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Wirtschaft Regional Empörung in Leipzig: Siemens will Produktion nach Duisburg verlagern
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Empörung in Leipzig: Siemens will Produktion nach Duisburg verlagern
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00:21 14.12.2017
Protest bei Siemens in Leipzig
Protest bei Siemens in Leipzig Quelle: dpa
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Leipzig,


In Leipzig hoffen die 270 Mitarbeiter in dem vor der Schließung stehenden Turboverdichterwerk in Plagwitz, dass es am Mittwoch etwas Konkretes zu hören gibt: Dann kommt der Chef der Kraftwerkssparte, Willi Meixner (53), nach Leipzig, um zu den Mitarbeitern zu sprechen. „Wir wollen endlich wissen, was Siemens vorhat, was die Ziele dahinter sind“, sagte Betriebsratschef Thomas Clauß (39). Bisher habe Siemens nur erklärt, dass das Werk in Leipzig schließen soll. „Wir haben noch nicht einmal einen Zeitplan.“

Für Unmut sorgt in Leipzig, dass die Produktion offenbar nach Duisburg verlagert werden soll, um dort die Auslastung zu verbessern. Denn während das Leipziger Werk bis Ende 2018 voll ausgelastet ist, gibt es in Duisburg Probleme. „Siemens ist stark an dem Know-how, an den Maschinen, an unseren Produkten interessiert“, sagte Clauß. „An den Mitarbeitern aber offensichtlich nicht mehr.“

Dabei, so glaubt Clauß, würde eine Verlagerung dem Werk in Duisburg kaum helfen. „Das wäre dort doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Denn das dortige Werk ist mit gut 1900 Mitarbeitern sieben Mal so groß wie das in Plagwitz. Und nach NRW verlagern wolle Siemens die Produktion ohnehin nur teilweise. „Man will die Gelegenheit auch nutzen und Teile der Produktion nach Indien und China verlagern.“

In Duisburg werden wie in Leipzig Verdichter gebaut – wobei Duisburg eher die großen Maschinen produziert, während Leipzig eher kleinere Geräte herstellt. „Das ist eine Größenordnung, die für Duisburg eigentlich nicht interessant ist“, so Clauß. Und mit Kraftwerken habe das auch wenig zu tun. Das mache in Leipzig nur einen kleinen Teil der Aufträge aus. „Diesen Teil könnten wir leicht kompensieren.“

Das wolle man am Mittwoch auch beim Treffen mit Meixner zum Thema machen. „Wir werden ihn fragen, ob das sein Ernst ist, die Probleme in Duisburg zu lösen, indem er Leipzig schließt.“

Meixner wird am Vormittag zunächst das Generatorenwerk in Erfurt besuchen, das vor dem Verkauf steht. Anschließend kommt er nach Leipzig, wo er um 14 Uhr in der ehemaligen Kantine vor die Belegschaft treten will. Das ebenfalls vor der Schließung stehende Werk in Görlitz hatte er bereits vor zwei Wochen besucht.

Von Frank Johannsen