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Wirtschaft Regional Comparex-Verkäufer macht Kasse: 420 Millionen Euro für Leipziger IT-Firma
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18:38 17.10.2019
Vor der einstigen Comparex-Zentrale in Leipzig wehen seit Frühjahr die Fahnen von Software One, der neuen Konzernmutter. Quelle: Software One
Leipzig

Bei der Nachricht dürften bei der früheren Comparex-Mutter Raiffeisen Informatik in Wien die Sektkorken geknallt haben: Der geplante Börsengang von Software One in der Schweiz löste einen wahren Run auf die neue Aktie aus. „Schon nach drei Stunden waren die Bücher überzeichnet“, sagte einer der damit betrauten Banker. Es gab mehr Interessenten für die Papiere als davon überhaupt angeboten werden.

Profitieren werden davon vor allem die Österreicher von Raiffeisen Informatik. Denn die hatten erst im Frühjahr den Leipziger IT-Dienstleister Comparex an Software One verkauft– und waren vor allem mit Aktien bezahlt worden. Die sind jetzt plötzlich viel mehr wert, als damals veranschlagt. Den Österreichern winkt ein stattlicher Zusatzgewinn. Gut 420 Millionen Euro könnten sie am Ende für die Leipziger Firma einstreichen. Den Einsatz, den die Österreicher ab 2009 für die Firma auf den Tisch gelegt hatten, könnten sie am Ende fast verdreifachen.

Börsengang bringt 100 Millionen Euro zusätzlich

Dabei war schon der vereinbarte Kaufpreis stattlich, wie die LVZ jetzt aus Unternehmenskreisen erfuhr: 320 Millionen Euro. Das war schon mehr als doppelt so viel, wie die Österreicher einst selbst für die Firma bezahlt hatten. Doch nur ein kleiner Teil des Erlöses – 80 Millionen Euro – floss in bar, den Löwenanteil von 240 Millionen Euro bezahlten die Schweizer in eigenen Aktien. Die entpuppen sich jetzt als Glückstreffer: An der Börse könnten sie gut 100 Millionen Euro mehr einbringen als damals angepeilt.

„Der geplante Börsengang ist ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung von Software One“, sagte Software-One-Verwaltungsratschef Daniel von Stockar, der die Firma einst zusammen mit zwei Mitstreitern gegründet hatte. Allerdings: In der Konzernkasse landet von den 845 Millionen Euro, die der Börsengang einbringen soll, nichts. Die Aktien, die in einer Woche an die Züricher Börse kommen, stammen alle von den bisherigen Aktionären, die nun Kasse machen – allen voran Raiffeisen Informatik.

Österreicher werfen 10 Millionen Aktien auf den Markt

Fast die Hälfte ihrer Anteilsscheine, 10,3 Millionen Stück, wollen die Österreicher nach LVZ-Informationen dann auf den Markt werfen. Das ist gut ein Viertel aller Papiere, die insgesamt an die Börse kommen, der Rest stammt vom Finanzinvestor KKR, der sich von knapp einem Drittel seiner 21 Prozent trennt, und den Firmengründern, die ein Fünftel ihrer 38 Prozent abgeben.

Dank der hohen Nachfrage dürften sie die Aktien auch komplett loswerden. Und der Ausgabepreis, der erst unmittelbar vor Börsenstart festgelegt wird, dürfte am oberen Ende der angepeilten Spanne von 16,50 bis 21 Schweizer Franken liegen. Das ist deutlich mehr als beim Comparex-Verkauf veranschlagt. Damals war nur mit 14,80 Franken kalkuliert worden.

Bis zu 196 Millionen Euro könnte nun allein der Börsengang in die Kasse der Raiffeisen Informatik spülen. Und auch danach sind die Österreicher weiter mit 7,6 Prozent an Software One beteiligt. Marktwert: weitere 145 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach war das von Anfang an so geplant: Raiffeisen Informatik habe immer auf den damals noch gar nicht offiziell angekündigten Börsengang und steigende Preise spekuliert – und für Comparex daher dankend Aktien statt Bargeld genommen, hieß es.

Einsatz innerhalb von 10 Jahren fast verdreifacht

Bezahlt hatten die Österreicher einst deutlich weniger für die Leipziger Firma: Rund 100 Millionen investierten sie nach LVZ-Informationen 2009 für den Einstieg in Leipzig, übernahmen zunächst gut 70 Prozent. Ein Jahr später drängten die neuen Herren dann Firmengründer Knut Löschke aus dem Unternehmen und übernahmen auch seine 16 Prozent.

2011 wurden dann auch alle anderen Aktionäre abgefunden. Rund 150 Millionen Euro dürfte das insgesamt gekostet haben. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Einsatz nun fast verdreifacht. Die Leipziger Firma, die einst selbst ein Börsenstar war, ist jetzt aber nur noch eine Außenstelle der Schweizer Software One, der Name Comparex verschwand.

Gegründet 1990 als PC-Ware

Die Firma war 1990 von dem Leipziger Chemiker Knut Löschke unter dem Namen PC-Ware gegründet worden und nach dem Börsengang im Jahr 2000 dann sogar zeitweise zum Star am Neuen Markt aufgestiegen. 2009 holte Löschke dann die Raiffeisen Informatik aus Österreich als Geldgeber an Bord – und wurde von den neuen Herrenaus dem eigenen Unternehmen gedrängt.

Die Österreicher tauschten das Management aus, nahmen PC-Ware von der Börse – und änderten 2011 schließlich den Namenin Comparex. Im Frühjahr 2019 verschwand auch dieser Name. An der einstigen Konzernzentrale im Norden Leipzig wehen seither die Fahnen von Software One.

Bei Software One sollen aber auch nach dem Börsengang die einstigen Gründer das Sagen behalten: Sie wollen weiter knapp 31 Prozent am Unternehmen halten. Auch der Finanzinvestor KKR, der im August 2015 eingestiegen war, will mit 15 Prozent an Bord bleiben.

Von Frank Johannsen

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