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Wirtschaft Regional Experten schlagen Alarm: Fachkräfte in Sachsen werden knapp
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22:45 17.09.2017
Der Fachkräftemangel spitzt sich in Sachsen weiter zu. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Sachsen und Thüringen stehen vor einem erheb­lichen Fachkräftemangel. Laut Dresdner Wirtschaftsministerium werden 2025 rund 465.000 Erwerbstätige fehlen. Von einem „zusätzlichen Fachkräftebedarf” in Höhe von 280.000 Menschen spricht in Erfurt Hartmut Koch, Präsident des Verbandes der Wirtschaft Thüringens. Er erklärt, dass die Anzahl der unbesetzten Stellen „ständig steigt”. Aktuell sind es rund 25.000. Sachsen kommt auf 38. 000 freie Jobs.

Oliver Heinrich, Chef des Landesbezirks Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, berichtet, dass der Fachkräftemangel in den neuen Ländern deutlich spürbar sei. „Der Kampf um die besten Köpfe wird immer schwieriger.” Auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) registriert, dass die Besetzung freier Stellen immer schwieriger wird.

Falsche Weichenstellung?

Das liege am demografischen Wandel und an „falschen politischen Weichenstellungen wie der Rente mit 63, von der Sachsen besonders betroffen ist“, wie eine Sprecherin erklärt. „Es gibt Fachkräfteengpässe in bestimmten Berufen und Regionen.” Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Arbeitsagenturen, bestätigt diese Unterschiede. Mehr als 200.000 Menschen pendelten wegen der Arbeit aus dem Freistaat in den Westen oder seien arbeitslos.

Die Bundesagentur für Arbeit kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Ergebnis, dass ein deutschlandweit flächendeckender Fachkräftemangel etwa bei Ingenieuren, Spezialisten im Hoch- und Tiefbau, in der Gesundheitsbranche und Krankenpflege sowie bei Softwareexperten erkennbar sei. Sachsens oberster Arbeitsvermittler räumt ein, „in ausgewählten Berufen” sei zu spüren, dass es kaum noch Experten gebe. Dazu gehörten Altenpfleger, Elektriker und Mechatroniker. In Thüringen fehlt es laut Arbeitsagentur auch an Fachkräften in der Metallverarbeitung und bei Fein- und Werkzeugtechnikern.

Ausbildung und Arbeitsmarkt besser verzahnen

Um eine Verschärfung der Situation zu verhindern, „ist der Ausbildungsmarkt noch stärker mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zu verzahnen”, verlangt die VSW. Darüber hinaus müsse aber auch die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte möglich sein. „Klar ist, dass wir in Thüringen Zuwanderung brauchen, die Firmen sind offen dafür”, betont auch Koch. Das funktioniere aber nur „im Rahmen einer gesteuerten Zuwanderung mit entsprechend strikten Regeln”, heißt es bei der VSW. „Unsere Antwort lautet Bildung”, sagt Hansen. Sachsens Arbeitsagenturen stellten in diesem Jahr für berufliche Qualifizierung über 100 Millionen Euro zur Verfügung. Allein bis zum Jahresende könnten noch über zehn Millionen Euro in die Bildung investiert werden.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) spricht sich für höhere Löhne in Ostdeutschland aus. So könnten Fachkräfte gebunden werden, meint Volkswirtschaftsprofessor Steffen Müller. „Da stehen wir im harten Konkurrenzkampf mit den alten Bundesländern und der dort höheren Vergütung”, gibt Koch zu bedenken. „Große Konzerne, die wir nun mal nicht haben, zahlen gut 30 Prozent mehr als kleine und mittlere Firmen.“

Ulrich Milde

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