Das hat Amazon am Leipziger Flughafen vor
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17:10 12.02.2020
Die Amazon-Halle soll 20.000 Quadratmeter groß werden und direkt auf der grünen Wiese neben dem bestehenden World Cargo Center (im Bild rechts unten) gebaut werden.
Die Amazon-Halle soll 20.000 Quadratmeter groß werden und direkt auf der grünen Wiese neben dem bestehenden World Cargo Center (im Bild rechts unten) gebaut werden. Quelle: Uwe Schoßig, Flughafen Leipzig/Halle
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Schkeuditz

Der Versandriese Amazon baut sein Engagement am Flughafen Leipzig/Halle massiv aus: Am Südrand des Vorfelds soll jetzt erstmals eine eigene Frachthalle für den Versandriesen entstehen, kündigte der Flughafen Leipzig/Halle am Mittwoch an. Die Halle soll 20.000 Quadratmeter groß und direkt neben dem bestehenden World Cargo Center gebaut werden. 200 Jobs entstehen neu.

„Die vorbereitenden Erdarbeiten sollen in den kommenden Tagen starten, die Bauarbeiten nach Vorliegen der behördlichen Genehmigungen“, hieß es in der kurzen Mitteilung des Flughafens. Noch in diesem Jahr soll der Ausbau abgeschlossen werden. Durch die neue Halle sollen die Abläufe beim Verladen von Sendungen des Versandriesen verbessert werden. Weitere Details nannte der Airport zunächst nicht.

Amazon baut Riesenhalle in Eigenregie

Ein Amazon-Sprecher bestätigte die Pläne. Zur Höhe der Investition wollte er keine Angaben machen. Beobachter gehen von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Bauen will Amazon selbst, das Grundstück wurde dem Versandriesen dem Vernehmen nach vom Airport verpachtet.

Bei anderen Bauprojekten für DHL und Volga-Dnepr, die derzeit laufen, baut dagegen der Flughafen die Gebäude – und verpachtet sie dann anschließend an die Nutzer. Beim geplanten Flugzeugwerk für die Dornier 328 wurde dagegen bereits wie jetzt bei Amazon verfahren: Der Flughafen verpachtet das Grundstück, den Bau übernimmt dann der Investor DRA selbst.

„Amazon investiert und forscht weiter, um Kunden ein größeres Angebot und flexiblere Lieferoptionen zu einem besseren Preis anzubieten“, erklärte der Sprecher gegenüber der LVZ. „Wir freuen uns, dass wir die Abläufe am Flughafen Leipzig/Halle verbessern können, damit wir noch mehr Kunden in Deutschland und Europa begeistern.“

Maschinen werden bisher bei Portground beladen

Mit 20.000 Quadratmetern wird die Amazon-Halle halb so groß wie die ursprüngliche Sortierhalle von DHL – und genauso groß wie das World Cargo Center direkt nebenan, in dem die Flughafen-Tochter Portground bisher die Maschinen für Amazon be- und entlädt. Diese Arbeiten will Amazon künftig selbst übernehmen. Ob dann auch die Zahl der pro Tag abgefertigten Flugzeuge steigt, ließ Amazon zunächst offen.

Amazon nutzt den Flughafen bereits seit einem Jahr auch für Frachtflüge. Bisher werden diese aber nicht von Amazon selbst, sondern von der Airport-Tochter Portground be- und entladen. Seit September werden vier Maschinen pro Tag abgefertigt, zuvor waren es schon drei am Tag.

Amazon fliegt mit DHL

Zu sehen ist davon in Schkeuditz aber nichts: Denn anders als in den USA, hat Amazon hier keine eigenen Maschinen am Start. Stattdessen nutzt der Versandriese die ohnehin hier stationierten Maschinen der DHL-Tochter European Air Transport. Denn die wurden von DHL tagsüber bisher kaum genutzt. Das hat sich nun geändert: Tagsüber fliegen sie jetzt für Amazon Waren quer durch Europa, nachts sind sie dann wie gehabt für DHL im Einsatz.

Amazon hatte ab 2015 zunächst in den USA unter dem Namen Amazon Prime Air eine eigene Frachtairline aufgebaut, die dort inzwischen mehr als 30 Flugzeuge am Start hat. Neben der Aufschrift „Prime Air“ an der Seite tragen die blau-weiß lackierten Maschinen unten am Rumpf auch den Amazon-Schriftzug. Zentraler Hub ist in Cincinnati.

Vor einem Jahr wagte Amazon Prime Air dann auch den Sprung nach Deutschland. Wichtigstes Drehkreuz ist neben Leipzig/Halle der Flughafen Köln/Bonn. Auch dort hat Amazon keine eigenen Flieger am Start: Genutzt werden vor allem Frachter des irischen Anbieters ASL Aviation. Anders als in Leipzig/Halle wird dort nun aber nicht gebaut. Damit könnte Leipzig zum zentralen Hub des Versandriesen in Deutschland werden.

Zweiter Nutzer mit eigener Sortierhalle

Mit dem nun geplanten Neubau in Schkeuditz ist Amazon nach DHL der zweite Nutzer am Airport, der eine eigene Frachthalle errichtet. Alle anderen Airlines nutzen zum Be- und Entladen ihrer Frachtflieger die Dienste von Portground – wie bisher auch Amazon. DHL war dagegen schon 2009 mit einer 40.000 Quadratmeter großen Sortierhalle an den Start gegangen. 2016 wurde sie dann durch einen Anbau auf 87.000 Quadratmeter erweitert.

Amazon betreibt in Leipzig auch ein Versandzentrum mit derzeit 1500 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr hatte Amazon hier 500 Jobs abgebaut. Im Vergleich zu dem Standort im Norden der Messestadt fällt die Halle am Airport nun aber bescheiden aus: Das Versandzentrum misst 75.000 Quadratmeter – fast viermal so viel, wie die nun geplante Frachthalle.

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Von Frank Johannsen