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Wirtschaft Regional Demografie, Wirtschaft, Infrastruktur: Diese sächsischen Regionen sind gefährdet
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17:21 08.08.2019
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht bei den Themen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur bei 19 Regionen in Deutschland zum Teil hohen Handlungsbedarf. Auch in einigen Teilen des Ostens sieht es wenig rosig aus. (Symbolbild) Quelle: Jens Büttner/zb/dpa
Berlin/Leipzig

Welche Regionen Ostdeutschlands drohen abgehängt zu werden? Laut einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sieht es unter anderem im Osten von Sachsen und im südlichen Sachsen-Anhalt wenig rosig aus. Besonders betrifft das die Entwicklung der Bevölkerung. Das Institut hat insgesamt 96 deutsche Regionen hinsichtlich der Faktoren Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur untersucht.

Gut schneiden dabei – sowohl im Osten als auch im Westen – vor allem die Metropolen ab. Gerade in Hinblick auf die Überalterung sieht es hingegen in einigen Landstrichen schlecht aus: In Oberlausitz-Niederschlesien, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald sowie Ost- und Südthüringen sei das Durchschnittsalter der Einwohner in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen, so die Macher der Studie.

Handlungsbedarf in Südsachsen und der Lausitz

Über die Gesamtheit der drei Faktoren hinweg sieht das IW Handlungsbedarf für 19 Regionen – darunter in Sachsen die Gegend um Chemnitz, das Vogtland und die Oberlausitz. „Wir sehe dort akuten Handlungsbedarf“, sagte IW-Chef Michael Hüther am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

In Thüringen sind gleich drei von vier Regionen gefährdet darunter auch Ost-Thüringen mit dem Altenburger Land. In Sachsen-Anhalt sei das Risiko in allen Teilen des Bundeslandes mittel- oder sehr hoch, auch in den Halle und Magdeburg. Besonders schlecht steht es um die Altmark und die Region um Bitterfeld und Wittenberg. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es je eine gefährdete Region. Damit sind 11 der 19 gefährdeten Regionen im osten, darunter allein 9 in Mitteldeutschland. Nur die Großräume Leipzig, Dresden und Erfurt müssen sich laut IW-Einschätzung keine Sorgen machen.

Für die Studie untersuchte das Kölner Institut, wie die von ihr zuvor definierten Regionen in Deutschland in verschiedenen Bereichen abschneiden. Dafür bewertete es die Gebiete nach insgesamt zwölf messbaren Indikatoren wie etwa die Arbeitslosenquote, Kaufkraft, Durchschnittsalter der Bevölkerung, Geburtenrate, Verschuldung oder Breitbandversorgung.

Positive Entwicklung im Osten

Dabei kommt das IW auch zu dem Schluss, dass sich die Entwicklung in einigen Bereichen Ostdeutschlands umkehre. Mehr Menschen kehren zurück anstatt wegzuziehen – vor allem Rentner, aber auch junge Familien. „Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist gestoppt“, sagte Co-Autor Jens Südekum. Grund seien etwa die angespannte Wohnsituation in den Großstädten oder die bessere Versorgung mit Kita-Plätzen.

„Wir haben gerade eine ersten Nettozuwanderungssaldo für die neuen Länder“, sagte auch IWH-Chef Hüther. „Allerdings auf kleinem Nieveau. Das ist ein langer weg.“ Jetzt komme es darauf an, auch die passenden Arbeitsplätze für Rückkehrwillige zu schaffen.

Ruhrgebiet ist Sorgenkind im Westen

Auch in einigen westdeutschen Regionen sieht die Studie dringenden Handlungsbedarf. Vor allem wirtschaftlich stehen beispielsweise Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven schlecht da. Hinzu kämen dort anders als im Osten eine hohe Verschuldung vieler Kommunen. „Das ist das eigentlich überraschende“, so Hüther. „Wirtschaftlich liegt der Westen hinten.“ Wenn man nur auf Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Einkommen und Kaufkraft schaue, seien die Sorgenkinder eher im Westen zu finden, vor allem im Ruhrgebiet.

Allerdings gebe es dort weniger Probleme mit dem Bevölkerungsschwund. „Die neuen Länder werden geplagt von der demografischen Entwicklung.“ Bevölkerungsschwund und die Überalterungs der Gesellschaft würden zunehmend zum Bremsklotz. Hinzu komme im Osten die oft schlechte Versorgung mit schnellem Internet. Und das gelte nicht nur für abgelegene Regionen, sondern auch für die Großräume Halle und Magdeburg.

Das macht Sachsen-Anhalt am Ende zusammen mit Nordrhein-Westfalen zu den großen Sorgenkindern. „Besonders gefährdet erscheint uns die Entwicklung in den ländlichen sachsen-anhaltinischen Regionen sowie in den städtische geprägten Ruhrgebietsregionen“, sagte Hüther.

Diskussion um sterbende Landstriche

Von der Idee des Chefs des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Reint Gropp, abgehängte Landstriche im Osten künftig nicht mehr zu fördern, hält Hüther aber gar nichts. „Regionen haben immer auch ihre Potenziale. Ich halte es für fatal, Regionen aufzugeben und quasi abzuschließen.“

Im Gegenteil: Gerade in den bedrohten Regionen müsse mehr Geld in die Infrastruktur gesteckt werden. Um der Altmark zu helfen, sollte zum Beispiel die Autobahn 14 endlich zu Ende gebaut werden, fordert der IW-Chef. „Wenn man die mal bis Schwerinn durchbauen würde, dann würde das auch in der Region Impulse setzen.“

Von der Idee Gropps, auf Autobahnprojekte in struckurschwachen Region zu verzichten und stattdessen die überlasteten Großstädte auszubauen, hält er daher gar nichts. „Das Gegenteil ist nötig: Nicht Autobahnabfahrten schließen sondern Autobahnabfahrten neu eröffnen.“

Vor einer Woche IWH-Chef Gropp mit seiner Forderung bereits die Gemüter erregt. Er hatte in einem Interview dafür plädiert, abgehängte Landstriche abgehängt zu lassen. Deutschland solle sich „vom Dogma gleichwertiger Lebensverhältnisse verabschieden“, hieß es.Einige Regionen im Osten würden sterben.

Von Josephine Heinze und Frank Johannsen

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