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Wirtschaft Regional Flughafen-Vorstand Johannes Jähn muss gehen – Ahmelmann jetzt Allein-Chef
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20:45 05.06.2019
Verlässt die Leipziger Airport-Führung: Johannes Jähn. Quelle: Ulrich Milde
Schkeuditz

Schon wieder ein Wechsel an der Spitze des Flughafens Leipzig/Halle: Johannes Jähn, der zuletzt nur noch für das operative Geschäfts am Schkeuditzer Airport zuständig war, verlässt das Unternehmen vorzeitig. „Der Aufsichtsrat des Unternehmens und Jähn haben sich einvernehmlich darauf verständigt, die Bestellung Jähns zum Geschäftsführer vor Ende der Vertragslaufzeit zu widerrufen“, teilte die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) am Mittwoch überraschend mit. Eigentlich wäre sein Vertrag noch bis September 2020 gelaufen.

„Ich freue mich nach sehr interessanten und erfahrungsreichen Jahren auf eine neue berufliche Herausforderung“, wurde Jähn in der Mitteilung des Flughafens zitiert. Ganz so einvernehmlich war die Trennung aber offenbar nicht. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung soll sich vor allem Aufsichtsratschef Erich Staake, im Hauptberuf Chef des Duisburger Hafens, unzufrieden mit Jähn gezeigt haben. Er habe die in ihn gesetzten Erwartung nicht erfüllt, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Staake hatte Manager 2015 von Obi geholt

Dabei war es Staake selbst, der den gebürtigen Hallenser 2015 von der Baumarktkette Obi an den Flughafen geholt hatte. Jähn sollte hier vor allem das boomende Frachtgeschäft, das dank DHL bereits boomte, weiter voranbringen – und auch neue Kunden an den Airport locken. Diese Hoffnungen habe Jähn dann aber nicht erfüllt, hieß es. Entsprechend enttäuscht sei vor allem sein einstiger Förderer Staake gewesen.

Schon bei Jähns Ernennung vor knapp vier Jahren hatte es Kritik gegeben: Er bringe keinerlei Erfahrung im Flughafengeschäft mit. Jähn selbst hatte damals dazu gesagt: „Zunächst einmal habe ich als Hobbypilot, der eine kleine Cessna fliegt, eine große Affinität zu Flughäfen. Hinzu kommt, dass die Luftfracht bei meinen vorherigen beruflichen Stationen in der Logistik wie etwa als Geschäftsführer der Obi-Logistiktochter eine wichtige Rolle gespielt hat.“ Dem Aufsichtsrat war das nach dreieinhalb Jahren offenbar zu wenig.

Jähn seit Dezember nur noch Nummer 2

Jähns Stern im Unternehmen war bereits seit Monaten am Sinken. Drei Jahre lang hatte er in Personalunion sowohl an der Spitze der Mitteldeutsche Flughafen AG, die die Airport Leipzig und Dresden betreibt, als auch des Flughafens Leipzig/Halle selbst gestanden. Doch im vergangenen Jahr musste er nacheinander beide Posten abgeben – an den neuen Chef Götz Ahmelmann, den die Airport-Holding von der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin geholt hatte.

Im Oktober übernahm Ahmelmann von Jähn zunächst den Chefposten in der Holding, im Dezember dann auch die Führung der beiden Flughäfen Leipzig und Dresden. Jähn stieg endgültig zur Nummer 2 hinter Ahmelmann ab. Er war seither nur von für den operativen Betrieb in Schkeuditz zuständig und musste dieselbe Funktion auch in Dresden übernehmen.

Flughafen trennt sich bereits von Kopp

Für den Airport ist es bereit der zweite prominente Abgang innerhalb weniger Monate: Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Airport-Holding von Jähns früherem Co-Chef Markus Kopp getrennt. Auch hier war der Aufsichtsrat unzufrieden mit dem von Kopp verantworteten Passagiergeschäft. Im September hatte das Gremium ihn zunächst entmachtet – und stattdessen Ahmelmann in den Vorstand geholt. Im Dezember wurde der Vertrag mit Kopp, der eigentlich noch bis April 2019 lief, vorzeitig aufgelöst.

Im Aufsichtsrat hatten damals vor alle die Vertreter des Freistaats Sachsen, mit 77 Prozent größter Gesellschafter der Airport-Holding, auf Kopps Ablösung gedrängt. Die Arbeitnehmervertreter in dem Kontrollorgan sollen dagegen bis zum Schluss für Kopp gekämpft haben. Am Ende gab es bei der Abstimmung ein Patt. Den Ausschlag gab dann Aufsichtsratschef Staake: Mit seinem doppelten Stimmrecht als Vorsitzender sorgte er dafür, dass Kopp durch Ahmelmann ersetzt wurde.

Von Frank Johannsen

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