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Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Immobilienpreise in der Region Leipzig/Halle ziehen an
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19:24 11.12.2017
Fürs eigene Häuschen in guter Lage müssen Bauherren in und um Leipzig immer tiefer in die Tasche greifen.
Fürs eigene Häuschen in guter Lage müssen Bauherren in und um Leipzig immer tiefer in die Tasche greifen. Quelle: Foto: dpa
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Leipzig

„Der Bedarf an Wohnraum steigt recht dynamisch“, nennt Matthias Woldt eines der Ergebnisse des am Montag von der Hypovereinsbank in Leipzig vorgestellten Wohnimmobilien-Berichtes für Leipzig/Halle. Der Marktteamleiter Finanzierung Sachsen/Thüringen/Sachsen-Anhalt sieht nicht zuletzt im wirtschaftlichen Aufschwung eine Ursache für diese Entwicklung.

Bevölkerungszuwachs, sinkende Erwerbslosigkeit und eine stabile Kaufkraft gäben den Wunsch nach einer schönen, vielleicht auch größeren Wohnung oder gar einem Eigenheim bei vielen Menschen kräftig Nahrung. „Angesichts historisch niedriger Zinsen und verstärkter Zuzüge in die Region sehen wir bei Privatkunden eine große Nachfrage nach Wohnimmobilien zur Eigennutzung, aber auch als Kapitalanlage“, schätzt Frank Werner, Leiter private Immobilienfinanzierung der Bank in der Region Ost, ein.

In der Folge ziehen die Preise „sprunghaft“ an, so die Untersuchung. Demnach verteuerten sich seit dem Jahr 2000 die Eigentumswohnungen in Leipzig in guter Lage um rund 80 Prozent. Im Schnitt zwischen 3900 und 5100 Euro pro Quadratmeter müssten Interessenten für den Kauf einer neuen Wohnung in Toplage hinblättern. Bei „nur“ gutem Umfeld reiche die Spanne von 3300 bis 4200 Euro. Halle schneide günstiger ab. In Toplagen koste hier eine Eigentumswohnung zwischen 2600 bis 3100 Euro, in der zweiten Kategorie zwischen 2300 und 2700 Euro je Quadratmeter.

Die Mieten schnellten der Studie zufolge ebenfalls in die Höhe. Sie kletterten in Leipzig seit 2000 um 40 Prozent. In sehr guter Lage sind 9 bis 11,80 Euro zu berappen je Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. In einfacher Lage kommt der Verbraucher mit 5 bis 6,50 Euro hin. In Halle sind es zwischen 7,50 bis 10 beziehungsweise 4,50 bis 6,80 Euro.

„Das niedrige Zinsniveau lässt auch immer mehr Einwohner über einen Hauskauf nachdenken“, betont Martin Kiunke, Chef der Hypovereinsbank in Leipzig. „In guter Lage sind die monatlich zu zahlenden Raten nicht selten nur ähnlich so hoch wie die Wohnungsmiete.“ Aber auch bei den Eigenheimbauern sei natürlich die in der Region Leipzig/Halle insgesamt gute wirtschaftliche Situation ein wichtiger Beweggrund, in die eigenen vier Wände zu ziehen. Allerdings erhöhen sich auch hier die Kosten. Für Einfamilienhäuser in sehr guter Leipziger Lage seien bis zu 660 000 Euro hinzublättern, selbst in mittlerer Lage noch bis zu 390 000. Bei Doppelhaushälften sind es bis zu 510 000 beziehungsweise 350 000 Euro, Reihenhäuser in mittlerer Lage sind bis zu 320 000 Euro teuer.

Die Experten schätzen ein, dass das Preisniveau für Wohneigentum „die finanziellen Möglichkeiten eines Großteils der ansässigen Bevölkerung deutlich übersteigt“. Kiunke macht deshalb einen verstärkten Trend in die Peripherie von Leipzig und Halle aus. „Das Umland gewinnt an Bedeutung.“ Dafür spreche auch die gute infrastrukturelle Anbindung. Und: „Hier fallen nicht zuletzt die Preise etwas moderater aus.“

Noch günstiger hingegen sind sie weiter ab von den Metropolen. Dort verringerten sich sogar die Kaufpreise für Wohneigentum in einigen ostdeutschen Städten mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern in den vergangenen fünf Jahren. Wie das Internetportal Immowelt in seiner jüngsten Studie herausstellte, verzeichneten Gera und Plauen mit Minus 15 beziehungsweise sechs Prozent als die beiden einzigen der 108 untersuchten deutschen Mittelstädte einen Preisrückgang. Görlitz ging hingegen mit plus 29 Prozent durchs Rennen, in Zwickau stiegen die Kaufpreise um 25 Prozent.

Dennoch ist dies gegenüber so mancher West-Stadt ein vergleichsweise geringer Zuwachs: Am stärksten legten demnach Rosenheim (plus 79 Prozent), Esslingen, Lüneburg und Passau (je 67 Prozent) zu. In Konstanz beispielsweise ist derzeit ein Quadratmeter Wohneigentum mit 4480 Euro zehn mal so teuer wie in Plauen.

Von Ulrich Langer