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Wirtschaft Regional Gerry Weber schließt jeden vierten Laden: 22 Standorte in Mitteldeutschland bangen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Gerry Weber schließt jeden vierten Laden: 22 Standorte in Mitteldeutschland bangen
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15:21 08.04.2019
Jeder vierte der 450 Gerry-Weber-Stores in Deutschland soll schließen.
Jeder vierte der 450 Gerry-Weber-Stores in Deutschland soll schließen. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Halle (Westfalen)/Leipzig

Der schwer angeschlagene Modehersteller Gerry Weber will in Deutschland mehr als jede vierte Filiale schließen. Rund 120 der 450 Läden bundesweit sollen dicht machen. Wie viele der bisher 22 Geschäfte in Mitteldeutschland betroffen sind, wollte ein Sprecher am Montag auf LVZ-Anfrage nicht mitteilen.

„Zu einzelnen Standorten äußern wir uns noch nicht“, sagte er. „Wir wollen erst mit den Mitarbeitern und Vermietern reden.“ Das werde voraussichtlich bis Anfang Juni erfolgen. Intern stehe die Schließliste aber weitgehend, bestätigte der Sprecher. „Es kann da aber immer noch Veränderungen geben.“

22 Filialen in Mitteldeutschland

Beobachter gehen davon, dass auch ein Teil der Filialen in Mitteldeutschland auf der Schließliste stehen. Bisher betreibt Gerry Weber in der Region nach LVZ-Recherche 22 eigene Filialen: Zehn in Sachsen, sieben in Sachsen- Anhalt und fünf in Thüringen.

Allein drei Geschäfte gibt es in Leipzig (Hauptbahnhof, Grimmaische Straße und Paundorf Center) und je zwei in Dresden (Altmark Galerie, Kaufpark Dresden-Nickern), Chemnitz (Chemnitz Center, Vita Center) und Halle an der Saale (Halle Center Peißen und Leipziger Straße). Hinzu kommen Läden im Einkaufspark Nova Eventis in Günthersdorf sowie in Gera, Weißenfels, Riesa, Plauen, Bautzen, Dessau, Weimar, Quedlinburg, Magdeburg, Erfurt, Suhl und Nordhausen.

454 Jobs fallen weg

Der Modehersteller hatte am Freitagabend angekündigt, in Europa 180 Geschäfte zu schließen, davon 120 in Deutschland. Betroffen sind neben den Filialen der Marke Gerry Weber auch Geschäfte der Tochtermarken Samoon und Taifun. Nur die Kette Hallhuber soll von der Schließwelle verschont bleiben. Im Schnitt fallen in Deutschland in jeder betroffenen Filiale drei Arbeitsplätze weg, insgesamt 309. Weitere 145 Jobs sollen in der Zentrale in Halle in Westfalen gestrichen werden. Das sei Teil einer Eckpunkte.-Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern.

Mitarbeiter erhalten Abfindung

Die Maßnahmen würden „umgehend umgesetzt“. Bis Ende 2021 soll der Umbau abgeschlossen werden, heißt es. Die betroffenen Beschäftigten sollen über Sozialpläne Abfindungen erhalten, auch Transfergesellschaften sind im Gespräch. Zudem wird allen Mitarbeitern das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt – in diesem Jahr komplett, im kommenden dann teilweise. Ab 2022 sollen die dann noch verbliebenen Mitarbeiter dann wieder den vollen Tariflohn erhalten.

Der Vorstandschef des Mode-Konzerns sprach von „leider unverzichtbaren Sanierungsmaßnahmen“. „Wir sind zuversichtlich, dass wir Gerry Weber auf dieser Grundlage zurück in die Erfolgsspur führen können.“ Bis in das Jahr 2020 hinein sei die Finanzierung des Geschäftsbetriebs nun gesichert.

Die Mutterfirma Gerry Weber International hatte im Januar beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Stefan Meyer sieht die Firma nun „auf einem gutem Weg, um die angestrebten Sanierungsziele zu erreichen“.

Von Frank Johannsen