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Wirtschaft Regional Halberg-Guss: 700 Leipziger bangen um ihren Job
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00:54 29.04.2018
Einfahrt von Halberg-Guss in Leipzig. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Der Zulieferstreit zwischen VW und der Prevent-Gruppe spitzt sich zu. Jetzt ist auch die Neue Halberg-Guss mit seinen Werken in Leipzig und Saarbrücken betroffen. Seit Mittwoch stockt die Belieferung an den Hauptkunden VW. Die Mitarbeiter sind entsetzt – und setzten sich gegen die Entscheidung der eigene Konzernspitze zur Wehr

An beiden Gießerei-Standorten – in Saarbrücken und in Leipzig – kam es am Donnerstag zeitgleich zu Protesten. Pünktlich zum Schichtwechsel um 13.30 zogen die Mitarbeiter in beiden Städte zeitgleich vors Werkstor. Allein Leipzig versammelten sich 400 der 700 Mitarbeiter, blockierten zeitweise die Merseburger Straße direkt vorm Werk.

Lieferung an VW wurde zeitweise eingestellt

Am Mittwoch hatte der Betrieb die Lieferung von Motorblöcken, Zylinderköpfen und Kurbelwellen an den VW-Konzern zweiweise gestoppt. Das erfuhr die LVZ aus Belegschaftskreisen. Damit will die Prevent-Gruppe offenbar Druck auf den Abnehmer VW machen.

Prevent selbst sprach am Donnerstag aber nur von Lieferverzögerungen, nicht von einem kompletten Lieferstopp. „Bei der Neue Halberg Guss hat Volkswagen Rechnungen im Millionenbereich nicht pünktlich bezahlt“, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. „Es ist daher zu Lieferverzögerungen gekommen. Von einem Lieferstopp oder einer etwaigen Androhung durch die Neue Halberg-Guss kann keine Rede sein.“ Volkswagen werde „auf Basis pünktlicher Zahlungen“ beliefert.

Volkswagen wollte sich dazu nicht äußern. Eine Sprecherin sagte nur: „Wir haben gültige und ungekündigte Lieferverträge mit der Neuen Halberg-Guss.“

Verträge mit anderen Prevent-Töchtern gekündigt

Erst vor drei Wochen hatte VW die Lieferverträge mit allen anderen Prevent-Töchtern fristlos gekündigt. Betroffen waren drei Standorte in Mitteldeutschland: ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge, Cartrim im sächsischen Plauen und Foamtec im sachsen-anhaltischen Stendal. Halberg Guss war als einzige verschont geblieben. Nun, so fürchten die Mitarbeiter, nutze Prevent die Tochter zum Gegenschlag gegen VW.

„Möglicherweise ist das nur der Auftakt eines inszenierten Konflikts mit dem wichtigsten Kunden, um mit Gewalt deutlich höhere Preise durchzusetzen“, sagte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. „Solche Methoden sind inakzeptabel und Gift für unsere Standorte und Arbeitsplätze.“

Vorbild ist offenbar das Vorgehen vor anderthalb Jahren: Damals hatte Prevent die beiden sächsischen Töchter Cartrim und ES Automobilguss genutzt, um mit einem Lieferstopp bei VW die Produktion stillzulegen. Zunächst war VW damals eingelenkt. Doch jetzt zog VW die Konsequenzen – und trennte sich im März von beiden Zulieferern. Prevent kündigte daraufhin Kurzarbeit und Entlassungen an.

IG Metall bangt um Standort

Die IG Metall fürchtet nun, dass bei Halberg-Guss dasselbe geschehen könnte. „Die Belegschaft von ES-Guss in Schönheide zahlt jetzt die Zeche für die gleiche Zockerei der Eigentümer gegen VW 2016 und steht vor dem Aus“, sagte Kruppa. „Das darf sich bei Halberg-Guss nicht wiederholen. Wir werden uns mit aller Kraft dagegen wehren.“

Hinter Prevent steht die bosnische Familie Hastor. Erst im Januar war sie bei Halberg-Guss eingestiegen. Das habe selbst VW überrascht, hieß es. Denn bisher hatte Halberg-Guss stets als zuverlässiger Vertragspartner gegolten. Aus dem Leipziger Werk kam unter anderem der Motorblock für den Dieselmotor EA188, den Vorgänger des EA189, der dann als „Schummel-Diesel“ bekannt wurde.

Halberg-Guss war 2009 schon einmal in die Insolvenz gerutscht, danach als Neue Halberg-Guss an einen Finanzinvestor aus den Niederlanden verkauft worden. Der zog sich 2017 zurück – und machte den Weg frei für die Familie Hastor und deren Prevent-Gruppe.

Von Frank Johannsen

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