal, der gestern im chinesischen Wuhan öffentlich gemacht wurde: Der Flughafen Leipzig/Halle hat mit der Provinz Hubei, die seit zehn Jahren die sächsische Partnerregion ist, und dem Frachtriesen SFExpress, der als chinesisches DHL gilt, eine Zusammenarbeit beschlossen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in der Provinzhauptstadt Wuhan unterzeichnet.
„Das ist ein erster, aber sehr wichtiger Schritt für uns“, erklärte Flughafenchef Johannes Jähn. Denn die Vereinbarung besagt auch, dass Leipzig/Halle künftig der präferierte Frachtflughafen für chinesische Fracht sein wird. Deshalb ist die Perspektive durchaus mit der Ansiedlung von DHL vergleichbar. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sieht deshalb einen „Durchbruch in der Logistik“ und sagt beiden Seiten eine „große Zukunft“ voraus. Es sei die „Verbindung zwischen zwei großartigen Logistikanbietern“, der auch gegenseitige Investitionen folgen sollen, sagte Tillich der LVZ.

In den kommenden drei Jahren soll in Ezhou, das etwa 70 Kilometer östlich der Sechs-Millionen-Metropole Wuhan liegt, auf Beschluss der Pekinger Regierung der zentrale Frachtflughafen für China entstehen. Momentan laufen die Planungen dafür auf Hochtouren – und die Leipziger sind ab sofort mit dabei. Die Sachsen betreuen zunächst die Projektierung des Neubaus auf der grünen Wiese mit. „Wir werden die Provinz Hubei unterstützen, den neuen Flughafen zu entwerfen und zu bauen. Durch Leipzig/Halle haben wir optimale Erfahrungen, wie ein Expressfracht-Flughafen aufgebaut sein muss. Man ist in China sehr interessiert, daran zu partizipieren“, erklärte Johannes Jähn.

Leipzig/Halle künftiges Europazentrum

Die chinesische Regierung will den neuen Flughafen im Jahr 2020 in Betrieb nehmen – und dann soll abermals die große Stunde für die Sachsen schlagen, die sich in den Vorverhandlungen gegen Amsterdam und Krakau durchgesetzt haben. „Wir haben sehr mit unserer guten, zentralen Lage in Europa gewuchert“, gab Jähn in Wuhan einen kleinen Einblick in die monatelangen Verhandlungen. „SFExpress ist gerade auf dem Sprung nach Europa. Sollten sie das mit dem Flughafen Leipzig/Halle machen, ist das ein ungemein großer Gewinn für die gesamte Region in Mitteldeutschland“, ist der Flughafenchef „überzeugt“, dass der ersten Vereinbarung noch weitere folgen werden. „Die chinesische Regierung wird dafür sorgen, dass die Warenströme über diesen Flughafen abgewickelt werden.“ Damit verbunden wären hunderte neue Arbeitsplätze.

Konkret heißt das: Der Frachtriese SFExpress, der bislang als größter Expressdienstleister nur auf dem chinesischen Markt aktiv ist, plant, sein künftiges Europazentrum in Leipzig/Halle anzusiedeln. Die Aufstockung der Flotte von 30 auf zunächst etwa 50 Maschinen ist bereits beschlossene Sache. Momentan transportiert der größte chinesische Frachtflieger laut Jähn mehrere hunderttausend Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: Der hiesige Flughafen wird es vor allem dank DHL in diesem Jahr auf etwa 1,1 Millionen Tonnen bringen. Deshalb rechnet DHL bereits mit 50 bis 70 Prozent mehr Fracht, die ab Anfang der 2020er-Jahre in Schkeuditz bewegt werden.

Momentan liegt der Flughafen Leipzig/Halle beim Frachtaufkommen in Europa auf Platz fünf. „Wir sind aber der am schnellsten wachsende Frachtflughafen“, macht Jähn klar, „mit SFExpress gibt es das Potenzial, uns in die Top drei zu katapultieren.“ Die Chinesen wären nach DHL der zweite Großanbieter am Flughafen Leipzig/Halle. Für den Airportchef steht fest: „Wir haben noch weitere Kapazitäten, sodass wir dem wachsenden Bedarf gerecht werden können.“

Als Expressfracht gelten Pakete bis zu 32 Kilogramm – in diesem Bereich wächst das Frachtaufkommen derzeit gewaltig. Gerade für den Internethandel ist diese Paketgröße sehr gefragt. Deshalb sagt der Flughafenchef: „Der Expressdienst ist für den E-Commerce entscheidend.“ Nicht zuletzt entdecken immer mehr Chinesen deutsche Lebensmittel – etwa Wein und Delikatessen – und auch Luxusgüter wie Uhren für sich. Und diese Dinge werden häufig im Internet bestellt. „Die Flieger sollen nicht leer nach China zurückfliegen, denn es gibt ausreichend Ware, die in China gefragt ist und auch in kleineren Mengen aus Deutschland transportiert wird“, meint Jähn. Ab 2020 soll der Start dafür in Leipzig/Halle erfolgen.

Andreas Debski

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