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Wirtschaft Regional Das sind die Pläne des neuen EnviaM-Chefs Stephan Lowis
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07:57 12.09.2019
Stephan Lowis (50) ist seit einem Jahr Firmenchef von EnviaM. Quelle: André Kempner
Leipzig

Neue Besen kehren gut. Ob dieses Sprichwort auch auf Stephan Lowis zutrifft, muss sich noch erweisen. Schließlist ist der 50-Jährige erst seit einem Jahr als Nachfolger des in die saarländische Stahlindustrie abgewanderten Tim Hartmann (50) Chef des ostdeutschen Energieversorgers EnviaM. Doch die Anfänge machen deutlich, dass zumindest hier und da ein anderer Wind weht.

So will Lowis, der nach eigener Einschätzung das „Herz auf der Zunge trägt“, wie es für gebürtige Rheinländer wie ihn typisch sei, „ein Stück weit weg“ von der in großen Unternehmen (EnviaM beschäftigt 3350 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 3,13 Milliarden Euro) üblichen Hierarchie. „Das hätte ich nicht gedacht, dass Sie kommen“, sagte einer der Beschäftigten zu ihm, der säumige Stromkunden aufsucht und sie dazu bewegen soll, ihre rückständigen Zahlungen zu leisten. Einen Tag lang begleitete Lowis seinen Kollegen, machte sich bei einer Pizza zum Mittagessen mit dessen Sorgen und Nöten vertraut. 

Mehr Zeit für die Beschäftigten

Weitere Neuerung: Einmal im Monat nimmt sich der Vorstand in seiner turnusmäßigen Sitzung eine Stunde Zeit für seine Beschäftigten. Sie müssen sich lediglich anmelden und können ihr Anliegen dann direkt vortragen. „In einem Fall“, berichtet der neue Vorstandschef bei einem Besuch in der LVZ-Redaktion, haben wir gleich 50.000 Euro für ein IT-Projekt bewilligt.“ Geld, das für die Einrichtung eines Internet-Portals verwendet wird, mit dem auf einen Klick ermittelt werden kann, ob der Kunde beispielsweise den gewünschten Gasanschluss bekommen kann oder nicht. „Jetzt müssen wir das noch intern vernetzen“, berichtet Lowis, der im August mit Frau, Tochter und Hund nach Leipzig gezogen ist. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt der promovierte Volkswirt. Die Menschen seien offen und freundlich, „die Seenlandschaft ist toll“.

„Der Vorstand ist nicht allwissend“, sagt der Hobby-Läufer. Deshalb sei es wichtig, die Mitarbeiter mit einzubeziehen. Etwa über ein neues Intranet, in dem nicht nur Firmenspitze und Kommunikationsabteilung Beiträge posten, sondern eben auch die Beschäftigten das tun können. Gelebt werden soll auch eine Philosophie, indem das Scheitern von Projekten zugelassen wird, weil das andernfalls Kreativität und Ideen ausbremst. Ärger bekommt laut Lowis nur derjenige, der wider besseres Wissen an einem Vorhaben auch dann noch festhält, wenn der Misserfolg bereits feststeht. „Es ist unwirtschaftlich, Zeit und Geld zu verbrennen.“

Lowis, der zuvor Finanzchef im Segment Netz und Infrastruktur der EnviaM-Mutter Innogy war, macht zudem Dampf bei der Digitalisierung. „Das ist keine Frage der Technik, sondern zu allererst eine der Haltung.“ Das gesamte Unternehmen müsse dieses erkennen und an einem Strang ziehen. „Sonst werden wir gnadenlos scheitern.“ Die Digitalisierung müsse von den Mitarbeitern kommen, Ideen könnten nicht nur am Vorstandstisch entwickelt werden. Die Digitalisierung sei jedenfalls eine große Chance, den führenden ostdeutschen Energiedienstleister, der
1,3 Millionen Kunden mit Strom, Gas- Wärme und Dienstleistungen versorgt, noch effizienter zu gestalten. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen 250 Millionen Euro in die Digitalisierung der Energieversorgung stecken.

„Wir arbeiten auch an einem Happy-Hour-Tarif“

Im Netzgeschäft werde zukünftig vieles automatisch laufen, auch auf die Abnehmer kämen Neuerungen zu. Bereits auf dem Markt ist eine moderne Messeinrichtung. Damit wird der Zählerstand des Kunden per Funk übermittelt. Möglich ist es auch, den Stromzähler mit einer Empfangsbox und einer App aufzurüsten. Damit ist der Energieverbrauch sofort am Smartphone ablesbar.

„Wir arbeiten auch an einem Happy-Hour-Tarif“, sagt Lowis. Das bedeutet, dass in Zeiten geringer Nachfrage der Strom günstiger wird. Dann werde es etwa möglich sein, das Elektroauto abends per Ladekabel ans Netz anzuhängen mit der Maßgabe, die Batterie müsse am nächsten Morgen um sieben Uhr voll aufgeladen sein. Wann das genau geschieht, steuert dann der EnviaM-Computer, ganz nach aktueller Auslastung der Netze. 

Passend dazu hat Lowis die Ergebnisse einer von seinem Unternehmen in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage mitgebracht. Danach weckt bei 47 Prozent der Ostdeutschen die Digitalisierung Spaß, 37 Prozent macht sie Freude, lediglich 12 Prozent Angst. 57 Prozent glauben, dass die Digitalisierung das Leben informierter mache, 48 Prozent erwarten dadurch mehr Effizienz. 20 Prozent befürchten allerdings fremdbestimmter zu sein. Bei der Neuanschaffung von Geräten ist allerdings nur für ein Drittel die Onlinefähigkeit wichtig, die Vernetzung spielt eine noch untergeordnete Rolle. Über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung debattiert EnviaM auf einem Energiekonvent am 23. September im Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Auch wenn Veränderungen bei EnviaM mit dem neuen Primus anstehen – das bezieht sich nicht auf alle Bereiche. „Die Gas-Tarife bleiben stabil“, kündigt der Unternehmenschef Lowis an. Wie es beim Strom aussehe, könne er noch nicht sagen. „Da müssen wir erst wissen, wie sich die Umlagen und Abgaben entwickeln.“

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