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MUT Mittelständischer Unternehmertag im CCL auf der Neuen Messe in Leipzig. Trubel an den Ständen Foto: Andre Kempner Quelle: Kempner
Leipzig

Sechzig Sekunden sind nicht viel, um eine Idee zu präsentieren, von der eine ganze Existenz abhängen könnte. Katrin Pflugfelder von „Allegro Packets“ merkt man ihre Nervosität ein wenig an, als sie in den Fahrstuhl steigt, der ihr in der nächsten Minute als Bühne dient. „Elevator-Pitch“ ist ein Begriff aus dem Wirtschaftsjargon und steht dafür, eine Geschäftsidee in möglichst kurzer Zeit an den Mann, beziehungsweise den Investor zu bringen. Auf dem diesjährigen Mittelständischen Unternehmertag Deutschland wird diese Methode wörtlich genommen. Alle Besucher des MUT können per Videoübertragung verfolgen, wie Katrin Pflugfelder vom dritten Stock des Congress Center Leipzig ins Erdgeschoss fährt und ihr Produkt bewirbt.

Die MUT 2018 in Leipzig zeigte neben etablierten Programmpunkten einige neue Formate.

„Es geht auch darum, die Generationen zusammen zu bringen“, erklärte Simone Dake, die gemeinsam mit Daniel Zein die Geschäftsführung des Kongresses bildet, gestern in ihrem Grußwort. Der Wirtschaft in Deutschland gehe es gut, ein passender Zeitpunkt also, um den MUT weiterzuentwickeln. Zur 14. Auflage gab es auf dem Kongress neben den etablierten Programmpunkten deshalb vier Themenforen, die sich unter anderem mit der Internationalisierung des deutschen Marktes, Digitalisierung und Personalmanagement beschäftigten. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung rückte das Scheinwerferlicht auf Start-ups, also neu gegründete Unternehmen mit oft innovativen Geschäftsideen.

Junge Unternehmer bringen neue Ideen auf den MUT

Zu dieser Kategorie zählt auch Pflugfelders Firma, die ein Gerät zur Problemanalyse in Netzwerken anbietet. Die 38-Jährige hat den „Netwerk Multimeter“, selbst mitentwickelt und will die MUT nutzen, ihr Produkt auch bei Mittelständlern bekannter zu machen. Das gleiche Ziel verfolgen auch andere Jungunternehmer. Sie hatten etwa über das Speed-Dating-Format „Krawatte trifft Hoodie“ die Möglichkeit, sich erfahrenen Firmenlenkern direkt vorzustellen. Die Runde fiel recht klein aus: Letztendlich saßen den vier Jacketts nur ein Kapuzenpullover, zwei Hemden und eine Strickjacke gegenüber.

Eine weitere Chance konnten vier Startups auf der Bühne des von der LVZ initiierten Basislagers und des Spinlabs der Handelshochschule Leipzig nutzen. Sie hatten jeweils sieben Minuten Zeit um gegeneinander anzutreten, ihr Geschäft zu präsentieren und sich dann den knallharten Fragen und Kommentaren der Juroren zu stellen. „Wenn du nicht monetär bist, sehe ich deine Daseinsberechtigung nicht“, sagte etwa CEO Jens Müller zu einem der Kandidaten. Das Rennen machte schließlich das Leipziger Unternehmen „Geld Pilot 24“, das digital alle Versicherungs- und Finanzverträge seiner Kunden verwaltet und auf Sparpotentiale prüft. Die Entscheidung fiel einstimmig aus. „Ganz tief im Thema und auf alle kritischen Fragen eine Antwort“, urteilte Juror Christopher Siebenhüner. “Uns zeigt das, dass wir mit unseren Ideen hier hin gehören“, sagte Marcus Jungnickel, der „Geld Pilot“ mitgegründet hat.

Digitalisierung ist weiterhin eine Herausforderung

Das Geschäftsleben besteht jedoch nicht nur aus Erfolgen. Wie es weitergehen kann, wenn man etwas so richtig in den Sand gesetzt hat, erzählten Bert Overlack und Dirk Schöps in ihrem „Fuck-up-Special“. Overlack ist selbst mit seinem Unternehmen im Jahr 2011 pleite gegangen und kann sich an die emotionale Achterbahnfahrt, die darauf folgte noch gut erinnern. „Wir schauen gern auf die Erfolgsseite und tun so, als würde es die andere nicht geben“, sagt er. Er will junge Unternehmer dazu ermutigen, sich mit ihrem möglichen Scheitern auseinanderzusetzen, um für den Notfall einen Plan zu haben. Danach könnten negative Gedanken getrost wieder in der Schublade vergraben werden.

Neben den verjüngten Formaten blieb das traditionelle Programm des MUT erhalten. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der eigentlich als Redner für das Forum „MUT kontrovers“ angekündigt war, konnte wegen einer spontanen Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg nicht erscheinen. Stattdessen diskutierten die Unternehmer Peter Ledermann, Ulrich Mönch, Jens Müller und Marcus Lingel über die Frage, wie viel Veränderung Unternehmen vertragen können. Im Zentrum stand dabei das „Angstschlagwort“ Digitalisierung. Marcus Lingel, Inhaber und Geschäftsführer der Merkur-Bank, musste sich etwa der Frage stellen, ob Banken überhaupt noch zeitgemäß seien. „Es kommt darauf an, ob man ein klares Profil hat“, sagte der Banker dazu. Dann könne der Wandel durchaus eine Chance darstellen. Als weiterer Höhepunkt berichtete am Nachmittag Dirk Rossmann, Gründer der gleichnamigen Drogerie, von seinen Erfahrungen, Erfolgen und Krisen als Unternehmer.

Unternehmertag soll in Leipzig bleiben

Der MUT Deutschland soll auch in Zukunft in Leipzig bleiben. „Wir wollen von hier aus den Anker auswerfen“, sagt Geschäftsführer Daniel Zein. Der Schwerpunkt Personalmanagement des aktuellen Jahres solle schon einmal auf den nächsten MUT vorbereiten, der das Thema Fachkräfte und deren Mangel fokussieren soll. „Auch in Zukunft braucht man für Arbeit Menschen“, meint Zein. Wie viele davon gestern im Cogress Center Leipzig waren, konnte er am Abend noch nicht sagen. Der Veranstalter hofft aber, die 1.800 Besucher des Vorjahres erreicht zu haben.

Von Hanna Gerwig

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